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25 Jahre Kunsthalle Arbon: Inge Abegglen ist seit der Gründung dabei

Die 67-Jährige ist das Herz der Institution, die sich auf experimentelle Skulpturen spezialisiert hat. Sie schaut zuversichtlich in die Zukunft, doch eine Sorge hat sie.
Christina Genova
Gute Aussichten: Inge Abegglen auf einer begehbaren Skulptur von CKÖ. (Bild: Hanspeter Schiess)

Gute Aussichten: Inge Abegglen auf einer begehbaren Skulptur von CKÖ. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Einladungskarten waren ­gedruckt, der Versand stand kurz bevor. Da kam die Absage des Künstlers. «Er merkte, er schafft die Halle nicht», sagt Inge Abegg­len. Es war wohl der grösste Schreckmoment in der 25-jährigen Geschichte der Kunsthalle Arbon. Doch dank Abegglens Künstlerkartei gelang es, kurzfristig einen Ersatz für den abgesprungenen Künstler zu finden. Seither muss jeder, der in Arbon ausstellt, die Halle vorab besichtigen. Denn die 600 Quadratmeter, sagt Abegglen, können unter Umständen überfordern:

«Man braucht keine Erfahrung mit grossen Räumen, aber man darf keine Angst davor haben.»

Eine sorgfältige Auswahl des Künstlers ist deshalb zentral. Der gesamte Vorstand besucht ihn jeweils im Atelier und entscheidet gemeinsam:

«Es braucht auch Menschenkenntnis, nicht nur Kunstverstand.»

Morgen feiert die Kunsthalle Arbon ihr Jubiläum mit einer ­Vernissage und einem grossen Fest. Inge Abegglen ist als einziges Vorstandsmitglied seit dem Anfang mit dabei. Ihre Leidenschaft und Neugierde, ihre Begeisterung und das Engagement für die Kunst sind ungebrochen: «Es ist mir noch nicht verleidet, im Gegenteil.» Zu jeder Ausstellung kann die 67-Jährige eine Geschichte erzählen. Besonders gerne erinnert sie sich an die Ausstellung von Peter Kamm (2002), der sein ganzes Atelier inklusive einer Bibliothek in die Halle ­zügelte. Auch jene des Künstlerkollektivs CKÖ (2014) und Bildstein/Glatz (2009) haben sich ihr besonders eingeprägt.

Apéro richten und WC putzen

Angefangen hat alles 1993 mit einer Ausstellung von Max Bottini. Seine grossformatigen Skulpturen hatten im Schloss Arbon, wo Inge Abegglen bei der Organisation von Kulturanlässen half, keinen Platz. Kurzerhand wich man in die von der Stadt Arbon neu erworbene Schädler-Halle aus. Eine Betriebsgruppe bildete sich, und was eigentlich als einmalige Angelegenheit gedacht war, ist nun schon ein Vierteljahrhundert in Betrieb. Als sich nach und nach alle Gründungsmitglieder aus dem Vorstand verabschiedeten und Inge Abegglen als Einzige übrig blieb, wusste sie: «Jetzt muss ich ran.» Die ausgebildete Laborantin bildete sich an der Universität Bern in Kulturmanagement weiter. Die gebürtige Deutsche, die seit 1982 in Arbon wohnt, engagiert sich gerne: «Ich glaube, ich kann nicht Nein sagen.» Neben ihrem Ehrenamt in der Kunsthalle sitzt sie seit zehn Jahren für die SP im Thurgauer Kantonsrat und ist nebenamtliche Richterin am Bezirksgericht Arbon.

Eine Präsidentin hat der Vorstand der Kunsthalle keine: «Das brauchen wir nicht.» Doch das Herz des Betriebs ist unbestritten Inge Abegglen. Offiziell ist sie für die Finanzen zuständig: «Ich bin sparsam.» Das heisst zum Beispiel, dass der Vorstand Essen und Getränke für die Vernissage jeweils selber vorbereitet. Das schmecke erst noch besser als gekauft. Inge Abegglen packt überall mit an und ist sich für nichts zu schade: Das Putzen der Halle übernimmt meist sie, «auch das WC». Es gibt wohl keinen Tag, an welchem sie nicht an die Kunsthalle denkt. Denn zu tun gibt es eigentlich immer etwas: Ein neuer Staubsauger muss gekauft, das schlecht schliessende Tor repariert, das Archiv aufgebaut werden.

Deftige Kunst bei der es «chlöpft»

Die Kunsthalle Arbon ist gut aufgestellt: Die Finanzierung durch die Stadt Arbon und die Kulturförderung des Kantons Thurgau ist gesichert. In der Kunstszene ist man bekannt und geschätzt als Ausstellungsort experimenteller Installationen. Und der Vorstand besteht aus einem eingespielten Team: Tanja Arpagaus, Martin Bischof, Rebecca Duvåker und Claudius Krucker. Seit zwei Jahren gehört ausserdem die Kunsthistorikerin Deborah Keller dazu. Sie ist für das Kuratieren der drei bis vier Ausstellungen pro Jahr zuständig und entlastet damit Inge Abegglen von dieser Aufgabe. Doch diese lässt es sich nicht nehmen, weiterhin junge Talente aufzuspüren. Dafür besucht sie Ausstellungen wie die Swiss Art Awards in Basel oder die Jungkunst in Winterthur. Sie mag es in der Kunst gerne deftig:

«Es ‹chlöpft› bei mir.»

Einzig der bauliche Zustand der in den 1920er- und 30er-Jahren erstellten Industriehalle bereitet Inge Abegglen Sorgen. Die Statik ist problematisch, die Scheiben des Oberlichts sind nicht mehr dicht: An mehreren Stellen regnet es herein. 25 weitere Jahre wird es die Halle wohl nicht mehr machen. Und spätestens dann, wenn der Auszug ansteht, ist auch für Inge Abegglen der Moment des Abschieds ­gekommen.

Kunst, Grill und Musik

Am 18.8.18 wird ab 17 Uhr das 25-Jahr-Jubiläum der Kunsthalle Arbon mit einem Fest gefeiert. Es wird grilliert und Neue Vahr Süd spielen auf. Ausserdem wird die Ausstellung «Wo deine Füsse stehen...» eröffnet. Beim Titel handelt es sich um eine Songzeile von Element of Crime. Alle Künstler, die in den letzten fünf Jahren in Arbon ausstellten, sind in der Schau vertreten, darunter BGL, Anita Kuratle, Bob Gramsma oder Huber.Huber. Die Kunstschaffenden zeigen je ein Werk, in welchem sie sich mit dem Thema «Raum» auseinandersetzen. Der Farbraum gehört ebenso dazu wie der Gedankenraum oder der architektonische Raum. Am 8.9. spricht Kuratorin Deborah Keller um 16 Uhr mit Künstlerinnen und Künstlern und am 1.9. und 15.9. findet eine öffentliche Führung statt, ebenfalls um 16 Uhr.

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