So charmant wie seine Songs

Es hätte nicht viel gefehlt und Bastian Baker wäre Eishockey-Profi geworden. Seinen sportlichen Elan hat sich der Romand allerdings erhalten. Dementsprechend will er mit seinem dritten Album nur eins: Besser werden.

Michael Gasser
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Zurzeit einer der erfolgreichsten Musiker des Landes: Bastian Baker. (Bild: pd/Bernardo Doral)

Zurzeit einer der erfolgreichsten Musiker des Landes: Bastian Baker. (Bild: pd/Bernardo Doral)

Bastian Baker sitzt draussen, geniesst die Herbstsonne und lacht zufrieden. Von Druck keine Spur. Und das, obschon Baker – der mit seinen ersten beiden Platten ganz oben in den Schweizer Charts mitmischte – dieser Tage sein neues Werk «Facing Canyons» veröffentlicht. «Natürlich hätte ich nichts dagegen, damit auf Platz 1 der Hitparade zu landen. Mir ist aber viel wichtiger, dass die Konzerte voll sind», sagt der Romand. Das gelingt ihm zurzeit gut. Für sein Konzert am Donnerstagabend in St. Gallen gab es schon lange im voraus keine Tickets mehr.

Immer schön bescheiden

Doch grössenwahnsinnig will er deswegen nicht werden. Als Teenager habe er ein ziemlich grosses Ego besessen. Das habe sich aber mit der Veröffentlichung seines ersten Albums 2011 gelegt. Heute ist es ihm ein Anliegen, immer schön bescheiden zu bleiben. «In diesem Business denkt man schnell, man sei der Beste.» In der Schweiz werde er von den Fans und den Medien gut behandelt, logiere in tollen Hotels, doch das sei kein Grund, in irgendeiner Form abzuheben. «Im Ausland muss ich mir meinen Platz noch erkämpfen», sagt der 24-Jährige.

Für Claude Nobs gespielt

Dass er sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat, daran zweifelt er nicht. «Deshalb versuche ich, nicht nur mich selbst, sondern auch meine Musiker weiter zu pushen.» Eine geradezu sportliche Einstellung, die daran erinnert, dass Baker 13 Jahre lang Eishockey spielte und einst sogar das Angebot vorliegen hatte, Profi zu werden – wie sein Vater vor ihm. Doch der Lockruf der Musik war stärker. Ein richtungsweisender Moment habe sich bei einem Auftritt in einer Bar in Zermatt zugetragen. «Mein Konzert war schon beinahe vorüber, als ich hörte, dass Claude Nobs eingetroffen sei. Da habe ich mein Set von vorne begonnen.» Eine Aktion, die ihm ein Treffen mit dem 2013 verstorbenen Gründer des Montreux Jazz Festivals bescherte.

Das erste Liebeslied

Eigentlich hatte Baker nach «Too Old To Die Young» (2013) gar nicht mehr vor, nochmals einen Longplayer aufzunehmen. Er dachte, es sei besser, heutzutage nur noch Singles zu veröffentlichen. «Doch dann standen wir im Studio in England und es lief derart gut, dass ich nach zwei Tagen beschloss, doch auf ein Album hinzuarbeiten.» Dessen elf Tracks sind auf Reisen rund um den Globus gereift. Und zum erstenmal habe er waschechte Liebeslieder verfasst, sagt der Künstler.

«Tattoo On My Brain», das zärtlichen Folk mit präzisem Pop mischt, oder das sehnsüchtige «White Room» drehen sich um eine – inzwischen beendete – Romanze. Und obwohl die Phantasie stets Teil seiner Kompositionen sei, bemühten sich seine Texte um grösstmögliche Wahrhaftigkeit. «Ich will zum Ausdruck bringen, wie ich fühle oder leide», sagt Baker. Er umgibt sich mit linden Klängen von Mandoline, akustischer Gitarre und Piano und kommt zum Schluss, dass seine eigenen Probleme ein Klacks seien. Bastian Baker will sich mit «Facing Canyons» nicht neu erfinden, aber weiterentwickeln. Seine Lieder sind unverändert geschmeidig, doch da und dort dringen ungewohnte Töne durch. Wie auf «I Want You», das mit Jazz- und Funk-Elementen jongliert und mit Lockerheit überzeugt. Bastian Baker hat an Reife zugelegt, auf allen Ebenen. Sein Gesang ist selbstverständlicher, seine Songs greifen tiefer – und die Musik? Die ist und bleibt so charmant wie eingängig.

Nur Frauen an den Konzerten?

Daran, dass insbesondere das weibliche Geschlecht zu seinen Gigs pilgert, dürfte sich also auch in Zukunft nichts ändern. Das ist Bastian Baker einerlei. «Es würde mich nicht im geringsten stören, wenn nur Frauen zu meinen Konzerten kämen», sagt er. Und lacht zufrieden, einmal mehr.

Bastian Baker: «Facing Canyons», Phonag, ab jetzt im Handel