«Sospiri» von Rigolo: Poetischer Tanz im Lichtensteiger Sand

Das neue Stück «Sospiri» des Tanztheaters Rigolo ist so intim, dass selbst das Atmen der Tänzerinnen Teil der Dramaturgie wird. Derzeit ist es in Lichtensteig zu sehen.

Roger Berhalter
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Marula Eugster als lauernde Wüstenkreatur.

Marula Eugster als lauernde Wüstenkreatur.

Bild: PD

Sand wirbelt auf, Palmblattrispen kreisen in der Luft, nackte Füsse schaben über den Boden. «Sospiri» heisst die neue Produktion des Rigolo-Tanztheaters, die am Freitag in Lichtensteig Premiere feierte. Dabei spielen drei Tänzerinnen die Hauptrolle: Marula Eugster (die jüngste Tochter des Rigolo-­Gründerpaars Mädir Eugster und Lena Roth), Naomi Schwarz und Schanika Mohn.

Sie tanzen auf dem sandbedeckten Bühnenboden und unter dem zwiebelförmigen Dach des handgefertigten Rigolo-Zeltes. Dieses steht zwar in Lichtensteig, doch die gut 100 Zuschauer wähnen sich in einem Beduinenzelt mitten in der Wüste.

Weniger Spektakel als bei «Wings»

In den 13 Tanznummern spielen die geschwungenen Rispen von Palmblättern eine tragende Rolle. Mit ihnen treiben die Tänzerinnen ein vielfältiges Spiel. Sie lauern wie Wüstenkreaturen am Boden, wiegen sich in fliessenden Bewegungen, zucken ruckartig durch den Raum oder wirbeln locker im Kreis.

Ausdrucksstarke Tanzakrobatik von Schanika Mohn.

Ausdrucksstarke Tanzakrobatik von Schanika Mohn.

Bild: PD

Vieles – wie eben die Rispen oder die schwebende Feder – erinnert an das Rigolo-­Stück «Wings». Doch «Sospiri» setzt kaum mehr auf Spektakel, sondern auf tänzerische Poesie und ist so intim, dass das Atmen der Tänzerinnen Teil der Dramaturgie wird.

Rigolo gelingen wiederum Bilder, die haften bleiben. Etwa die rotierende Palmrispe auf dem Kopf von Naomi Schwarz oder die ausdrucksstarke Tanzakrobatik von Schanika Mohn. Und natürlich die atemraubende Sanddorn-­Balance, in die auch «Sospiri» mündet und mit der Rigolo weltweit bekannt geworden ist.

Marula Eugster bei der Sanddorn-Balance.

Marula Eugster bei der Sanddorn-Balance.

Bild: PD

13 Rispen und eine Feder fügt Marula Eugster zu einem Mobile zusammen. Eine wunderschöne Metapher auf die Fragilität des Lebens und auf die Flüchtigkeit der Dinge.

Wie ein grosses Mobile schweben die Palmblattrispen im Raum.

Wie ein grosses Mobile schweben die Palmblattrispen im Raum.

Bild: PD

Einmal mehr setzt das Theater Rigolo auf die Kraft und Intensität dieser Nummer. Man kennt sie, es gibt sie seit bald 25 Jahren. Und doch fasziniert der Balanceakt immer wieder, auch im Beduinenzelt in Lichtensteig.

Die Vorstellungen in Lichtensteig sind ausverkauft; weitere Termine unter www.rigolo.ch/spielplan

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