So klingt das Leben

Was für eine Entdeckung: Mit «The World Is An Isle» legen die Good Counselors nichts weniger als das schönste Stück der noch jungen Saison ab. Am Samstag feiern sie die Veröffentlichung ihres zweiten Albums mit einem Konzert im Palace.

Michael Hasler
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Good Counselors auf der grünen Insel: Marc Jenny, Thomas Sonderegger und Stefan Ingold (von links) während einer Tour durch Irland. (Bild: pd/Fin Costello)

Good Counselors auf der grünen Insel: Marc Jenny, Thomas Sonderegger und Stefan Ingold (von links) während einer Tour durch Irland. (Bild: pd/Fin Costello)

Man soll mit Superlativen ja gemeinhin eher geizen, als sie allzu grosszügig in die Welt zu verteilen. Und dennoch: etwas im langen Schatten der aktuellen Stahlberger-CD «Abghenkt» beschert das St. Galler Folk-Trio Good Counselors dem Frühling einen der wunderbarsten Tonträger der letzten Jahre.

Unmittelbar und echt

Dass Bassist Marc Jenny, Gitarrist Thomas Sonderegger sowie Pianist und Sänger Stefan Ingold – alle nicht mehr ganz taufrisch in der St. Galler Musikszene und altersmässig eher bei 40 als bei 30 – für den bisherigen musikalischen Überflug der jungen Saison sorgen, überrascht doch sehr. Denn, die Good Counselors gibt es einerseits seit einer gefühlten Ewigkeit (sicher sieben Jahre) und andererseits sind die drei Musiker kumuliert bereits seit Jahrzehnten in diversen Formationen zu hören gewesen.

Es überrascht auch deshalb umso mehr, als dass das Album bei aller homogenen Schönheit vor allem auch die Entdeckung des Sängers und Texters Stefan Ingold ist. Der Theaterpädagoge, der damals (Insider mögen sich erinnern) bei «Splitternacht» mit Gesang und Sprechgesang verführte, scheint sich in seinem bis dato persönlichsten Projekt neu erfunden zu haben. Gereift wirkt die unprätentiöse Stimme, die ohne Effekt und ohne Pathos auskommt und gerade deshalb verführt und vor allem berührt.

Es sind Geschichten, ganz kleine und mittelgrosse, die Stefan Ingold in seinen Songs erzählt und den Hörer mitnimmt: weg von hier, auf eine Insel oder irgendwohin.

Homogen und reduziert

Es ist der Mut zur Reduktion, die erspielte Entspannung nach sechs Jahren Liveauftritten, die einem aus diesem Album abwechselnd entgegenlacht und entgegenweint. Es ist das Leben selbst, das diese Songs trägt und nährt, sie zu mehr als Akkorden und Melodien wachsen lässt. Und manchmal ist jenes in diesen zwölf Songs wundersam und vielfarbig, schwebend und wahr.

Dass «The World Is An Isle» ein kleines Wunder geworden ist, eine Trouvaille für Suchende, liegt massgeblich auch am Mut zu reduzierten Arrangements. «Wir hatten eine ziemlich klare Vorstellung, wie das Album klingen sollte und taten uns lange schwer, jemanden zu finden, der unser Material nicht einfach umbauen wollte, sondern bereit war, mit uns daran zu arbeiten», erklärt Stefan Ingold.

Dass es mit Olifr M. Guz am Ende der gleiche Architekt wie bei Stahlbergers jüngstem Wurf war, mag vordergründig ein Zufall sein. In der Konsequenz tat Guz, was auch bei Stahlberger unüberhörbar ist: er entschlackt und entrümpelt, bis am Ende nur noch die Geschichte, die Stimmung, der Song bleibt.

Der eine Hit

Dennoch sind diese Songs auf «The World Is An Isle» filigran und vielschichtig und driften nie ins allzu Banale ab. Ständig erinnert einen das eine Soli, der eine Klaviertupfer, das eine Gitarrenlick daran, dass sich hier drei fabulöse Musiker gefunden haben. Es ist Neugierde und Lust, welche das Trio antreibt und in den besten Momenten schlicht unwiderstehlich macht.

Seinen erhabensten Moment erlebt das Gesamtwerk beim Titel gebenden Track 3 «The World Is An Isle». Dieser Song ist ein Hit – und zwar im ursprünglichsten Sinn. Ein Schlag, der einem kurz das Herz stillstehen lässt und dann seine wundersame Wärme in der Seele und dem ganzen Körper verteilt. Allein schon diese vier Minuten haben es verdient, diesen Samstagabend im hoffentlich restlos ausverkauften Palace gehört zu werden.

Sa, 9.4., Palace St. Gallen, 21 Uhr (Tür 20 Uhr); mit Olifr M. Guz als Gast und DJ nach dem Konzert

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