«Sie bringt mehr Rechnungen, als ich bezahlen kann»

Wer kann am besten Einkaufen? Unglaublich, dass es eine Sendung gibt, die das zu ergründen versucht. Aber es gibt ja bekanntlich nichts, was es nicht gibt. In Deutschland läuft das Format unter dem Titel «Shopping Queen» schon seit längerem.

Kathrin Reimann
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Bild: Kathrin Reimann

Bild: Kathrin Reimann

Wer kann am besten Einkaufen? Unglaublich, dass es eine Sendung gibt, die das zu ergründen versucht. Aber es gibt ja bekanntlich nichts, was es nicht gibt. In Deutschland läuft das Format unter dem Titel «Shopping Queen» schon seit längerem. Dort ist die Styling-Doku, die als Hoch auf den Konsum verstanden werden kann, dermassen erfolgreich, dass sie bereits in Varianten mit Promis, Männern oder Übergewichtigen gedreht wird.

Cüplis für die Schätzelis

Die Schweiz war bisher noch jungfräulich, was das Format anbelangt, doch nun läuft «Fashion Run – das Shoppingduell» jeden Donnerstag auf den Regionalsendern Tele Züri, Tele M1 und Tele Bärn und sucht hierzulande nach Fashion-Ikonen. Das Konzept ist einfach: Zwei Shopping-willige Frauen erhalten von der Jury ein Motto und drei Stunden Zeit, um sich mit einem geteilten Budget von 1000 Franken neu einzukleiden und zu stylen. Wer nun denkt: Dass ist was für die Jungen, der täuscht sich schwer. Die ersten «Fashion Run»-Kandidatinnen sind nämlich die 51jährige Frührentnerin Cornelia sowie die 55jährige Hausfrau Esther. Über Cornelia erfährt man, dass sie einen riesigen Garten habe und gerne kreativ sei. Esther bezeichnet sich selbst als Hippie-Kind, Chamäleon und Mutter von drei Söhnen. Die «hochkarätige Fachjury» – bestehend aus Stylistin Luisa Rossi, Ex-Miss Christa Rigozzi und Starcoiffeur Valentino – gibt als Motto «Frühlingskleid» vor, und schon shoppen die beiden gemeinsam los.

Freundschaftlich geht es zwischen den beiden zu und her, zumindest vorerst. Cornelia spricht Esther mit Schätzeli an und im ersten Geschäft – die beiden machen Zürich unsicher – kippt Cornelia gleich mal ein Cüpli. Fachmann Valentino allerdings warnt vor zu viel Alkohol: «In Kombination mit High-Heels können Cüpli sehr gefährlich werden.» Cornelia sieht das anders, für sie ist klar: «Cüplis sind mein Geheimtip, die trinke ich immer beim Einkaufen.»

Ausser dem Cüpli finden Cornelia und Esther leider nichts in dem zu teuren Geschäft und gehen weiter, in einen Kostümverleih, wie Christa Rigozzi fälschlicherweise annimmt. Doch im 50er- Jahre-Geschäft findet Esther genau nach dem, was sie sucht. Sie zweifelt zwar, ob sie mit dem Retro-Look bei der Jury punkten kann, doch Busenfreundin Cornelia beschwichtigt: «Schatzeli, es muess dir gfalle, nöd am Valentino.» Dieser wiederum ist beeindruckt, wie sehr die Frauen ihr Budget im Griff haben, und plaudert aus dem Nähkästchen: Meine Freundin bringt immer mehr Rechnungen nach Hause, als ich bezahlen kann.» Esther ist nun «superhappy», weil sie auch zum blau-weissen Kleid eine passende Sonnenbrille geschenkt gekriegt hat und ausserdem einen Cardigan gefunden hat.

Nun ist aber Cornelia an der Reihe. In einem billigen Modegeschäft findet sie einen Hauch von einem weissen Kleidchen. Die Anprobe versetzt dem tiefgebräunten Valentino allerdings einen Schrecken: «Das macht blass, ist aber besser als ihre hochgezogenen Armani-Jeans aus den 80ern», sagt er, schon fast ein bisschen fies. Doch Cornelia gefällt's, und die beiden Frauen machen sich nun auf die Suche nach dem Coiffeur, der «beim Platz neben der Kirche ist», wie sich Esther erinnert. Nur gibt es in einer Grossstadt halt noch so einige Plätze neben Kirchen, und so beginnt eine unfreiwillig komische Odyssey durch Zürich, mit Happy End und Cüplis beim gesuchten und gefundenen Coiffeur. Cornelia ist mittlerweile ziemlich genervt von Esthers permanentem Geplapper, und auch der Coiffeur braucht, nachdem er sie gestylt hat, ziemlich dringend selber ein Cüpli.

Wenig Glamour, viel Komik

Fertig gestylt, kaufen die beiden noch schnell ein paar Bling-Bling-High-Heels für Cornelia und treten dann auch schon vor die Jury. Die ist erstmals sprachlos, und leider nicht, weil sie vom Anblick überwältigt sind, sondern vielmehr weil sie etwas schockiert wirken. Denn die beiden haben einige No-Goes, wie etwa Strümpfe zu offenen Sandalen oder zu kurze Röckchen, im Styling. Aber es gibt auch Lob. Und natürlich verteilt die Jury Punkte und kürt eine der Frauen zur Siegerin. Diese darf ihr Outfit behalten, die Verliererin muss es zurückgeben. Was aber kein Verlust ist, denn die Jury findet es ja sowieso suboptimal. Immerhin erhält die Gewinnerin keinen Gutschein für eine Schönheitsoperation, was naheliegend wäre, da eine entsprechende Klinik das Format sponsert.

«Fashion Run – das Shoppingduell» ist eine Sendung, die eher mit unfreiwilliger Komik punktet, als mit dem von den Machern versprochenen Glamour. Unterhaltsam ist sie aber allemal.

«Fashion Run – das Shoppingduell» Tele Züri, Tele M1 und Tele Bärn. Jeweils Donnerstag um 20.15 Uhr.

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