Sie bleibt geheimnisvoll

Das Kinok zeigt diesen Monat das erhellende und vielschichtige Filmporträt «The Look» über Charlotte Rampling und verbindet das mit einer Auswahl von acht Filmen aus der Karriere der herausragenden britischen Schauspielerin.
Andreas Stock
Unterwegs mit Charlotte Rampling führt die Dokumentation «The Look» auch zu Schauplätzen einiger ihrer Filme. (Bild: pd/Xenix Film)

Unterwegs mit Charlotte Rampling führt die Dokumentation «The Look» auch zu Schauplätzen einiger ihrer Filme. (Bild: pd/Xenix Film)

Sie umgibt immer etwas Geheimnisvolles. Das rührt auch aus jener Distanziertheit und Reserviertheit, die die oft mysteriösen Frauenfiguren in all ihren Filmen umgibt. Diese leichte Verschlossenheit ist zu einer Art Markenzeichen von Charlotte Rampling geworden. Obwohl sie in ihrer langen, aussergewöhnlichen Karriere die unterschiedlichsten Frauen spielte, hat dies wesentlich ihr Image als eine Unnahbare geprägt. Die damit verbundene Rätselhaftigkeit wirkt freilich anziehend, macht sie bei aller abweisenden Geste als selbstbewusste, kluge Frau verführerisch.

Selbstporträt, Selbstdarstellung

Die Regisseurin Angelina Maccarone konnte die britische Schauspielerin für einen Porträtfilm gewinnen. «The Look» ist keine konventionelle Dokumentation geworden, in der biographische Stationen sowie Einschätzungen und Kommentare von Berufskollegen versammelt sind. «Ein Selbstporträt durch andere» heisst der Film im Untertitel und macht damit das Konzept dieser Dokumentation deutlich: Der Film begleitet die in Paris lebende Schauspielerin über einen Zeitraum von drei Jahren zu einigen ihrer engen Freunde; darunter sind der New Yorker Autor Paul Auster und der Künstler Jürgen Teller. In neun thematischen Kapiteln – Age, Beauty, Resonance, Taboo, Desire, Demons, Exposer, Death und Love – unterhält sie sich jeweils mit einem von ihnen zu einem dieser Aspekte. «Der Film handelt davon, wie ich mich selbst darstelle und wie ich Menschen mit auf meine Reise nehme», sagt Charlotte Rampling über den Film.

Die Doppeldeutigkeit, die im Titel «The Look» mitschwingt – was zugleich «Blick» als auch «Aussehen» bedeuten kann –, fliesst in diese filmische Annäherung mit ein. Und als Zuschauer wird man dann ständig pendeln zwischen den verschwommenen Grenzen: Wo ist die Person und wo beginnt die Schauspielerin?

Inszenierung als Teil des Spiels

Angelina Maccarone greift in ihrem vielschichtigen, klugen Porträt diese Frage in der Inszenierung auf. Immer wieder werden die Dreharbeiten deutlich gemacht, wird gezeigt, wie man mit Rampling Szenen erarbeitet hat. Die überraschendste Situation ergibt sich im Kapitel «Exposure», wenn Rampling mit Peter Lindbergh die Rollen tauscht, sie die Kamera übernimmt und den Fotografen porträtiert. Eine gezielte Irritation erlebt man bei «Resonance», als Rampling mit Regisseur Barnaby Southcombe, ihrem ältesten Sohn, eine Szene probt und nicht gleich klar ist, ob sie sich über etwas Privates unterhalten.

Zu den Qualitäten von «The Look» gehört freilich, dass Maccarone auf Boulevard-Stories verzichtet. Die charismatische Schauspielerin erwähnt beispielsweise mit Bedacht den Selbstmord ihrer älteren Schwester, der für sie lange ein Trauma darstellte. «Ich halte es für wichtig, dass man ein Geheimnis behält, eine Rätselhaftigkeit, und nicht alles über sich ausposaunt», hat Rampling in einem Interview zu «The Look» gesagt. Das gilt auch für diesen Film. Er bietet zwar eine aufschlussreiche Annäherung an diese nonkonformistische Schauspielerin, er belässt ihr aber ihre geheimnisvolle Aura – und festigt somit das Image. Umso schöner, dass das Kinok neben «The Look» diesen Monat acht herausragende Filme der Schauspielerin zeigt.

Ozon, Allen, Oshima, Cavani

Sechs davon sind auch in Angelina Maccarones Doku jeweils in einem der neun Kapitel vertreten. Darunter die hervorragenden Frauendramen «Sous le sable» (12.1.) und «Swimming Pool» (6./22.1.) von François Ozon. Die hatten Rampling nach einer langen Pause wegen Depressionen zum Comeback verholfen. Für Ozon ist sie zu einer Muse und guten Freundin geworden. «Ich bin faszinierend, aber ich bringe Ärger», sagt sie als depressive Dorrie in Woody Allens «Stardust Memories» (15./21./28.1.); Allen zeigte sie auf zärtliche Weise in ihrer Verwundbarkeit. Grossartig darin eine Reihe von Naheinstellungen, sprunghaft aneinandergeschnitten, die eine kranke, verstörte Frau zeigen. Mit «Max, mon Amour» (13./19.1.) von Nagisa Oshima (Rampling: «ein perfektes Drehbuch»), dem beklemmenden «Lemming» (6./20./ 24.1.)von Dominik Moll sowie dem umstrittenen «Il portiere di notte» (9./27.1.) von Liliana Cavani sind drei ihrer gewagten Rollen zu sehen, die Charlotte Rampling den Ruf als eine «Abenteurerin des Abgründigen» verschafften und ihren Mut für kontroverse Stoffe zeigen.

The Look, Kinok Lokremise, heute Mi, 15.30 Uhr; So 8., 13.30 Uhr; Mi 18., 18.15 Uhr; Di 24., 18 Uhr; So 29., 11 Uhr

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