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SKULPTURENPARK: Kraftort für Kunst, Natur und Geschichte

Das ehemalige Klösterchen Schönthal hat eine bewegte Geschichte. Der Besitzer sorgt dafür, dass diese weitergeschrieben wird. Diesen Sommer mit Werken von Peter Kamm und Hans Josephsohn.
Brigitte Schmid-Gugler
Halbfiguren und Reliefs des Bildhauers Hans Josephsohn im Innenhof des Klosters Schönthal. (Bilder: PD)

Halbfiguren und Reliefs des Bildhauers Hans Josephsohn im Innenhof des Klosters Schönthal. (Bilder: PD)

Brigitte Schmid-Gugler

Dorothea, Wilbina, Mechtild, Adelheid. Nach den letzten vier Ordensfrauen sind die vier geschmackvoll und funktional eingerichteten Herbergszimmer benannt, die Gästen im Klösterchen Schönthal zur Verfügung stehen. Und draussen vor dem romanischen Portal der Klosterkirche steht noch «Verena», die vermutlich keine Nonne war. Hans Josephsohn schuf die Halbfigur im Jahr 1989. Es scheint, als hätte er, als er vor zehn Jahren zum ersten Mal im Schönthal ausstellte, der Vergangenheit, der Geschichte noch einmal Leben eingehaucht. Oder wie Paul Nizon über die Gestalten seines Wegbegleiters einmal sagte: «Sie kehren aus seelischem Stoff in die Physis zurück.» Der wuchtige Solitär «Verena» durfte bleiben, er gehört heute der Stiftung. Ihre schrundige Oberfläche scheint zu verwachsen mit den morbid-porösen Steinen der Fassade – die älteste im ganzen Kanton Baselland.

Vom Werber zum Kunstsammler

Man kann von Kraftorten halten, was man will. Doch dieser hier, seit langer Zeit als solcher bekannt, entlässt auch den ausgeprägtesten Banausen mit einer sonderbar kraftvollen Mischung aus Ehrfurcht und Energie. So ergangen ist es offensichtlich auch John Schmid, der am Tag des Rundgangs im idyllischen Innenhof der alten Mauern an einem langen Holztisch sitzt, die Pfeife in der einen Hand hält und mit der anderen die Hand der Besucherin schüttelt. Der Basler Werber gehörte zum höchst erfolgreichen Dreierticket der Werbeagentur WHS. Der weitsichtige Teilhaber John Schmid war dort ausgestiegen, lange bevor die Firma 2004 in Konkurs ging. Während er auf der Suche war nach einem Gehöft, das er privat nutzen wollte, habe ihn jemand auf das zum Verkauf stehende Kloster Schönthal mitsamt dazu gehörendem Landgut auf einhundert Hektaren Fläche aufmerksam gemacht, erzählt der heute 80-Jährige.

Also fuhr er hinaus aus der Stadt ins ländliche Basel zu zerklüfteter Felslandschaft und Juraweiden, hörte vermutlich Jazz im Auto, wie der Musiker, der er auch einmal war, es nach eigenen Worten immer tut, und stand nach weniger als einer Stunde vor dem einzigartigen, auf 750 Meter über Meer gebauten Schatz: Urkundliche Hinweise auf eine Mönchsgemeinschaft gehen auf das Jahr 1145 zurück. Ab dem 13. Jahrhundert war es ein Frauenkloster des Benediktinerordens. Bis zur Verwüstung während eines Bauernaufstands im Jahr 1525 und der endgültigen Aufhebung aufgrund der Basler Reformation im Jahr 1529 war das Kloster von Ordensleuten der Serviten geführt worden. Mehr als hundert Jahre später musste die Klosterkirche (heute Galerie)für fast vierzig Jahre als Ziegelei herhalten; der Zwischenboden, welcher heute Kirchen- und Christophorusraum trennt, besteht aus hier gebrannten Ziegeln – geschöpft und geformt aus hiesigem Lehm.

John Schmid erwarb das denkmalgeschützte Kloster 1986 und liess es umfassend renovieren. Im Jahr 2000 wurde der ganzjährig frei zugängliche Skulpturenpark eingeweiht. John Schmid hatte sich vom Land Art- und Lichtinstallations-Künstler James Turrell, der etwa im Castell Zuoz den Lichtturm baute, beraten und inspirieren lassen.

Skulpturen verschmelzen mit der Landschaft

Heute entdeckt man – nebst den diesen Sommer den Innenhof belebenden 19 Josephsohn-Skulpturen und Reliefs – an der Schönheit eines üppigen Kloster-Wildblumengartens, an Kühen, Wollschweinen, Laufenten vorbei, über Wiesen- und Waldwege gehend, 29 weitere grandiose Plastiken von Künstlern wie Roman Signer, Martin Disler, die küssenden Baguettes von Erik Steinbrecher und den «Unterstand» von Kurt Sigrist, und – ganz versteckt – die «Brutalitätenskulptur» von Miriam Cahn.

Peter Kamms «Metamorphose» aus Eifelsandstein liegt wie ein schlafendes Tier am Wegrand. Der Steinbildhauer mit Wurzeln im Aargau und Wohn-und Schaffensort St. Gallen bespielt diesen Sommer den etwas höher gelegenen ehemaligen Kuhstall. Auch seine amorphen Plastiken, «schwebend» auf Sockeln, treten in einen murmelnden Dialog mit dem Ort, für den er sie schuf, eingebettet in eine jahrtausendealte Transformation der Landschaft.

Der weitläufige Park, der bio-dynamisch geführte Bauernhof und die Begegnungsstätte wurden 2001 in eine Stiftung überführt, der Ort geniesst inzwischen internationales Renommee. 2004 gab’s den Kulturpreis Baselland.

Bis 5. November sind die Skulpturen von Hans Josephsohn und Peter Kamm zu sehen; der Skulpturenpark ist ganzjährig geöffnet. www.schoenthal.ch

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