Jessy Lanza bringt in St.Gallen mit ihrem spleenigen Elektropop Füsse und Herzen zum Tanzen

Die Kanadierin kommt für ihr einziges Schweizer Konzert ins Palace.

Marc Peschke
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Singer-Songwriterin Jessy Lanza.

Singer-Songwriterin Jessy Lanza.

Bild: PD

Seit 2004 macht das Londoner «Hyperdub»-Label mit äusserst aufregenden Veröffentlichungen von sich reden. Label-Macher Steve Goodman profitierte vom rasanten Aufstieg der Grime- und Dubstep-Musik, setzte aber von Anfang an eigene Akzente, um sein Label gegen Ende der Nullerjahre in eine Richtung zu entwickeln, die bis heute kaum mehr Genregrenzen kennt.

«Das Label und mein Geschmack haben sich einfach stark erweitert», sagt Goodman, der als «Kode9» selbst Musik produziert. Seitdem prägen durch und durch eklektische Veröffentlichungen den Output des Hyperdub-Labels, das Goodman einmal so beschrieben hat: «Hyperdub ist eine Mutation der britischen elektronischen Musik, die von der jamaikanischen Soundsystemkultur infiziert ist.»

Das genuin jamaikanische Erbe des Dub spielt im Werk Jessy Lanzas allerdings nur noch eine geringe Rolle. Die kanadische Songwriterin, Sängerin und Produzentin, die nun im Palace zu erleben ist, steht viel mehr in einer sehr besonderen Elektro-Pop-Tradition. Aus warmen, wohligen Vintage-Synthesizer-Sounds, pulsierenden Beats und jeder Menge surrealer Klang-Details schafft Lanza ihren leicht spleenigen Sound, den man bisher auf den beiden Alben «Pull My Hair Back» und «Oh No» hören kann. Diese sind mit Unterstützung Jeremy Greenspans von den Junior Boys entstanden – einer der wichtigsten Akteure der kanadischen Electronica-Szene.

Fordernd und funky

Dass Lanza unter anderem bereits mit der kanadischen Elektro-Grösse Caribou zusammengearbeitet hat, passt perfekt zu ihrem eigenen Werk: Denn auch hier schallt es bisweilen psychedelisch, mäandert zwischen elektronischen Beats und Avantgarde. Ein verwirrendes, schräges Miteinander aus Songs und Tracks, mal entspannend, dann fordernd, funky und artifiziell gleichzeitig.

Doch Lanza ist keine Dogmatikerin. Manchmal gelingen ihr herrlich eingängige musikalische Dinge – und das ist kein Zufall. Dann mixt sie eine Prise R&B in einen Achtziger-Synthie-Pop-Song, der womöglich nicht viel mehr will, als Füsse und Herzen zum Tanzen zu bringen und einfach Spass zu machen. Dass sie ihre Wurzeln im Jazz und ihre Hip-Hop-Liebe zu Missy Elliott und Timbaland gelegentlich ebenfalls in ihr Werk einfliessen lässt, macht das Ganze noch attraktiver.

Wenn Jessy Lanza nun im Palace ihr einziges Konzert in der Schweiz gibt, dann sollten all jene zur Stelle sein, die ein eher postmodernes Pop-Verständnis goutieren.

Lanza hat ihre Arbeit als ein «Mash-up aller Popsongs der letzten 40 Jahre, die ihr gefallen» beschrieben. Ihr neues Album soll im Frühjahr 2020 erscheinen. Man darf sich also auf ganz neue, experimentelle Pop-Tracks freuen – auch wenn Jessy Lanza alles andere als ironisch bekennt: «Ich höre sehr viel Mainstream-R&B.» Mit dabei an diesem Abend im Palace sind noch die DJs Color Passion & Oh Shee.

Samstag, Palace St.Gallen, 21 Uhr Türöffnung, Konzert ab 22 Uhr.