Skandal-Rapperin Loredana könnte Swiss Music Award gewinnen – doch lässt der Veranstalter das zu?

Trotz Strafuntersuchung dürfte Loredana für die Swiss Music Awards nominiert werden. Für den Veranstalter steht der Ruf auf dem Spiel.

Stefan Künzli
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Loredana Zefi mit Ex-Partner Gramoz Aliu (Rapper Rapper Mozzik, links) und Anwalt Tome Gashi (rechts) an der Medienkonferenz in Pristina.

Loredana Zefi mit Ex-Partner Gramoz Aliu (Rapper Rapper Mozzik, links) und Anwalt Tome Gashi (rechts) an der Medienkonferenz in Pristina. 

Bild: EPA/Keystone (Pristina, 10. Mai 2019)

Ende Januar werden alle Nominierten für die Swiss Music Awards (SMA) 2020 bekannt gegeben. Schon heute kann aber davon ausgegangen werden, dass Skandal-Rapperin Loredana in mindestens zwei Kategorien nominiert wird. Sicher in der Kategorie «Best Breaking Act» und womöglich in der Kategorie «Best Female Act». Massgebend für die Nominierungen in diesen Kategorien sind ausschliesslich die Verkaufszahlen. Weil Loredana 2019 insgesamt sechs Songs in den Top 20 der Schweizer Singles-Hitparade platzieren konnte, vier davon sogar in den Top 10, kommt man bei den Nominationen kaum um sie herum.

Egal, wie man zu ihrer Musik steht: Loredana gehört zweifellos zu den Aufsteigern des vergangenen Jahres. Schon bei den MTV Europe Music Awards ist sie als beste Schweizer Künstlerin ausgezeichnet worden. Dem kommerziellen Erfolg steht die juristische Strafunter­suchung gegenüber. Loredana soll mit ihrem älteren Bruder ein Walliser Ehepaar um 600000 Franken betrogen haben. Die 24-jährige Luzerner Rapperin mit kosovarischen ­Wurzeln wurde Anfang Mai festge­nommen, kam wieder auf freien Fuss und setzte sich in den Kosovo ab. Im Herbst fror die Staatsanwaltschaft ihre Konten ein.

Aber wird die Skandal-Rapperin mit dieser Vorgeschichte überhaupt zu den Swiss Music Awards zugelassen? Wir erinnern uns an den Eklat an der Echo-Verleihung vor zwei Jahren. Dem deutschen Pendant zu den SMA ist die Verleihung an die Skandal-Rapper Kollegah & Farid Bang mit ihren Frauen verachtenden, antisemitischen, homophoben und Gewalt verharmlosenden Texten nicht gut bekommen. Die Marke Echo wurde nachhaltig beschädigt, und die Proteste führten schliesslich zur Abschaffung des Echos.

Verurteilte Straftäter können ausgeschlossen werden

Schliddern die Swiss Music Awards mit Loredana in eine ähnliche Krise? «Sollte Loredana zu den Nominierten gehö­ren, gilt auf jeden Fall die Unschuldsvermutung», sagt der neue SMA-Geschäftsführer Marc Gobeli auf Anfrage,

«die nominierten Künstler und Künstlerinnen werden an den Swiss Music Awards für ihre Werke und musika­lischen Leistungen ausgezeichnet, nicht für ihre Taten oder Untaten.»

Doch Artikel 13 des aktuellen SMA-Reglements lässt eine Hintertür offen. «Der Verleiher behält sich das Recht vor, aus wichtigen Gründen einzelne Künstlerinnen und Künstler aus inhaltlichen Überlegungen jederzeit von der Teilnahme am Wettbewerb auszuschliessen oder auf die Preisverleihung an die Künstlerin oder den Künstler zu verzichten», heisst es dort. Gemäss Gobeli ist bei strafrechtlichen Tatbeständen ein Ausschluss von Loredana «sehr wahrscheinlich».

«Ich will, dass diese Sache beendet ist. Dann komme ich wieder in die Schweiz»

, sagte sie im November gegenüber der «Schweizer Illustrierten». Die Zeit drängt, denn gemäss Luzerner Staatsanwaltschaft dauern die Untersuchungen noch immer an. Es ist sehr ungewiss, ob die Affäre bis zur Verleihung der Swiss Music Awards am 28. Februar bereinigt ist. Ein Künstler kann aber nur im Vorfeld der SMA-Verleihung ausgeschlossen werden. Das Reglement sieht keine Aberkennung des Award eines Gewinners nach der Preisverleihung vor.

Die Chancen für die Skandal-Rapperin stehen also gut, dass sie auf Liste der Nominierten verbleibt, auf dem roten Teppich des KKL in Luzern ein Cüpli trinken und dank ihrer Mobilisierungskraft beim Publikums-Voting (siehe Wahlverfahren) sogar einen der begehrten Pflastersteine in Empfang nehmen kann.

Mehr über die Skandale um Rapperin Loredana lesen Sie hier:

Luzerner Rapperin Loredana: «Ich habe kein Geld erpresst»

Die Rapperin Loredana Zefi aus Emmenbrücke LU, die ein Walliser Ehepaar um 700'000 Franken erleichtert haben soll, hat am Freitagnachmittag an einer Medienkonferenz in Pristina alle Vorwürfe abgestritten. Die 23-Jährige sagte, dass sie kein Geld erpresst habe.