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Sie haben’s einfach drauf: Steve Coogan und John C. Reilly brillieren als Starkomiker

Die Film-Hommage «Stan & Ollie» versucht, die Essenz von Laurel und Hardy herauszuschälen. Das ist in weiten Teilen gelungen.
Regina Grüter
Steve Coogan und John C. Reilly als Laurel und Hardy. (Bild: Nick Wall)

Steve Coogan und John C. Reilly als Laurel und Hardy. (Bild: Nick Wall)

Die Melonen hängen an der Garderobe. Sie schnappen sich die Hüte, ihr unverkennbares Markenzeichen, und begeben sich ans Set von «Way Out West», um die Tanzszene zum Lied «At The Ball, That’s All» in den Kasten zu bringen. Der Spielfilm «Stan & Ollie» beginnt mit einer Plansequenz, die sitzt: Steve Coogan («Philomena», «Alan Patridge») und John C. Reilly («The Sisters Brothers», «Step Brothers») etablieren sich als Stan Laurel und Oliver «Babe» Hardy, das Komikerduo Dick und Doof, das auch heute noch jedes Kind kennt.

In den sechs Minuten erweisen sich die zwei abseits der Kamera als einander freundschaftlich zugewandte Partner und eingespieltes Team vor der Kamera. Meinungsverschiedenheiten zwischen Stan Laurel und Studioboss Hal Roach (gespielt von Danny Houston, Sohn von John Houston) treten zutage. Dank des Erfolgs von «Way Out West» 1937 kommt es vorerst noch nicht zum endgültigen Bruch mit Roach; die Popularität «seines» Duos war damals noch ungebrochen. Die Westernparodie gilt aber als ihr letzter richtig, richtig guter Spielfilm.

Das Leben und die Kunst sind nicht einfach trennbar

Im Fortlauf der Geschichte wendet sich Regisseur Jon S. Baird («Filth») einem weniger bekannten Kapitel im Leben der Starkomiker zu: ihrer Bühnentour durch Grossbritannien im Jahr 1953. Das Drehbuch stammt von Jeff Pope («Philomena») und basiert auf dem Buch «Laurel and Hardy – The British Tours» von A. J. Marriots. War die England-Tournee 1946, zwei Jahre nach Laurel und Hardys Abschied von Hollywood, noch von grossem Erfolg geprägt, wurde auf weitere europäische Länder ausgeweitet und dauerte schliesslich über ein Jahr, war die erneute Ankunft des Duos in England zunächst ernüchternd. Erstmal stehen Stan und Ollie, vom Tour-Manager Rufus Jones (Bernard Delfont) vor einer billigen Ansteige abgesetzt, wortwörtlich im Regen bis sie pitschnass sind, später, auf der Bühne, vor leeren Rängen. Die Regen-Szene ist die erste, in der das Leben den Film nachzuahmen scheint. Später hieven sie einen riesigen Koffer die Treppe zur Bahnstation hoch – wie war das nochmal mit dem Klaviertransport?

Zwei alte Männer, gesundheitlich und finanziell angeschlagen, sind sich in der Folge für keine Promo-Aktion zu schade, um den Ticketabsatz zu steigern. Bis zum grossen Finale im Lyceum Theater in London in Anwesenheit ihrer Ehefrauen: Lucille Hardy (Shirley Henderson) und Ida Kitaeva Laurel (Nina Arianda) fungieren als zweites ungleiches und deshalb lustiges Duo in dieser filmischen Konstellation, die in der Folge zunehmend an Dramatik hinzugewinnt.

Man kann Coogan und Reilly nichts abschlagen

Die Integration von Slapstick und Wortwitz in den Alltag und auch die Doppelung des Duo-Charakters mit Ehefrau Nummer drei respektive fünf funktionieren gut. Gleichzeitig ist «Stan & Ollie» aber auch recht konventionell erzählt und gegen Ende etwas gar rührselig – ihre Freundschaft wird noch gehörig auf die Probe gestellt, bevor sie sich gewahr werden, wie sehr sie sich lieben. Auch werden die beiden rundweg positiv dargestellt mit durchwegs verzeihbaren Schwächen.

Aber das ist auch schön. Man kann den gestandenen Komikern Steve Coogan und John C. Reilly in der Rolle ihrer Idole nichts abschlagen, sie haben’s einfach drauf: Grosse Augen, Stirn gerunzelt, während der untere Teil des Gesichts hängt, kratzt sich der Doofe, der Brite Coogan, durch den wirren Haarschopf am Kopf. Auch die Stimme ist verblüffend ähnlich. Und der Amerikaner Reilly ist der Dicke, wenn er sich mit leicht zusammengekniffenen Augen und zusammengepressten Lippen über Stanley ärgert.

«Stan & Ollie» ist eine stimmige Hommage und gleichzeitig der Versuch, die Essenz von Laurel und Hardy auf die Leinwand zu bringen; ihre Beziehung und Zusammenarbeit derart einzufangen, dass es über Wikipedia- und Buchwissen hinausgeht. Nicht nur schaffen es Steve Coogan und John C. Reilly tatsächlich, den Doppeltür-Sketch oder die Performance des «Blue Ridge Mountains»-Songs leicht aussehen zu lassen wie im Original, sie machen auch die Freude und die Ernsthaftigkeit dahinter sichtbar. Weder Stan noch Ollie zweifeln an dem, was sie nun schon so lange gemeinsam tun.

Nicht an Hardys Beerdigung

Sein gesundheitlicher Zustand erlaubte es dem echten Stan Laurel nicht, an der Beerdigung – soweit kommt es im Film nicht – seines Freundes und Partners teilzunehmen. Er kommentierte das ärztliche Verbot nachträglich mit den Worten: «Es war vielleicht besser so, vielleicht hätte ich dort nur etwas Lustiges gesagt oder getan, um den Schmerz zu verbergen – und Babe hätte es verstanden. Aber ich glaube nicht, dass es die anderen auch kapiert hätten.» Hätten sie «Stan & Ollie» sehen können, sie hätten’s kapiert.

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