SOMMERTHEATER: Rebellion unterm Sternenhimmel

Schaffhausens ehemalige Sternwarte wird zum Bauernhof. Jürg Schneckenburger inszeniert George Orwells «Farm der Tiere» am Sommertheater Schaffhausen. Heute ist Premiere.

Dieter Langhart
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Das Sommertheater Schaffhausen spielt «Farm der Tiere» vor der alten Sternwarte. (Bild: PD)

Das Sommertheater Schaffhausen spielt «Farm der Tiere» vor der alten Sternwarte. (Bild: PD)

Jedem bekannt ist der Stoff, aus dem die Träume sind – die Träume von der Freiheit. George Orwell hat «Animal Farm» (Farm der Tiere) 1945 veröffentlicht – als Parabel einer Rebellion gegen die Herrschenden und ihre Macht und was die Auflehnung aus den Beteiligten macht. Die Tiere auf einem Hof in England jagen den Bauern davon, ihren Ausbeuter. Das lässt sich gut an, doch bald schwingen sich die Schweine zu neuen Führern auf, und alles wird schlimmer, als es je gewesen war. Denn «alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher».

Regie in der neuen Produktion des Sommertheaters Schaffhausen führt erneut Jürg Schneckenburger. Mit Dramaturg Andri Beyeler hat er Orwells Vorlage in die Mundart übertragen. Trotz der politischen Aussage des Stoffs will Schneckenburger ihn all­gemeiner verstanden wissen: «Machtmechanismen entstehen dort, wo Menschen Angst, Überforderung oder ein grosses Geltungsbedürfnis empfinden.» Seine Inszenierung wolle «eigene Assoziationen wecken».

Schon vor der Stückwahl hatte der Spielort festgestanden: die alte Sternwarte mit ihrer Kuppel. Da war aber ein Problem, wie Jürg Schneckenburger gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten» angab: Die Windmühle – ein zentrales Element der Geschichte – konnte nicht auf der Bühne stehen, «weil die Sternwarte schon den Bauernhof darstellt und nicht mitten im Stück als Windmühle umgedeutet werden kann». Und Schneckenburger wollte mit seiner Inszenierung möglichst nahe am Original bleiben. Weil die Windmühle zerstört und wieder aufgebaut wird, liess sich der Regisseur einen Kniff einfallen: Ein Teil der Geschichte wird erzählt, nicht gespielt. Damit die Erzählpassagen nicht dröge ausfallen, werden sie mit Musik untermalt.

Komponiert hat sie Jazzpianist Thomas Silvestri – und er spielt sie live, unterstützt vom ­Ensemble als Band. Menschliche Figuren gibt es keine in der Inszenierung, Bauer Jones’ Stimme kommt ab Band. Achtzehn Darsteller spielen mit Körper und Stimme, aber ohne Masken – zu heiss für Sommerabende.

Dieter Langhart

Do, 27.7., 20.30 Uhr, Schulhausplatz Steig, Schaffhausen; Mi–So bis 19.8. Infos und Karten: sommertheater.ch