Shakespeare, in Worte und in Musik gesetzt

ST. GALLEN. Die Schweiz stimmt ab, doch in der Tonhalle hüpfen an diesem frühen Sonntagabend die Elfen und rennen sich zwei Liebende nach (oder genauer: eine Liebende und ein Nicht-Liebender). Und der Dirigent Johannes Wildner holt zweimal aus zu einer launigen Ansprache.

Rolf App
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ST. GALLEN. Die Schweiz stimmt ab, doch in der Tonhalle hüpfen an diesem frühen Sonntagabend die Elfen und rennen sich zwei Liebende nach (oder genauer: eine Liebende und ein Nicht-Liebender). Und der Dirigent Johannes Wildner holt zweimal aus zu einer launigen Ansprache. Die Liebenden heissen Meda Gheorghiu-Banciu und Luzian Hirzel und sind Schauspieler am Theater.

Das Publikum, sehr angetan

Krachend hauen sie die Türen zu oder schleichen sich auf Zehenspitzen hinaus, wenn das Orchester anhebt. Und wenn die Musik ihrer schönen Verse in die Musik des Sinfonieorchesters übergeht. So bekommt der zweite Teil dieses Tonhallekonzerts seinen eigenen Reiz. Das Publikum, das schon in der ersten Hälfte stark applaudiert hat, steigert sich jetzt zur Begeisterung.

Durchaus mit Recht. Denn auch musikalisch hat dieser erste Advent viel zu bieten. Zu Beginn beschwört Otto Nicolais Ouverture zu «Die lustigen Weiber von Windsor» den Mondaufgang, bevor in rasch wechselnden Themen das Spielerische durchbricht. Ganz ähnlich baut sich in Antonín Dvoráks Ouverture «Othello» in einer langsamen, von den Blechbläsern akzentuierten Einleitung jene Spannung auf, die Johannes Wildner mit Schwung zum Höhepunkt führt. Farbig-dramatisch schliesslich gestaltet er Pjotr Tschaikowskys Phantasie-Ouverture «Romeo und Julia» mit ihren präzis hervortretenden Holzbläsern.

Die Eleganz der Elfenwelt

Dann schlägt Felix Mendelssohns Stunde, mit der Ouverture und drei Stücken zu «Ein Sommernachtstraum» – dem Scherzo, dem Notturno, und dem Hochzeitsmarsch. Jetzt entwickelt das Orchester jene Eleganz, die der Elfenwelt angemessen ist, mit rasend schnellen Violinläufen und Einwürfen der glänzend disponierten Bläser.

Am Ende aber heisst es, mit Shakespeare: «Gute Nacht nun, gehet heim.»