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Karin Sander nagelt im Kunstmuseum Winterthur Gemüse und Obst an die Wand

Viel innovativer ist aber, dass die ETH-Professorin Krimiautoren über ihre Kunst schreiben lässt und über eine 3D-Brille eine alternative Ausstellung besichtigt werden kann.
Christina Genova
Karin Sanders «Mailed Painting» ist eingerahmt von Werken Piet Mondrians und Hugo van Doesburgs. (Bild: Christina Genova)

Karin Sanders «Mailed Painting» ist eingerahmt von Werken Piet Mondrians und Hugo van Doesburgs. (Bild: Christina Genova)

Das Beste an dieser Ausstellung ist, dass sie schon vor der Ausstellung beginnt. In die Sammlungspräsentation des Kunstmuseums Winterthur, zwischen zwei Werken von Piet Mondrian und Theo van Doesburg, hat sich listig eine Arbeit Karin Sanders eingeschlichen.

Die Künstlerin als 3D-Figur (Bild: Christina Genova)

Die Künstlerin als 3D-Figur (Bild: Christina Genova)

Doch auffallen wird dies nur dem aufmerksamen Betrachter. So gut fügt sich die Arbeit der 61-jährigen ETH-Professorin und Künstlerin in die Umgebung der klassischen Moderne ein. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich bei den drei schwarzen Linien, welche die weisse Leinwand rechtwinklig unterteilen, nicht um eine strenge Komposition Konkreter Kunst, sondern um Paketbänder handelt.

Das ausgestellte Werk stammt aus der fortlaufenden Serie der «Mailed Paintings». Es sind weiss grundierte Leinwände, welche die Künstlerin unverpackt an den Ort ihrer jeweiligen Ausstellung verschickt. Was sich ­darauf niederschlägt, sind die Spuren des Reisens: Kleber des Zolls, Frachtbriefe, Flecken.

Das Smartphone macht Kunst

Ein «Fensterbild», welches die Aussicht auf die Stadtlandschaft versperrt. (Bild: Lucas Ziegler)

Ein «Fensterbild», welches die Aussicht auf die Stadtlandschaft versperrt. (Bild: Lucas Ziegler)

Werke, bei welchen sich die ­Frage nach der Autorschaft stellt und wo das Prozesshafte zum Konzept gehört, spielen im Schaffen Karin Sanders eine wichtige Rolle. In ihrer Werkschau im Erweiterungsbau des Kunstmuseums sind neben weiteren «Mailed Paintings» auch «Fensterbilder»zu sehen. Es sind weisse Leinwände, die sie im Aussenraum vor den Fenstern des ­Museums platziert hat und die den Ausblick versperren. Darauf werden bis zum Ende der Ausstellung die Emissionen der Stadt eine Patina hinterlassen.

Wer hat das Bild gemacht? Bei den «Call Shots» lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten. (Bild: Lucas Ziegler)

Wer hat das Bild gemacht? Bei den «Call Shots» lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten. (Bild: Lucas Ziegler)

Bei der Serie der «Call Shots» hingegen handelt es sich um Fotos, die Karin Sanders Smartphone selbstständig geschossen hat. Die Künstlerin hat das Mobiltelefon so programmieren lassen, dass bei Annahme eines Anrufs automatisch ein Schnappschuss ausgelöst wird.

Das Stillleben besteht aus einem frischen Granatapfel. (Bild: Lucas Ziegler)

Das Stillleben besteht aus einem frischen Granatapfel. (Bild: Lucas Ziegler)

Spuren hinterlassen werden auch Karin Sanders «Kitchen Pieces». Frisches ­Gemüse und Früchte wurden nebeneinander mit Stahlnägeln an den Wänden befestigt. Von A wie Ananas bis Z wie Zitrone ist alles vertreten, was das Angebot auf dem städtischen Markt hergab. Es wird in den nächsten ­Wochen fröhlich vor sich hinschimmeln und faulen. Diese Interpretation des klassischen Vanitas-Stilllebens, die dem Betrachter die Vergänglichkeit alles Irdischen vor Augen hält, ist zwar ein reizvoller Blickfang, aber nicht wirklich innovativ. Eine ähnliche Arbeit hat der Arte-Povera-Künstler Mario Merz bereits 1976 mit seiner «Isola della frutta» geschaffen.

Statt eines Katalogs zur Ausstellung gibt es zwei Krimis (Bild: Christina Genova)

Statt eines Katalogs zur Ausstellung gibt es zwei Krimis (Bild: Christina Genova)

Spannender sind Karin Sanders Arbeiten, wenn sie damit die Bedingungen des Ausstellens hinterfragt. Etwa indem sie dem Besucher über eine 3D-Brille eine alternative Ausstellung anbietet. Dazu gehört, dass die Künstlerin anstelle der üblichen Publikation Zoë Beck und Oliver Bottini beauftragt hat, je einen Krimi zur Ausstellung zu schreiben. Die beiden renommierten Autoren untersuchen in ihren spannenden Geschichten die Spuren zweier verschwun­dener Menschen. Sie erweitern damit die Schau um eine weitere, fiktionale Dimension.

Bis 18.11. Einzelne Werke sind im benachbarten Museum Oskar Reinhart ausgestellt.

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