Spassverderber vom Dienst

Es gibt Menschen, die sind nur dazu angestellt, uns den Spass zu verderben. Nein, okay, das ist gemein formuliert. Also nochmal: Es gibt Menschen, die sind dazu angestellt, unsere Neugier auf ein Buch zu wecken. Und was tun sie oft? Sie verderben uns den Spass. Total und auf der ganzen Linie.

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Rubrik "sage und schreibe" für Peter Surber focus (Bild: Photographer: Angela Kausche (22228734))

Rubrik "sage und schreibe" für Peter Surber focus (Bild: Photographer: Angela Kausche (22228734))

Es gibt Menschen, die sind nur dazu angestellt, uns den Spass zu verderben. Nein, okay, das ist gemein formuliert. Also nochmal: Es gibt Menschen, die sind dazu angestellt, unsere Neugier auf ein Buch zu wecken. Und was tun sie oft? Sie verderben uns den Spass. Total und auf der ganzen Linie.

Dieser Berufszweig nennt sich «Klappentextschreiber». Eigentlich ist das ein cooler Job. Die Damen und Herren dürfen neue Bücher lesen und müssen dann Texte schreiben, die uns Leser dazu bringen sollen, das Buch zu kaufen.

Was ist die Hauptsache?

Das funktioniert im grossen und ganzen ja auch ganz gut. Aber es gibt eben Fälle, da möchte man in die Tastatur hauen und den Klappentextschreibern mal gehörig die Meinung geigen. Und ihnen mitteilen, wie gekonnt sie uns mal wieder die Spannung zerstört haben und wie sehr wir uns ärgern, ihren doofen Klappentext überhaupt gelesen zu haben.

Da gibt es zum Beispiel John Norfolks «Das Festmahl des John Saturnall», ein fettes Buch über einen Koch, der im England des 17. Jahrhunderts lebt. Ja, er liebt auch eine Frau, und ja, er kriegt sie nicht. ABER DAS IST DOCH GAR NICHT DIE HAUPTSACHE! Und vor allem: Die beiden begegnen sich zum erstenmal auf Seite 143, da sind sie aber noch Kinder! Welcher Märchenonkel macht sich so dilettantisch die eigene Geschichte kaputt?

Oder Martin Gülichs «Was uns nicht gehört». Da verrät uns der Text auf der Rückseite bereits, was wir erst auf Seite 72 erfahren – bei 170 Seiten Gesamtlänge. Grrr.

Kommissare hinken hinterher

In schrecklicher Erinnerung «Die fünfte Frau», der erste Krimi, der von Henning Mankell ins Deutsche übersetzt wurde. Es passieren diverse Morde in der bluttriefenden Geschichte, das wissen wir Klappentextleser schon vor der Lektüre. Ist ja nicht so tragisch, wenn wir von einem Krimi bereits wissen, dass der gesuchte Mörder ein Serienkiller ist. Die Kommissare werden es auch erfahren – allerdings Hunderte Seiten später.

Valeria Heintges