Solo für den verspielten Drummer

Der Rheintaler Schlagzeuger Enrico Lenzin hat seine erste Solo-CD aufgenommen und breitet darauf sein ganzes Können aus – die Künstlerin Lika Nüssli hat sich davon zu einem Bilderheft inspirieren lassen. Freitag ist Premiere.

Dieter Langhart
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Fasnacht: Illustration zu Track 6 auf «Kling & Klang». (Bild: Lika Nüssli)

Fasnacht: Illustration zu Track 6 auf «Kling & Klang». (Bild: Lika Nüssli)

REBSTEIN/ST. GALLEN. Es gibt Menschen, die meinen, Schlagzeuger spielten im Hintergrund, gäben einfach den Rhythmus an für die Band, und einmal im Konzert holten sie aus und glänzten mit ihrem Solo. Das zu glauben, hiesse, Enrico Lenzin zu unterschätzen, mächtig zu unterschätzen. Der Rheintaler ist ein Hansdampf an allen Klangkörpern und in manchen Projekten, auch wenn er fragil wirkt, fast introvertiert mit seinem feinen Lächeln. Jetzt holt er aus und stellt seine erste Solo-CD vor.

Doppeltes Kunstwerk

Darauf zeigt Lenzin sein breites Können, und die Liste aller Instrumente und Klangkörper, denen er Töne entlockt hat, füllt eine Doppelseite im Booklet, und dieses Booklet ist doppelt so gross wie üblich und 24 Seiten stark, und Lika Nüssli hat es gemalt und gestaltet, die Künstlerfreundin aus St. Gallen, und sie wird den Musiker an der CD-Taufe am Freitag mit Livebildern begleiten. Kennengelernt hat er sie auf einer Tournée mit Tanzplan Ost. «Lika ist witzig, tiefgründig, sie hat sofort zugesagt.» Als die CD eingespielt war, gab er ihr die zehn Stücke: «Mach damit, was du willst.»

Enrico Lenzin bezeichnet sich als sehr flexiblen Schlagzeuger: «Ich spiele alles, von traditionell bis frei, habe rund hundert Auftritte jedes Jahr.» Oft spielt er mit seinem jüngeren Bruder Peter, dem Saxophonisten (beide haben 2013 den Anerkennungspreis der St. Gallischen Kulturstiftung erhalten), etwa im Duša Orchestra um den Akkordeonisten Goran Kovacevic, das sich 2013 auflöste. Oder mit Spoken-Word-Künstler Renato Kaiser.

Drei Alphörner und ein Spunk

Oft aber spielt Enrico Lenzin ganz allein: das Hang oder das Alphorn. «Ich habe Trompete gespielt, bis ich achtzehn war», sagt er, «vor fünf Jahren habe ich das Alphorn für mich entdeckt.» Er spiele oft im Wald, er mag die Naturtöne des Alphorns. Ist das Alphorn nur eine musikalische Phase? «Nein. Inzwischen habe ich deren drei, eines davon aus Carbon, das sich zusammenschieben lässt.»

Auf seiner nächsten CD werde mehr Alphorn zu hören sein als auf der Solo-CD «Kling & Klang». Der Titel klingt an Pippi Langstrumpf an, denn so hiessen die beiden Polizisten. «Die CD ist verspielt, frei wie Pippi Langstrumpf», erklärt Enrico Lenzin. Da ist noch eine Reverenz an Astrid Lindgrens Buch – Spunk hiess die Jazzband, in der er vor zehn Jahren gespielt hat. Und die jüngere seiner zwei Töchter lernt Schlagzeug – bei ihrem Vater.

Talerschwingen modern

Warum erst jetzt eine Solo-CD? «Die Zeit mit Duša war sehr intensiv, jetzt bekommt anderes Platz.» Und ganz viel anderes ist auf «Kling & Klang» zu hören: dünne Becken und dumpfe Trommeln; Brummen und Klingeln; Fernöstliches, das sich zu treibend Modernem wandelt; das Schnaufen einer Kuh, Vogelgezwitscher, eine tickende Uhr.

«Viel Persönliches steckt in der CD, auch die Fasnacht in Altstätten. Mein Vater spielte in einer Gugge, auch mein Schwiegervater.» Enrico Lenzin mag das Spielerische und Verspielte: Das Stück «Finanzkrise» erinnert an eine Auftragskomposition für die Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde 2009, «Der Rubel rollt» an eine für das Schweizerische Institut in Rom 2014 – der Taler schwingt, bis die Schüssel zerspringt.

CD-Vernissage mit Live-Visuals: Fr, 21.8., 20 Uhr, Raum für Literatur, Hauptpost, St. Gallen; weitere Konzerte auf www.enricolenzin.ch

CD-Abspann: Alle eingesetzten Instrumente und Klangmittel. (Bild: Lika Nüssli)

CD-Abspann: Alle eingesetzten Instrumente und Klangmittel. (Bild: Lika Nüssli)

Der Schlagzeuger Enrico Lenzin holt aus allem Töne hervor. (Bild: MacBaertsch)

Der Schlagzeuger Enrico Lenzin holt aus allem Töne hervor. (Bild: MacBaertsch)