SHOWBUSINESS: Eine satte Dosis Ironie

Herzhaft und würzig: Die deutsche Moderatorin Barbara Schöneberger belebt mit unverwechselbaren Sprüchen die grossen TV-Formate.

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Wohin man dieser Tage im Fernsehen auch zappt, die Chance ist gross, auf Barbara Schöneberger zu treffen. Die 43-jährige gebürtige Münchnerin möbelt mit ihrer Schlagfertigkeit so manche Sendung im deutschsprachigen TV auf. Sei es die Bambi-Verleihung, die Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest, die NDR- Talk-Show oder «Gottschalk & Jauch gegen alle» im privaten Fernsehen. Und auch das österreichische Publikum kann mit der «Starnacht am Wörthersee» die Moderatorin mittlerweile regelmässig vor Ort begrüssen.

So verschieden die Sendungen sind, wenn Schöneberger moderiert, kann man sich auf eine geballte Ladung Ironie gefasst machen. Mal ganz fein zwischen den Zeilen, mal ziemlich direkt. Der britische Sänger Robbie Williams etwa vergrub an der Bambi-Verleihung 2016 sein Gesicht in Schönebergers Dekolleté. Als er die Bühne verliess, griff sie zum Standmikrofon und sagte: «Robbie hat mir seinen Ständer dagelassen.» Manche mögen diese Art von Sprüchen als zotig empfinden. Doch sie hat deswegen nicht mehr oder weniger Kritiker als andere Personen, die im Rampenlicht stehen. Im Gegenteil: Geht es um die beliebtesten Moderatorinnen und Moderatoren, schafft sie es regelmässig in die Top Ten.

Barbara Schöneberger ist alles andere als ein TV-Neuling – ihr Debüt gab sie bereits vor rund 20 Jahren in einer täglichen Spielshow auf Sat.1. Damals wendete sie vorab Spielkarten. Doch schon bald folgte die Sendung «Blondes Gift». Auch der Titel dieser Talkshow war selbstverständlich nicht bierernst gemeint. Laut Sendekonzept ging es um eine generelle Einstellung zum Leben, nämlich «ein entspanntes Verhältnis zu den Dingen zu haben». Und weil dies letztlich keine Frage der Haare ist, übten sich in jeder Sendung Gastgeberin und Gäste ausgiebig und humorvoll in Eigenkritik.

Verkrampft zu sein, gehört somit nicht zu ihrem Lebenskonzept. Dennoch stellt Schöneberger fest, dass sie häufig auf wenige Charaktereigenschaften fixiert wird. Zuschreibungen wie «die lustige Allzweckwaffe» findet sie demnach gar nicht immer passend. Dass man manchmal in einer Schublade landet, sieht sie aber auch als Teil des Spiels, wie sie durchblicken lässt. Man müsse nicht die ganze Zeit dagegen ankämpfen und sagen: «Hey, ich bin aber auch karitativ tätig, schreibt doch das mal.» Es sei eben so, sagte sie dem Magazin «Woman». «Ich bin nun einmal die gut gelaunte Allzweckwaffe, der Atombusen, der Spasskracher, whatever.»

Seit sie für einen Hersteller von Fleischsalaten wirbt, kokettiert sie mit ihrem eigenen Namen und nennt sich zuweilen Frau Fleischberger. Dass die Selbstironie nicht gespielt ist, zeigt sich, wenn einmal ein Missgeschick passiert. Als während einer Sendung ihr enges Kleid von hinten zerriss, amüsierte sie sich selbst am allermeisten darüber. Schöneberger ist mittlerweile zweifache Mutter. Als Sängerin brachte sie in den Sparten Swing und Disco mehrere CDs auf den Markt. Und es gibt eine eigene Zeitschrift, die ihren Namen «Barbara» trägt. Auf der zugehörigen Homepage findet sich zusammengefasst nochmals ihr Motto: «Natürlich laufe ich privat nicht die ganze Zeit Grimassen schneidend durch die Gegend und lache mich tot. Aber ich muss auch nicht die Schwere der Welt erklären.»

Thorsten Fischer

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