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Die Videokünstlerin Ursula Palla lässt Äpfel explodieren

Sie giesst Möbel aus Caramel und hat ein Herz für Unkraut. Ursula Palla gehört zu den wichtigsten Videokünstlerinnen der Schweiz. Ein Besuch in ihrem Zürcher Atelier anlässlich ihrer Ausstellungen in Wil und Kreuzlingen.
Christina Genova
Das Moos auf dem Schoss braucht Ursula Palla für eine Arbeit über Gottfried Keller. (Bild: Michel Canonica)

Das Moos auf dem Schoss braucht Ursula Palla für eine Arbeit über Gottfried Keller. (Bild: Michel Canonica)

Ursula Pallas geräumiges Atelier sieht nicht so aus, wie man sich den Arbeitsplatz einer Videokünstlerin vorstellt. Nur ein kleiner Laptop steht auf einem Tisch, daneben liegt ein Stück winterliche Waldwiese – aus Metall. Es erzählt von den zentralen Themen im Schaffen der Künstlerin: Natur und Künstlichkeit.

Künstliche Natur: In Metall gegossene Waldwiese. (Bild: Michel Canonica)

Künstliche Natur: In Metall gegossene Waldwiese.
(Bild: Michel Canonica)

Sonstige technische Apparaturen fehlen im hellen Raum in Zürich Altstetten mit Aussicht auf das dichte Schienennetz des nahen Bahnhofs – zumindest auf den ersten Blick. Ursula Palla zeigt unter einen der Arbeitstische, wo die Monitore dicht nebeneinander stehen. Im grossen Gestell an der Wand sind Steuerungen und Beleuchtungsmaterial verstaut, aus einer Schachtel kramt die Künstlerin ein paar kleine Flachbildschirme hervor. Auf einem ist «apples 3» zu sehen: Ein Apfel explodiert in Zeitlupe, eine Arbeit inspiriert von Cézannes Apfelstillleben, die den Beginn des Kubismus markieren.

Ursula Palla lässt in ihrer Videoarbeit «apples 3» einen Apfel explodieren. (Bild: Michel Canonica)

Ursula Palla lässt in ihrer Videoarbeit «apples 3» einen Apfel explodieren. (Bild: Michel Canonica)

«Man muss über den Inhalt zur Technik kommen», lernte Ursula Palla von Muda Mathis, einer ihrer Dozentinnen an der F + F Schule für Kunst und Mediendesign, wo sie von 1989 bis 1992 studierte. Das half ihr, sich unbefangen mit Kamera und Schnitttechniken auseinanderzusetzen. Nach einem Workshop beim Filmemacher Samir wusste sie, dass sie Videokunst machen wollte. Sie fragte ihn nach einem Praktikum und so kam es, dass sie ein Jahr lang für Pipilotti Rist, seine damalige Lebenspartnerin, arbeitete: «Ich war ihre erste Assistentin.»

Monets Teich im Atelier

Ursula Palla in ihrem Zürcher Atelier, im Vordergrund die Gussformen für ihr Caramelzimmer. (Bild: Michel Canonica)

Ursula Palla in ihrem Zürcher Atelier, im Vordergrund die Gussformen für ihr Caramelzimmer. (Bild: Michel Canonica)

Ursula Palla setzt ihre Ideen nicht nur in Form von Videoinstallationen um, sondern verwendet dazu auch so unkonventionelle Materialen wie Caramel. In einer Ecke des Ateliers liegen leere Gussformen, die sie benutzte, um Möbel und einen Kronleuchter aus der klebrigen Masse zu giessen. Das Caramelzimmer war letzten Sommer im Schloss Hallwyl ausgestellt und schmolz während der Dauer der Ausstellung durch die Hitze und Feuchtigkeit dahin – so vergänglich, wie aller Glanz und Reichtum.

Aufgewachsen ist die jugendlich wirkende 57-Jährige in Chur. Schon als Kind wusste sie, dass sie Künstlerin werden wollte, machte aber zuerst eine Ausbildung zur Ergotherapeutin. Mittlerweile gehört Ursula Palla zu den wichtigsten Schweizer Videokünstlerinnen und stellt rege im In- und Ausland aus. Finanziell hat sich der künstlerische Erfolg nicht ausbezahlt. Videokunst verkaufe sich nicht sehr gut, ein Honorar sei selbst bei Ausstellungen in Kunsthäusern nicht selbstverständlich: «Ich lege eigentlich immer drauf.»

In der Ostschweiz ist Ursula Palla dieses Jahr gleich mit zwei Ausstellungen präsent. In der Kunsthalle Wil ist gerade ihre Videoinstallation «The moon in my pocket» zu sehen; es ist eine Landschaft zwischen Ende und Anfang, durch welche allerhand menschliche Hinterlassenschaften schweben. Im September bespielt sie den Kunstraums Kreuzlingen. «About a garden» lautet der Arbeitstitel der Ausstellung, in deren Zentrum Claude Monets Garten in Giverny stehen wird.

Ursula Palla formte den Seerosenteich Claude Monets aus Spiegelglas nach. (Bild: Michel Canonica)

Ursula Palla formte den Seerosenteich Claude Monets aus Spiegelglas nach. (Bild: Michel Canonica)

Der berühmte Seerosenteich liegt als Nachbildung aus Spiegelglas auf dem Boden des Ateliers. Im Winter vor zwei Jahren war Ursula Palla in Giverny, um wie immer bei ihren Arbeiten akribisch zu recherchieren. Monet habe kaum einheimische Pflanzen verwendet: «Es ist ein höchst künstlicher Garten.» Besonders interessierte sie sich für das «Unkraut», das während der Saison sorgfältig entfernt wird, in der kalten Jahreszeit aber ungehindert wachsen kann: Hirtentäschel, Löwenzahn oder Schafgarbe. Die Künstlerin katalogisierte die Kräuter und nannte sie «Monets Schattengarten». Er wird demnächst in Kreuzlingen zu sehen sein.

«The moon in my pocket», Kunsthalle Wil, bis 10.3.

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