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Mummenschanz-Gründerin: "Ich musste nach jeder Vorstellung weinen"

Seit über 45 Jahren begeistert die Gruppe Mummenschanz. Gründungsmitglied Floriana Frassetto über grosse Ohren auf der Bühne, Besuche im Baumarkt und wie man auch die 150. Vorstellung mit Freude spielt.
Interview: Julia Nehmiz
Floriana Frassetto mit der Paillettenmaske, ein Zuschauer zeichnet das Gesicht. (Bild: Marco Hartmann/PD)

Floriana Frassetto mit der Paillettenmaske, ein Zuschauer zeichnet das Gesicht. (Bild: Marco Hartmann/PD)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

In Altstätten ist sie zu Hause – Erfolg feiert sie weltweit. Floriana Frassetto, letztes aktives Gründungsmitglied der Theatergruppe Mummenschanz, tourt mit der von ihr erschaffenen Show «you & me» mit vier jungen Mitspielern durch die Schweiz und Deutschland, bald geht es nach New York. Die 67-Jährige sieht ein bisschen müde aus, die Tournee war lang. Doch sobald sie über ihre Arbeit spricht, wird sie lebhaft, strahlen ihre Augen. Theatermüde ist sie noch lange nicht.

Floriana Frassetto, kommenden Dienstag spielen Sie in St. Gallen die letzte Schweiz-Vorstellung der aktuellen Tournee. Sind Sie froh, es bald geschafft zu haben?

Nein, nicht froh! Vielleicht auf eine Art erleichtert, dass alles so gut lief, aber zugleich auch traurig. Es macht so viel Spass, in der Schweiz zu spielen. Ich trete hier seit vielen Jahren auf, ich habe eine schöne, intime Beziehung zum Schweizer Publikum gefunden. Ich könnte jedes Jahr ein paar Monate hier touren.

Ihre Show «you & me» feierte am 1.12. 2016 Premiere. Wie viele Vorstellungen haben Sie mittlerweile gespielt?

Oh, ich zähle die nie. Ich glaube, so 150. Oder vielleicht 170? Ich bin mir nicht sicher.

"Wir bringen das Publikum in einen Moment der Ruhe": Floriana Frassetto, Gründungsmitglied der Theatertruppe Mummenschanz. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

"Wir bringen das Publikum in einen Moment der Ruhe": Floriana Frassetto, Gründungsmitglied der Theatertruppe Mummenschanz. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Und es macht immer noch Freude, nach so vielen Vorstellungen?

Natürlich! Grosse Freude. Ich diskutiere das oft mit meinen Kollegen: Wir haben ja keine Musik auf der Bühne, doch dafür umso grössere Ohren, um das Publikum zu spüren. Ich habe das Gefühl, genau dadurch wird jede Vorstellung anders. Unter unseren Masken sehen wir wenig bis nichts. Doch wir hören alle Reaktionen, sie fallen jedes Mal anders aus.

Gibt es eine Szene, die Sie besonders gern spielen?

Ich liebe jede Nummer! Ich spiele nicht mehr so viel, ich wirke mehr im Hintergrund. Aber sehr gerne mag ich die Pausennummer. Jemand aus dem Publikum malt mir ein Gesicht auf die Paillettenmaske. Ich weiss nie, was gezeichnet wird, und sehe das auch nicht.

Aber wie können sie darauf reagieren?

Ich spüre, was sie auf die Maske zeichnen. Ob das Gesicht lacht, weint oder wütend ist. Nur einmal habe ich das nicht gespürt: Da hat ein Mädchen Herzen als Augen gemalt. Aber intuitiv habe ich meine Hände auf mein Herz gelegt, das Publikum hat gelacht und ich wusste, ich habe wohl richtig reagiert.

Mummenschanz bleibt sich seit 47 Jahren treu. Das Publikum verlangt nicht nach etwas Neuem?

Im Mai gastierten wir in Köln, das Publikum hat so toll auf uns reagiert. Ich musste am Ende jeder Vorstellung weinen, so tief waren die Gefühle. Mit unserer Show bringen wir das Publikum in einen Moment der Ruhe. Ich liebe es, wenn das Publikum langsam in unsere Fantasiewelt einsteigt. Wir bieten keine Big-Show-Time, dafür Poesie und Emotionen. Ich glaube, in der heutigen Welt, wo alles so schnell ist, tut es gut, sich ein paar Stunden in die Spielfreude hineinfallen zu lassen.

Eineinhalb Jahre auf Tournee, da hatten Sie sicher auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Besonders schwierig ist es, wenn wir eine Doppelvorstellung haben und in der ersten etwas kaputt geht. Dann bleibt nur sehr wenig Zeit zum Reparieren und wir stehen unter Druck, dass alles zur Abendvorstellung parat ist. Wir haben fast alle Materialien dabei, die wir zum Reparieren brauchen. Nur Sprühkleber nicht, der darf nicht ins Flugzeug. Deshalb führt mein erster Weg vom Flughafen in den nächsten Baumarkt, um Sprühkleber zu kaufen.

Wie reist es sich mit Ihrem ganzen Gepäck?

Eine Tonne Material verpacken wir in Alukoffern. Dann haben wir ein paar spezielle Koffer in Übergrösse.

Und mit den übergrossen Gepäckstücken können Sie problemlos reisen?

Nicht immer. Von Köln sind wir direkt nach Teneriffa geflogen, doch es gab nur ein kleines Flugzeug. Wir haben schon überlegt, ob wir unsere Show um ein paar Nummern kürzen müssen, da wir die Kostüme nicht ins Flugzeug bekommen. Doch meine Mitarbeiterin hat herausgefunden, dass wir das Gepäck von Köln via Madrid nach Teneriffa fliegen können, dort war ein grosses Flugzeug im Einsatz.

Im Juli spielen Sie in New York. Sind weitere Stationen geplant?

Im November geht es nach Hongkong und China, das freut mich sehr. Ich hoffe, wir spielen «you & me» noch mindestens drei Jahre! Mit der alten Show sind wir zehn Jahre um die Welt gereist.

Für «you & me» haben Sie vier junge Spieler engagiert. Ist das nun die neue Mummenschanz-Generation?

Das kann man noch nicht sagen. Ich bin nicht sicher, wie lange sie bleiben wollen, oder ob der eine oder andere nicht auch mal ein eigenes Projekt verwirklichen will. Ich wäre sehr traurig, wenn sich unsere Truppe auflösen würde. Ich finde, wir sind eine sehr gute Truppe!

Aufführung «you & me», Theater St. Gallen, 12.6. mummenschanz.com

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