SIGNUM-QUARTETT: «Mir macht Quartettspielen Spass»

Mit europäischer Klassik und amerikanischer Moderne kommt das Ensemble nach ­Münsterlingen. Ihr Bratschist Xandi van Dijk erzählt, wie sie auf die #quartweets gekommen sind.

Rolf App
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Das Signum-Quartett in seiner heutigen Zusammensetzung: Thomas Schmitz, Annette Walther, Florian Donderer und Xandi van Dijk (v. l.). (Bild: Irène Zandel/PD)

Das Signum-Quartett in seiner heutigen Zusammensetzung: Thomas Schmitz, Annette Walther, Florian Donderer und Xandi van Dijk (v. l.). (Bild: Irène Zandel/PD)

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rolf.app@tagblatt.ch

Der Vater ist in Rotterdam geboren, die Mutter in Zürich, aber aufgewachsen ist Xandi van Dijk in Südafrika, wo er 1978 zur Welt kam und heute noch gelegentlich auftritt. Überall in seiner Familie sind Musiker. Der Vater und der Bruder komponieren, die Mutter singt, Grossmutter und Urgrossvater haben Bratsche gespielt, letzterer als Solobratschist beim Tonhalle Orchester Zürich. Auch Xandi selbst ist, über die Geige, bei diesem schönen, aber oft auch ein wenig unterschätzten Streichinstrument gelandet.

«Der Wechsel hat sich ganz natürlich ergeben», sagt Xandi van Dijk. «Mit der Bratsche kann ich von der Mitte aus agieren, kann gut begleiten und Akzente setzen.» Daneben dirigiert und arrangiert er, regelmässig spielt er auch in Orchestern mit – etwa bei den Lucerne Festival Strings. Den Gedanken ans Komponieren allerdings hat er aufgegeben, nachdem der Bruder bereits mit neun Jahren seine erste Oper komponiert hatte. Schon in Südafrika hat Xandi van Dijk auch regelmässig im Quartett gespielt, und vor zehn Jahren ist er zum deutschen Signum-Quartett gestossen, das über die Auffahrtstage in der Klosterkirche Münsterlingen drei Kammermusikkonzerte mit einem besonderen Programm gibt (siehe Kasten).

«Mir macht Quartettspielen Spass», sagt er. «Und den Kollegen auch. Es bedeutet, sich intensiv mit Stücken auseinanderzusetzen, die zum Feinsten gehören, was man als Streicher überhaupt spielen kann.» Hinzu kommt etwas, das zu den Besonderheiten des Signum-Quartetts gehört: «Florian Donderer, Annette Walther, Thomas Schmitz und ich beschäftigen uns nicht nur intensiv mit dem Kernrepertoire, sondern immer auch mit zeitgenössischer Musik», erzählt Xandi van Dijk. In Münsterlingen wird das auf zweierlei Weise hörbar sein. An erster Stelle der drei Konzerte steht jeweils ein Streichquartett von Joseph Haydn, während der dritte Teil dem Motto des diesjährigen Bodensee-Festivals gewidmet ist: «Variations on America». Charles Ives wird erklingen, weiter Werke von Morton Feldman und Samuel Barber.

Warum nicht so etwas wie Tweets in der Musik?

Und zwischen Haydn und der amerikanischen Moderne erklingen die #quartweets. «Die Idee dazu ist von mir gekommen. Vor zweieinhalb Jahren bin ich bei Twitter eingestiegen, und da habe ich mich gefragt, weshalb es so etwas nicht auch in der Musik gibt.» Mit «so etwas» meint er: Stücke, die maximal 140 Noten lang sind. «Ich habe dann mal nachgezählt. Die sechs Bagatellen für Streichquartett von Anton Webern sind alle kürzer, einige Choräle von Johann Sebastian Bach ebenfalls. Man kann also musikalisch durchaus etwas unterbringen auf diesem beschränkten Raum.» 2015 hat das Quartett in Princeton das Projekt bekannt gemacht, «von da an hat es sich in Windeseile verbreitet. Und es treffen immer neue Kompositionen ein.» Zwischen 50 und 60 sind es zurzeit.

So hat sich das Signum-Quartett eine Fundgrube kürzerer Stücke erschaffen, in so vielen Stilen wie möglich und aus allen Ecken des via Internet verbundenen Globus. Und es will diese Fundgrube keineswegs für sich alleine haben. Die #quartweets sollen allen Musikern offen stehen, die nach interessanten neuen, kurzen Kompositionen suchen.

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