Sexting, Mordfantasien und ein unerwünschtes Baby: An der Kurzfilmnacht in St.Gallen werden drei Kurzfilme von Ostschweizern präsentiert

Die Kurzfilmnacht macht auf ihrer Tour durch die Deutschschweiz am 25.und 26. September Halt in St.Gallen. Im Kurzfilmblock «Made in St.Gallen» sind zwei Filme von Arboner Regisseuren zu sehen. Das Drehbuch des dritten Films hat ein Toggenburger geschrieben.

Geri Krebs
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Seit 17 Jahren gibt es die Kurzfilmnacht; seit über zehn Jahren steht in ihrem Logo der Kopf einer fauchenden Katze. Um eine Katze geht es auch im diesjährigen Eröffnungsfilm. «Cat Noir» heisst der Animationsfilm, der am Anfang von «Made in St.Gallen» steht, dem ersten von fünf etwa einstündigen Kurzfilmblöcken, die im St.Galler Programmkino Kinok gezeigt werden. Nur gut sechs Minuten dauert «Cat Noir», doch was Regisseur O’Neil Bürgi, 1981 in Arbon geboren und heute in Frauenfeld lebend, in diese kurze Zeitspanne hineinpackt, ist ein wahres visuelles Feuerwerk an erzählerischen, gestalterischen und musikalischen Ideen.

 O'Neil Bürgi erzählt in «Cat Noir» von den Mordfantasien eines verlassenen Mannes.

O'Neil Bürgi erzählt in «Cat Noir» von den Mordfantasien eines verlassenen Mannes.

pd

Im Zentrum stehen die Mordfantasien eines von seiner Partnerin verlassenen Mannes, stets aufmerksam beobachtet von seiner Katze. «Ich hatte zuvor noch nie einen Animationsfilm realisiert, ich komme vom Dokumentarfilm her», erklärt O’Neil, und erzählt, wie er bereits 2014 in einer Zeit, die er «schwierig» bezeichnet, zur Ablenkung das Drehbuch dazu geschrieben habe. Sein Lehrer bei der F+F Schule ermunterte ihn, daraus einen Animationsfilm zu machen.

Sarah Spale spielt die Hauptrolle

O'Neil Bürgi.

O'Neil Bürgi.

pd

Trotzdem drehte Bürgi den Film zunächst real mit Schauspielern vor neutralem Hintergrund, um danach in über einjähriger Arbeit Bild für Bild nachzuzeichnen. Der gigantische Aufwand hat sich gelohnt: Der dialoglose, schwarz-weisse Film, nur untermalt von der Musik Daniel Laufers, lief seit seiner Premiere im Juli 2018 in Wien an über 60 Filmfestivals.

Samuel Flückiger.

Samuel Flückiger.

pd

Eine beachtliche Karriere hat auch der halblange Spielfilm «Fensterlos» von Samuel Flückiger hinter sich: Seit seiner Premiere vor knapp einem Jahr wurde er an Festivals von Griechenland über Spanien bis nach Kolumbien gezeigt. Flückiger hat das Drehbuch zu «Fensterlos» zusammen mit dem Toggenburger Joel Jent, der den Film auch produziert hat, geschrieben. «Ich habe ein abgeschlossenes Soziologiestudium, und so haben mich in all meinen Filmen gesellschaftlich heikle Themen interessiert», sagt er und erzählt, dass er auf die Geschichte der Mutter, die ihr Baby in die «Babyklappe» des Spitals Einsiedeln legt – der ersten in der Schweiz, mittlerweile gibt es deren acht –, durch einen Zeitungsartikel gestossen sei.

In der Hauptrolle ist eine Schauspielerin zu sehen, die 2016, als Flückiger und Jent das Casting durchführten, noch wenig bekannt war, aber seit Anfang dieses Jahres als Protagonistin in «Platzspitzbaby» einen kometenhaften Aufstieg erlebte: Sarah Spale.

Über den Umgang mit Intimität

Beziehungsdrama um intime Smartphone-Bilder: «I gseh di» von Luca Ribler.

Beziehungsdrama um intime Smartphone-Bilder: «I gseh di» von Luca Ribler.

Eine Schauspielerin, von der in nächster Zeit ebenfalls noch viel zu hören sein wird, spielt schliesslich im dritten Film von «Made in St.Gallen», dem Kurzspielfilm «I gseh di» von Luca Ribler. Der 1989 in Arbon geborene Ribler, der seit seinem 19. Altersjahr Filme dreht, konnte für sein 20-minütiges Beziehungsdrama, in dem es recht explizit um Sexting unter jungen Erwachsenen geht («Ich wollte einen Film über den Umgang mit Intimität machen und das auch zeigen»), Steffi Friis verpflichten.

Luca Ribler.

Luca Ribler.

pd

Dieser Tage wird die junge Schauspielerin in aller Munde sein, spielt sie doch die Hauptrolle in «Eden für jeden», dem neuesten Film von Altmeister Rolf Lyssy, der am kommenden Montag am Zurich Film Festival seine Weltpremiere feiert.

Freitag, 25.9. und Sa, 26.9., 19 Uhr, Kinok St.Gallen, im Anschluss Gespräch mit den Regisseuren.