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Vom eigenwilligen Mädchen vom Land zur unabhängigen Künstlerin

Der Film «Colette» ist ein vergnügliches Kostümdrama über die französische Schriftstellerin und Variétékünstlerin . Eine Frau, die mit ihrem unkonventionellen Lebensstil die Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts aufmischte. Brillant gespielt von Keira Knightley.
Regina Grüter
Herausfordernd direkter Blick in die Kamera: Keira Knightley als Colette. (Bild: DCM Film)

Herausfordernd direkter Blick in die Kamera: Keira Knightley als Colette. (Bild: DCM Film)

Ohne Colette wäre Audrey Hepburn vielleicht nie von Hollywood entdeckt worden. Die französische Schriftstellerin war auf der Suche nach einer Darstellerin für die Rolle der Gigi in der Theateradaption ihres Romans am Broadway. Es war Anfang der 1950er-Jahre. Colette ging damals schon gegen die 80 und sass im Rollstuhl. Die Autorin verbrachte ihre Ferien im Grand Hotel in Monte Carlo, wo im grossen Salon die Dreharbeiten zu «Musik in Monte Carlo» stattfanden, mit Audrey Hepburn in einer Nebenrolle. So begegnete die Autorin ihrer Figur. «Für Audrey, einen Schatz, den ich am Strand gefunden habe», soll Colette auf ein Foto von sich geschrieben haben. Es gibt auch ein Bild, worauf die damals gut 20-jährige Audrey Hepburn ihren Kopf an Colettes Schulter lehnt. Durch ihre Interpretation der Gigi wurde William Wyler auf Hepburn aufmerksam und castete sie für «Roman Holiday».

Der biografische Spielfilm «Colette» des Engländers Wash Westmoreland («Still Alice») spielt in der gleichen Epoche wie «Gigi». Im Film ist Colette (Keira Knightley) das kleine Mädchen, das sich an die starke Schulter seines Mann Henry Gauthier-Villars (Dominic West) anlehnt und im Paris der Belle Époque ein neues Leben anfängt. Gauthier-Villars, besser bekannt unter dem Pseudonym «Willy», war ein angesagter Musikkritiker und Schriftsteller und ging in den um die Jahrhundertwende blühenden Salons und Variététheatern ein und aus.

Künstlerische und ­ sexuelle Selbstbestimmung

Willy fand seinen Schatz auf dem Land, in Saint-Sauveur-en-Puisaye, wo Sidonie-Gabrielle Claudine Colette 1873 als jüngstes von vier Kindern geboren wurde. Die Mutter Sido (Fiona Shaw) wusste um die Besonderheit ihrer Tochter und gab sie nicht gern in die Hände des um viele Jahre älteren Lebemannes. Doch eben, Colette hatte ihren eigenen Kopf. Schön die Szene, als Willy seine junge Frau in die Pariser Gesellschaft einführt: Die Kamera folgt Colette durch den Salon, alles und jeder erscheint der naturliebenden jungen Frau künstlich und geistlos.

Colette sollte sich für Willy im wahrsten Sinne des Wortes als Schatz entpuppen. Einmal das Schreibtalent seiner Frau entdeckt, setzt er auch sie als Ghostwriterin ein. Ihr erster, autobiografisch inspirierter Roman «Claudine à l’École» schlägt ein wie eine Bombe, und Willy und Colette werden zum gefeierten Paar. Willy erweist sich hinfort als wahrer Vermarktungsstratege, wird seine Frau aber beruflich wie privat immer wieder hintergehen.

Wash Westmoreland richtet das Augenmerk auf die turbulente Ehe, auf die Jahre, in denen sich Colette vom eigenwilligen Mädchen vom Land zur eigenständigen Künstlerin entwickelte. Es ändern die Frisur und die Kleidung – vom einfachen Kleid zu Anzug und Krawatte. Eine Paraderolle für die 33-jährige Keira Knightley, die neben jugendlicher Schönheit mittlerweile auch über die nötige Reife verfügt. Es ist in der Tat eine ihrer besten. Die junge Colette ist keck, selbstbewusst, charmant und witzig; emotionale Enttäuschungen überwindet sie relativ schnell.

Dieselben Attribute treffen auch auf Willy zu, nur gesellt sich bei ihm noch eine ausgeprägte Skrupellosigkeit hinzu. Auch Dominic West, mit Festanzug und Bart, ist grossartig in seiner Rolle. So kommt es zu einer Szene, die sinnbildlich ist für diesen Film, in der eine junge Frau für sich die gleichen Rechte in Anspruch nimmt, die für die Männer immer schon selbstverständlich waren: Um die Ehe der beiden steht es nicht mehr zum Besten, als Colette und Willy nahe Paris Georgie Raoul-Duval (Eleanor Tomlinson) begegnen, mit der sie beide eine Affäre haben sollten. Ein nach wie vor voneinander abhängiges, in Hassliebe verbundenes Paar, das sich ob der Colette geltenden Avancen der schönen und reichen, aber gelangweilten Amerikanerin gemeinsam amüsiert.

Guter Rhythmus, ­ nicht zu emotional

«Colette» ist ein vergnügliches Kostümdrama, nicht üppig, nicht kitschig, das vor aktuellen Bezügen nur so strotzt. Jahrelang hatte Westmoreland zusammen mit seinem 2015 verstorbenen Partner Richard Glatzer am Drehbuch gearbeitet. «Colette» war für ihn eine Herzensangelegenheit. In einem Biopic geht es darum, die Persönlichkeit herauszuschälen. Und das ist Westmoreland wohl ganz gut gelungen, wenn man sich eine Fotografie von Colette in gestandenem Alter ansieht: Mit leicht zusammengekniffenen Augen blickt sie herausfordernd direkt in die Kamera, eine Pfeife in der Hand.

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