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Skandal war früher

Rote Fabrik Das Fabriktheater eröffnet seine «Saison cacophonique» mit dem Stück Babylon: Theater nicht als Service public.
Caspar Hesse
Wie Adam und Eva: Sandra Utzinger und Thomas U. Hostettler, hier mit Hans-Jürg Müller als Pater Gaudron von der Pius-Bruderschaft. (Bild: pd/Christian Glaus)

Wie Adam und Eva: Sandra Utzinger und Thomas U. Hostettler, hier mit Hans-Jürg Müller als Pater Gaudron von der Pius-Bruderschaft. (Bild: pd/Christian Glaus)

Es ist erwünscht, Grenzen zu überschreiten – Theater nicht als Service public, sondern als Herausforderung. Der unverfälschte künstlerische Eindruck interessiert, nicht die Einschaltquote: Nahrhaftes und Ungeniessbares, Ausgegorenes und Unverdautes sollen präsentiert werden.

So weit die Vorstellungen der neuen Leitung des Fabriktheaters.

Seit Januar zeichnen der Tänzer und Choreograph Michael Rüegg, der Regisseur und Performer Michel Schröder und die Dramaturgin Silvie von Kaenel fürs Programm verantwortlich.

Schwierig zu provozieren

Diese Stossrichtungen tönen nach Skandal, was der Sammeltitel «Saison cacophonique» noch unterstreicht. Doch wie provoziert man heute noch Zuschauer? Kraut-Produktion lässt in «Babylon» nackte Schauspieler über die Zuschauerreihen klettern, während eine nordkoreanische

Militärprozession an die Wand projiziert wird, die Religion bekommt immer wieder ihr Fett weg, Exkremente – hier wenigstens nicht echte – werden zur Schau gestellt, dank roher Eier bekommt das Publikum auch noch den passenden Gestank mitgeliefert. Der Stuhlgang auf der Toilette macht das gleiche Geräusch wie die Geburt eines Babys, auch wieder an die Wand daneben projiziert.

Alles in Frage stellen

Ganz am Schluss ist die Bühne ein Riesensaustall, in dem sich alle ausgetobt und gesuhlt haben. Doch das regt das Publikum nicht auf, nicht in der Roten Fabrik. In einem bürgerlichen Theater könnte man sich böse Reaktionen noch vorstellen, doch für die Skandalerzeugung hätte man einen anderen Ort wählen müssen.

Dass es nicht der grosse Skandal wird, liegt aber auch am Witz. Es beginnt mit einer Anspielung auf die babylonische Sprachverwirrung. Ilja Komarov stellt die Einrichtung der Wohnung in einer Fremdsprache vor. Danach kommen weitere Personen hinzu, die nur brabbeln, mit viel «Ähm» und auch mal mit Wiehern oder einem Furz. Beim Händewaschen wird das Geräusch von der Schauspielerin auch gleich mitimitiert, es hat die gleiche Aussagekraft wie der angedeutete Smalltalk.

Alle sind gutgelaunt, Ausschnitte aus einem Gottesdienst werden eingeblendet, wo man als Zuschauer denkt: Realsatire. Die Inszenierung lebt oft von der Gegenüberstellung von nur scheinbar nicht Ähnlichem.

Letzte Aufführungen von «Babylon»: 3./4./5.3., je 20 Uhr. www.rotefabrik.ch

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