Songs vom See

Heidi Happy ist zurück. Mit neuer Platte, in Luzern und überhaupt. Ihren Drittling hat sie sich am Bodensee ausgedacht, in der stillen Einsamkeit. Denn ihre Stärke liegt in der Ruhe.

Michael Gasser
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Heidi Happy hat vier Monate in Eschenz gewohnt – mit Piano und Boot, aber ohne TV und Internet. (Bild: pd)

Heidi Happy hat vier Monate in Eschenz gewohnt – mit Piano und Boot, aber ohne TV und Internet. (Bild: pd)

Das Hin und Her ist vorüber. Seit gut zwei Jahren ist Priska Zemp nun in Luzern daheim, Amsterdam, wo sie audiovisuelle Kunst studierte, hat sie hinter sich gelassen. Gleichzeitig hat sie sich aber auch von einem Stück alter Heimat getrennt: Als Heidi Happy ist sie nicht mehr beim Luzerner Label Little Jig unter Vertrag, sondern bei Two Gentlemen aus der Westschweiz. Womit sie nun zur selben Plattenfirma gehört wie die oft mit ihr in einem Atemzug genannte Sophie Hunger. Was Zemp keineswegs stört.

Komponieren in Phasen

Und woran hat sie gemerkt, dass es wieder Zeit für ein neues Album ist? «Mir wird langweilig, wenn ich zwei Jahre lang dasselbe Programm spielen muss.» Es gebe bei ihr immer wieder diese Phasen, in denen sie neue Songs schreiben wolle, ja, müsse. Dieses Mal hatte sie sich eine klare Zeitspanne gesetzt: vier Monate, in denen ihr ein Haus am Bodensee, in Eschenz, zur Verfügung stand. Mit Piano und Boot, aber ohne TV, Radio oder Internet. «Ich wusste, dass ich Musik für ein grosses Orchester schreiben wollte.

Zwar hatte ich keine Ahnung, ob ich das kann, aber ich verspürte grosse Lust darauf.»

So wie es sich gehört, ist Heidi Happy davon überzeugt, dass das neue Album besser als ihr letztes ist. Und sie hat recht damit. Rückblickend wirkt «Flowers, Birds and Home» (2008) wie ein Übergangswerk, wie ein halber und zaghafter Schritt vorwärts.

Während sich ihr Début «Back Together» keck, ironisch und auf eine überaus charmante Weise unprofessionell gab, zeigte der Nachfolger bereits erhöhten Reifegrad, doch man spürte: Der Prozess ist noch sehr im Tun. Passend, dass die Musikerin uns damals beschied: «Aber gell, das ist im Fall nicht die endgültige Heidi Happy.» Auf die Frage wie nah sie denn dieser mit «Hiding With The Wolves» gerückt sei, sagt sie: «Näher.» Und lacht lauthals.

Schluss mit lustig

Auch wenn Heidi Happy weiterhin unverkennbar Heidi Happy ist, kommt «Hiding With The Wolves» auch einem kleinen Abschied gleich. Denn mit lustig ist nun Schluss. Die ironischen, die verspielten und auch naiven Seiten hat Zemp in den Hintergrund verbannt. Sie habe sich zwar nie so richtig entschieden, welche Richtung ihre Musik einschlagen solle, aber: «Jetzt bin ich 30, da kann ich nicht mehr das herzige Mädchen vom Land spielen.» Heidi Happy ist erwachsen geworden, endgültig.

Und hat ihren Sound entrümpelt. Ein bisschen Twang und Italowestern-Feeling darf noch sein. Ansonsten herrscht der grosse, der symphonische und gleichwohl zärtliche Pop. Im Gegensatz zu den Geigen müssen sich die Gitarren nahezu in leiser Zurückhaltung üben. «Hiding With The Wolves» jubiliert nicht, es ist ein ebenso bedächtiges wie nachdenkliches Werk.

Texte werden wahr

Priska Zemp macht keinen Hehl daraus, dass ihren Texten häufig Biographisches anhaftet. «Beim Schreiben schmücke ich die Dinge allerdings gerne aus. Oder ich dramatisiere sie.» Lustigerweise seien viele ihrer Lyrics zu «Hiding With The Wolves» im nachhinein wahr geworden. «Wo vorher die Hälfte zutraf, stimmt nun fast alles», wundert sie sich.

Mit Orchester zu teuer

Im Moment ist Zemp zusammen mit ihren Musikern daran, die symphonischen Arrangements der Platte für die Band umzuschreiben. «Das dürfte dann ein bisschen erdiger und wilder klingen.» Zu ihrem Leidwesen wollte sie bislang kein Veranstalter zusammen mit dem ganzen Symphonieorchester verpflichten. Zu teuer, zu aufwendig. Sicher, billig würde es nicht, das neue Material in dieser Form auf die Bühne zu bringen. Aber lohnen würde es sich allemal.

Heidi Happy: Hiding With The Wolves (Two Gentlemen/Irascible)