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Senta Berger verteidigt das Christkind mit einer Ohrfeige

Eine Schauspielerin und der Tölzer Knabenchor stimmen auf Weihnachten ein. Was leicht betulich klingt, entpuppt sich als kurzweiliger Abend. Fein austariert zwischen Besinnlichkeit, Humor und kritischen Akzenten.
Susanne Holz
Mischte bei ihrem Auftritt im KKL Persönliches mit Humorvollem: Senta Berger. Bild: Getty

Mischte bei ihrem Auftritt im KKL Persönliches mit Humorvollem: Senta Berger. Bild: Getty

Gleich zu Beginn bringt sie das Publikum zum Lachen. Senta Berger (77), seit 60 Jahren eine gefeierte Schauspielerin, erzählt von ihrer Kindheit in Wien im Allgemeinen und im Besonderen davon, wie sie «der Gabi einmal eine geschmiert» habe. Dies deshalb, weil die Gabi behauptet hat, es gebe kein Christkind. Die kleine Senta, schon damals ein Mensch der Tat, verteidigt also das Christkind – mit körperlichen Einsatz, den sie mit Nachsitzen büssen muss.

Es ist diese persönliche Färbung der Weihnachtsgeschichten im Zusammenklang mit der weichen Stimme der deutsch-österreichischen Schauspielerin, der diesen Abend im KKL – «Weihnachten mit Senta Berger» – zu etwas Besonderem und etwas Feinem macht. Zwar sitzen im nicht ausverkauften Konzertsaal vorwiegend Menschen älteren Semesters, Männer und Frauen, die wie Senta Berger die Nachkriegszeit als Kind erlebt haben. Doch auch die Jüngeren im Publikum sind erstaunt, wie schnell die Zeit vergangen ist, als sie um 22 Uhr nach viel Applaus im Saal und dem Abgang des letzten Tölzer Sängerknaben von der Bühne wieder an der Garderobe stehen, um in die warme Winterjacke zu schlüpfen. «Sehr schön» und «wunderbar», so tönt es als Resümee unter den Besuchern.

Der kindliche Blick ans Ende der Welt

Es ist wohl auch dem klugen Mix der Geschichten zu verdanken, dass dieser Abend nicht allzu betulich wird. Persönliches mischt sich mit Humorvollem und Kritischem. Wenn Senta Berger vom Kindheitsblick auf «ihren» Hof in Wien erzählt, lauschen alle neugierig. Flieder und Jasmin blühten dort, es gab ein Fussball­eck für die Buben, einen Lattenzaun als Klettergerüst und ein Schuppendach, das direkt zum Schornstein führte: «Von dort konnte man ans Ende der Welt sehen – also mindestens zwei Strassen weiter.»

Solche Kindheitserinnerungen verbinden – nicht nur im Advent. Jeder kennt sie, jeder hat sie, jeder liebt sie. Dass die kleine Senta dann den Nikolaus enttarnt, der durch diesen Hof stapft, in den karierten Filzschuhen der Nachbarin, es wundert einen nicht, es langweilt aber auch nicht. Genauso wenig wie Astrid Lindgrens Kindergeschichte vom beleidigten kleinen Pelle, der vor Weihnachten auszieht, um seine Eltern zu strafen: Das Publikum lacht frank und frei – auch Erwachsene haben mitunter gerne ein Kindergemüt.

Viele wirkliche Kinder stehen natürlich in Form des Tölzer Knabenchors auf der Bühne, und sie singen sich glasklar und andächtig durch das weihnachtliche Liedgut Europas, begleitet von Akkordeon, Harfe und Flügel. «Es ist ein Ros’entsprungen», «Il est né le divin enfant» oder «Es wird scho glei dumpa». Applaus gibt es nach jedem Lied. Und die kritischen Töne? Für die sorgt Hermann Hesse mit seinen Worten von 1916: Man solle das Heilige in sich selber suchen.

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