Hörbar Rock: Lieder über den Widerstand

Ein Wiederhören mit Tom Waits und ein fades Werk von Animal Collective, das mit einem Video-Meeresbiologen-Künstlerduo erarbeitet wurde.

Pirmin Bossart
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Songs und Widerstand

Ein seltenes Wiederhören mit Tom Waits gibt es auf dem neuen Album von Marc Ribot. Dieser interpretiert mit dem Gitarristen in seinem unnachahmlichen Timbre das italienische Partisanenlied Bella Ciao. Ribot versammelt auf seinem Album Lieder aus der jüngeren Widerstandsgeschichte und eigene Songs. Der Protest richtet sich gegen das brüskierende Twitter-Regime von Donald Trump. Musikalisch wechseln die Temperamente von spirituellem Jazz über countryeske und soulige Formate bis zum eindringlichen Rock-Track «The Big Fool». Neben Tom Waits wird Ribot noch von andern bekannten Stimmen unterstützt. Rabiat, sensibel, vielfältig.

Marc Ribot: Goodbye Beautiful/Songs of Resistance 1942-2018, Anti-Records

Punk und Wort

Der Schweizer Musiker und Performance-Künstler Joke Lanz, der in Berlin lebt, legte 2014 mit «Wölfli’s Nightmare» (Vodoo Rhythm Records) ein punkig-emotionales Album vor. Aus dem langjährigen Projekt Sudden Infant ist mittlerweile ein festes Trio mit dem Bassisten Christian Weber und dem Schlagzeuger Alexandre Babel geworden. Letztes Jahr tourte Sudden Infant mit den Spoken-Word-Punkern Sleaford Mods. Nun legt das Trio mit «Buddhist Nihilsm» nach: Expressiv, minimalistisch, mit wuchtigem Puls. Joke Lanz rezitiert, singt, lärmt und entwirft ungemütliche Zeitbilder zwischen Empörung, Betroffenheit und Gelächter. Die Musik ist unmittelbar und verzichtet auf Pop-Schnörkel.

Sudden Infant: Buddhist Nihilism, Harbinger Sound

Riff und Ambient

Das neue Album von Animal Collective ist nicht wirklich zu empfehlen, auch wenn es in seiner tändelnden Extravaganz gefällt. Es ist ein einziges Gesäusel aus elektronischen Klängen und Stimmen. «Tangerine Reef» wurde als audiovisuelles Werk mit dem Video-Meeresbiologen-Künstlerduo von Coral Morphologique erarbeitet. Animal Collective sind hier nicht die gefeierten Indie-Rock-Erneuerer mit ihren euphorischen Salven, sondern die Ambient-Psychonauten, die zum «Jahr des Korallenriffs» ihren etwas faden Beitrag leisten.

Animal Collective: Tangerine Reef, Domino