Serienkritik
Arsène Lupin? Kennen Sie vielleicht aus dem Französischunterricht. Diese Netflix-Serie hilft bei Erinnerungslücken

Franzosen-Allstar Omar Sy spielt in der Serie «Lupin» einen Rächer. Für seine Gegner bedient er sich bei den Tricks eines Helden aus der Literatur. Nun ist Staffel 2 draussen. Wie gut ist sie?

Daniel Fuchs
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Kann dieser Mann ein Rächer sein? Omar Sy (links im Bild) zahlt es als Assane Diop in «Lupin» einem geldgierigen Aristokraten heim.

Kann dieser Mann ein Rächer sein? Omar Sy (links im Bild) zahlt es als Assane Diop in «Lupin» einem geldgierigen Aristokraten heim.

Bild: Netflix

Vielleicht treibt Ihnen der Name Arsène Lupin wie mir den Schweiss auf die Stirn. Die Geschichten über den französischen Meisterdieb jedenfalls waren bei uns so etwas wie Pflichtliteratur im Französischunterricht. Und das ist auch der Grund, weshalb ich mich nicht mehr genau erinnern kann, was denn Arsène Lupin genau getrieben hat. Lesen unter Zwang führte bei mir zu einer Art Aufnahmeunfähigkeit, gerade was französische Bücher betrifft.

Deshalb weckte die Serie «Lupin» auf Netflix vor einem Jahr mein besonderes Interesse. Endlich, so dachte ich, werde ich die Abenteuer dieser französischen Legende erleben können.

Beliebter französischer Filmstar

Falsch gelegen: Omar Sy, der sanfte Riese aus «Intouchables» und «Samba», spielt nicht Arsène Lupin, sondern die Hauptfigur Assane Diop. Dieser wiederum ist ein grosser Fan von Lupin und hat seine Leidenschaft für den «Gentleman Cambrioleur» nicht nur seinem Sohn vererbt, sondern auch Lupins Tricks ­adaptiert. Mit ihrer Hilfe will sich Diop an seinem grossen Antagonisten ­Hubert Pellegrini rächen, einem rassistischen und kriminellen Pariser Aristokraten, weil er grosses Unglück über Diops Vater Abakar gebracht hat.

Staffel 2 der beliebten Serie «Lupin».

Quelle: Youtube

So viel zur Vorgeschichte. Diop greift tief in die Trickkiste und ergänzt Arsène Lupins Ablenkungsmanöver aus dem frühen 20. Jahrhundert mit den digitalen Hilfsmitteln der Moderne. In sprunghaften Zeitblenden rücken wir in Staffel Anfang Jahr immer wieder vor und zurück in der Zeit, stellen verblüfft fest, dass Diop wieder seine Tricks angewandt hat, und staunen wie die Zauberlehrlinge, wie ihm die Kunststücke gelungen sind. «Lupin» hat etwas von einer Magiershow, nur dass wir Einblicke hinter die Tricks erhalten.

Figur aus 20 Romanen, Kurzgeschichten und Theaterstücken

Geendet hat Staffel 1 mit einem schier unaushaltbaren Cliffhanger, als Diops Rachefeldzug seine eigene Familie in grosse Gefahr bringt. Staffel 2, jetzt auf Netflix, setzt hier an. Um seinen Sohn zu retten, nimmt Diop die Hilfe ausgerechnet eines Polizisten an, der Diop auf der Spur und selbst ein leidenschaftlicher Lupin-Leser ist.

Für die Fans des so charmant wie gutmütig wirkenden Omar Sy
ist «Lupin» sowieso ein Muss. Diesen Typen möchte man zum Freund. Zweifelsohne, Sy trägt diese Serie, deren Handlung trotz aller über­raschenden Tricks, Ränkespiele um Täuschung und Wahrnehmung etwas allzu vorhersehbar ist. Und zu guter Letzt erkennt man auch als nur halbgarer Lupin-Versteher das Wesen dieser Legende fran­zösischer Populärkultur, die vor 100 Jahren vom Schriftsteller Maurice Leblanc in 20 Romanen, Kurzgeschichten und Theaterstücken geschaf­fen worden ist.

Für die Serie übrigens hat Netflix bereits eine ­dritte Staffel angekündigt.

«Lupin» (F 2021 - ...); zwei Staffeln à fünf Episoden; Staffel 2 jetzt bei Netflix.