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Sie war immun gegen Ruhm

Daheim in Gottlieben war die weltweit gefeierte Sopranistin Lisa Della Casa die grosse Unbekannte, nur wenige bekamen sie je zu Gesicht. Ihrer Familie zuliebe gab sie ihre Karriere auf – und bleibt unvergessen für Opernfreunde.
Dieter Langhart
Leben im Rampenlicht: Lisa Della Casa feiert 1973 im Opernhaus Zürich ihr 30-Jahr-Bühnenjubiläum. (Bild: ky)

Leben im Rampenlicht: Lisa Della Casa feiert 1973 im Opernhaus Zürich ihr 30-Jahr-Bühnenjubiläum. (Bild: ky)

GOTTLIEBEN. Welch ein Kontrast: Auf den grossen Opernbühnen in München und Wien, Mailand und Paris, London und New York steht sie im Scheinwerferlicht, wird mit brandendem Applaus bedacht – daheim lebt Lisa Della Casa in völliger Abgeschiedenheit mit ihrem Mann und ihrer Tochter. Ihr Daheim: das Schloss Gottlieben am Seerhein.

Berühmte Bewohner

1251 hat es der Konstanzer Bischof als Wasserburg mit zwei wuchtigen Ecktürmen erbaut, während des Konzils 1415 lagen der Reformator Jan Hus und der abgesetzte Papst Johannes XXIII. im Burggefängnis, 1836 erwarb das Schloss Louis, der spätere Kaiser Napoleon III., als Alternativwohnsitz zu Schloss Arenenberg für sich und seine Mutter Hortense und liess es umbauen. Es sah nun dem Palazzo Ducale in Venedig sehr ähnlich. wie Dominik Gügel nachgewiesen hat, der Direktor des Napoleonmuseums auf Arenenberg – ohne dass er das Schloss betreten durfte. Denn seit Lisa Della Casas abrupten Rücktritt von den Opernbühnen 1974 mied ihre Familie die Öffentlichkeit.

Ein würdiger Sitz für einen Opernstar also und der perfekte Rückzugsort für einen Star, der zeitlebens immun war gegen Ruhm, wie ihr Ehemann Dragan Debeljevic zu ihren Biographinnen Gunna Wendt und Monika Faltermeier gesagt hat. Sie haben als einzige Lisa Della Casa besuchen und mit ihr reden können– auch Hansrudolf Frey, der das Buch bei Huber verlegte, hat es «nie ins Schloss geschafft» und die Sängerin nie getroffen.

Perfektion und Familiensinn

Lisa Della Casa, 1919 in Burgdorf geboren, steht bereits als Mädchen unter ihres Vaters Regie auf der Bühne des Casinotheaters. Mit vierzehn beginnt sie ihr Gesangsstudium bei Margarete Haeser, spielt neben Paul Hubschmid das Vreneli im Film «Füsilier Wipf», debütiert 1941 als Sängerin in der Rolle der Cio-Cio San in Puccinis «Madame Butterfly» am Städtebundtheater Solothurn-Biel. Schon zwei Jahre darauf engagiert sie die Zürcher Oper, an der sie bis 1950 auftritt. Dann singt sie sich dem Erfolg entgegen mit ihrem «Willen zur Perfektion», wie ihre Tochter Vesna Debeljevic in einem Interview am Ende der Biographie sagt: «Die Perfektion ist das Höchste, was man je erreichen kann, hat sie mir gesagt.»

Lisa Della Casa ist 41, als sie trotz eines Schwächeanfalls vor ihrem Auftritt an der Metropolitan Opera singt – und ihr zweites Kind verliert. Sie ist 55, als ihre Tochter Vesna schwer erkrankt – und steigt aus ihrer Karriere aus. Um sich ganz ihrer Familie zu widmen, die sie nie in den Hintergrund gedrängt hat. Sie habe ihre Kraft in der Harmonie und in der Familie schöpfen können, sagte Vesna Debeljevic: «Sie schaffte die Brücke zwischen Beruflichem und Privatem. Und sie schaffte es, für uns ein privates Zuhause zu schaffen und in der Kunst zu brillieren.»

Strauss prophezeit ihr Erfolg

Achtundzwanzig ist Lisa Della Casa, als sie an den Salzburger Festspielen in Richard Strauss' «Arabella» singt – die Zdenka, nicht die Titelrolle. Doch der Komponist prophezeit schon nach den ersten Proben: «Die Kleine wird eines Tages meine Arabella sein.» Und wird recht behalten: Lisa Della Casa avanciert zur Idealbesetzung der Arabella, der «Arabellissima», wie sie ihre Bewunderer nennen. Sie erobert als gefeierte Primadonna die grossen Häuser der Welt.

Ihr Repertoire umfasst rund sechzig verschiedene Rollen, grosse Erfolge feiert sie in den Werken von Richard Strauss und Mozart. Auf das Début in Salzburg folgen Auftritte an der Metropolitan Opera in New York, an der Mailänder Scala, an der Bayerischen Staatsoper in München, am Royal Opera House in London; sie singt in den Opernhäusern in Paris und Rom, in Chicago und San Francisco und Buenos Aires; sie singt an den Festspielen in Glyndebourne, Bayreuth und Salzburg.

Dragan, «der Richtige»

Zahlreiche Auszeichnungen folgen: Kammersängerin der Staatsoper München, Kammersängerin und Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper, an der sie etwa 400 Vorstellungen gibt, die letzte 1973 – als «Arabella».

Doch aus Ruhm macht sich Lisa Della Casa wenig, sie lehnt auch Filmrollen in Hollywood ab, darunter die der Anna Karenina. «Berühmtsein und die Berühmtheiten bedeuten ihr nichts, damals wie heute», sagt Dragan Dbeljevic von seiner Frau, damals Flüchtling aus Serbien und Student mit einem Stipendium in Zürich. 1945 begegnet er ihr im Stadttheater Zürich, verliebt sich in die (verheiratete) Frau, nicht die Sängerin. Er ist ebenso angetan von ihrer Schönheit wie Max Röthlisberger, Bühnenbildner an der Oper, der sie laut Annemarie Blanc entdeckt haben soll: «Sie war so bildschön mit ihren langen Zöpfen.»

«Nie war von Geld die Rede»

1948, Lisa Della Casa steht kurz vor ihrer Scheidung, da erkrankt ihre Mutter schwer. Dragan Debeljevic wirbt noch um sie. Eine Freundin sagt ihm: «Dragan, Sie sollten Lisa heiraten. Lisa braucht Sie. Stellen Sie sich in ihre Dienste. Seien Sie einfach immer für sie da.» Er habe laut Wendt seine Heirat nie als Degradierung empfunden, und rechne seiner Frau hoch an, dass sie ihn nie habe spüren lassen, dass sie den Lebensunterhalt bestritt: «Bei uns war überhaupt nie von Geld die Rede.»

Am 10. Dezember 2012 stirbt Lisa Della Casa in Münsterlingen. Sie ist 93 Jahre alt.

Gunna Wendt/Monika Faltermeier-Prestl: Lisa Della Casa. Von der Arabella zur Arabellissima. Huber, Frauenfeld 2008, 182 S., vergriffen.

Leben in Zurückgezogenheit: Schloss Gottlieben, vom Seerhein her gesehen; undatierte Aufnahme. (Bild: Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau)

Leben in Zurückgezogenheit: Schloss Gottlieben, vom Seerhein her gesehen; undatierte Aufnahme. (Bild: Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau)

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