«Sie ist eine richtige Zehenfetischistin»

Coco sitzt ganz brav und ruhig auf der Bühne, wenn Schauspieler Christian Hettkamp seinen Monolog spricht. «Coco kennt inzwischen meinen Text in- und auswendig. Ich könnte sie locker als Souffleuse einsetzen», sagt Hettkamp, der in das Brahma-Huhn sehr verliebt ist, wie er ganz offen zugibt.

Martin Preisser
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Schwer verliebt: Schauspieler Christian Hettkamp und Huhn Coco. (Bild: pd/Theater St. Gallen)

Schwer verliebt: Schauspieler Christian Hettkamp und Huhn Coco. (Bild: pd/Theater St. Gallen)

Coco sitzt ganz brav und ruhig auf der Bühne, wenn Schauspieler Christian Hettkamp seinen Monolog spricht. «Coco kennt inzwischen meinen Text in- und auswendig. Ich könnte sie locker als Souffleuse einsetzen», sagt Hettkamp, der in das Brahma-Huhn sehr verliebt ist, wie er ganz offen zugibt. Zärtlich trägt er Coco in die Lokremise fürs neue Tanzstück «Nüwürüsütät». Sie sei ganz auf ihn fixiert, sagt der Schauspieler, der auch seine tänzerischen Qualitäten ausspielt. «Coco gönnt es mir, im Mittelpunkt zu stehen.» Zweimal ein leises Gurren, mehr gibt Coco nicht von sich.

Immer mehr Gewicht

Während der Proben hat Coco immer wieder mal die Zehen der Tänzerinnen und Tänzer angeknabbert. «Sie ist eine richtige Zehenfetischistin», sagt Christian Hettkamp, der erstmals in seiner Karriere mit einem Tier auftritt und am Anfang ziemlich Respekt vor dem Federvieh hatte. Liebevoll gibt er Coco immer wieder Bio-Sonnenblumenkerne zum Picken, während er die absurden Texte von Daniil Charms rezitiert. Die Kerne machen Cocos Federkleid schön glänzend. «Sie wird aber mit jeder Aufführung schwerer», macht sich Hettkamp Sorgen um die letzte Vorstellung.

Coco wird für «Nüwürüsütät» nicht als Statistin geführt, sondern von der Requisitenabteilung des Theaters St. Gallen betreut. Colette Diolaiuti, zur Zeit in Ausbildung als Requisiteurin, fährt Coco für jede Probe und jede Aufführung vom Bauernhof in Steinebrunn in die Lokremise. Immer mit dabei ist auch Zweithuhn Chanel, damit Coco nicht alleine im Lokremisen-Gehege sitzen muss, denn einsam sind Hühner nun einmal nicht gerne. Chanel, die Zweitbesetzung, ist nicht so ruhig wie Coco. «Ein wenig zickig», sagt Christian Hettkamp, der hofft, dass Chanel nicht zum Einsatz kommen möge. «Coco tut aber, glaube ich, alles, um nicht krank zu werden. Sie liebt das Rampenlicht inzwischen zu sehr.»

Wundervoll gefiedert

Ein Huhn auf der Bühne muss sich wohl fühlen. Und es fühlt sich wohl. Das hat die Tierärztin dem Theater St. Gallen attestiert, nachdem Christian Hettkamp unter den strengen Blicken der Veterinärin seinen Monolog samt Huhn aufsagen musste. «Ein einfaches Haushuhn, das wäre gar nicht gegangen», sagt «Nüwürüsütät»-Choreographin Beate Vollack. Für ihr Tanzstück musste es schon ein edles Riesenhuhn sein, das übrigens sehr schöne Beine hat, fast wie die Tänzerinnen der Kompagnie... Bis zu den Krallen hinab ist Coco wundervoll dicht gefiedert.

Noch nie gekackt

Coco passt in diesen Lokremisen-Hühnerstall, wo die unlösbare Frage nach Huhn oder Ei variantenreich gestellt wird. Und auch in der Musik von Bohuslav Martinu geht es um einen Hahn, der sich an einem Körnchen verschluckt hat und von einer Henne gerettet wird. Fünf Aufführungen sind inzwischen durch. «Coco hat mir noch nie auf den Arm gekackt», freut sich Christian Hettkamp. Entspannt wie sie schaut, wird sie das wahrscheinlich auch in Zukunft nicht tun.

Nüwürüsütät: So, 8.11., 11 Uhr; Di, 10.11., Do, 12.11., Do, 19.11., je 20 Uhr; Lokremise St. Gallen