Sieben flinke Füchse auf der Buchmesse in Frankfurt

Auf einen Kaffee mit der Autorin Anna Schindler

Bettina Kugler
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Anna Schindler, Kinderbuchautorin und Schauspielerin aus Herisau. (Bild: Ralph Ribi)

Anna Schindler, Kinderbuchautorin und Schauspielerin aus Herisau. (Bild: Ralph Ribi)

Schoggitörtchen am Sonntagmorgen: ein vortrefflicher Köder, um Mädchen ab acht und ihre Mütter zur Lesung an den Buchmessestand des Dressler-Verlags zu locken. Direkt nach Katja Frixes «Der zauberhafte Wunschbuchladen – Schokotörtchen für alle», Band 3 einer Kinderbuchserie, die sich prächtig verkauft, präsentierten Anna Schindler und Illustratorin Billy Bock ihren druckfrischen Serienauftakt «Die flinken Füchse» – vor ziemlich übersichtlichen Stuhlreihen.

Dabei gibt es im liebevoll gestalteten, reichillustrierten Bandenbuch der Füchse (das sind: Filippa, Luna, Igor, Nele, Karlotta, Elena und Noriko, sechs Mädchen und ein Kater) ebenfalls reichlich zu futtern: Muffins, Schlangenbrot von der Feuerstelle im Fuchswald, Gummibärchen mit und ohne Gelatine. Die feine Rezeptur des in Tagebuchform erzählten Serienauftakts muss sich freilich erst herumsprechen. Derweil reichte die Schlange von Teenagern, die bei Bestseller­autorin Kerstin Gier um ein Autogramm anstanden, «von hier bis nach St. Fiden», sagt Anna Schindler, als wir sie fünf Tage später in St. Gallen treffen.

«An der Buchmesse setzen die Verlage vor allem auf ihre Zugpferde», diese ernüchternde Einsicht hat sie vom Publikums­wochenende in Frankfurt mitgebracht. Doch gab es immerhin Gelegenheit, bekannte Kollegen wie «Sams»-Erfinder Paul Maar zu treffen, das Marktumfeld zu erforschen und sich darüber zu freuen, mit ihrem ersten Kinderroman in einem namhaften Verlag gelandet zu sein: Bei Dressler erscheinen seit Jahrzehnten die Klassiker von Erich Kästner. Das spornt die mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Herisau wohnende Autorin an. An Ideen zur Fortsetzung der «Flinken Füchse» fehlt es Anna Schindler nicht; die ersten dreissig Seiten sind auch schon geschrieben. Doch der Verlag wartet erst einmal ab, wie sich der erste Band verkauft.

Kinderbücher spielen in ihrer ­Familie seit Generationen eine wichtige Rolle: Die Grossmutter Bettina Hürlimann gründete mit Atlantis einen der bedeutendsten Schweizer Bilderbuchverlage, Anna Schindlers Mutter wurde als Autorin religiöser Kinderbücher bekannt. Sie selbst, ehemals Ensemblemitglied am Theater St. Gallen, veröffentlichte 2015 zusammen mit Billy Bock ihren Erstling «Ein Glas Zeit». Davor geisterten die «Flinken Füchse» bereits in ihrem Kopf herum; ihr schwebte eine Serie vor, die in der lockeren Art der von Kindern heissgeliebten «Greg’s Diaries» oder «Lottaleben»-Bände eine richtige, fesselnde Geschichte erzählt: Das ist ihr mit Band 1 gelungen. Er verbindet realistische Charaktere mit ungezwungenem Humor, Bandenromantik, Waldabenteuer, Freundschafts- und Detektivgeschichte.

Im Sound ist das Werk ganz von heute, schliesslich schreiben die Füchse ihr Bandenbuch selbst. Die Themen aber stammen aus dem Fundus der grossen Kinderliteratur. Es gibt sie noch, die in Geborgenheit freie, abenteuerliche Bullerbü-Kindheit. Zumindest in Herisau und rundherum.

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

Buchpremiere: Fr, 27.10., 18 Uhr, Bibliothek Herisau