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Langweilige Waldgeschichten aus Leutschenbach «Schweiz aktuell» macht diesen Sommer auf Abenteuer und verlegt sein Studio im UNO-Jahr des Waldes in den Wald: Während Moderator Michael Weinmann drei Männern und zwei Frauen drei Wochen lang zuschaut, wie sie im st.

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Langweilige Waldgeschichten aus Leutschenbach

«Schweiz aktuell» macht diesen Sommer auf Abenteuer und verlegt sein Studio im UNO-Jahr des Waldes in den Wald: Während Moderator Michael Weinmann drei Männern und zwei Frauen drei Wochen lang zuschaut, wie sie im st. gallischen Hohrain-Wald eine Hütte bauen, muss Sabine Dahinden in einer vierteiligen Sendung ihre guten Namen hergeben um «Dahinden im Wald» allerlei seltsame Dinge im Wald zu tun und noch seltsamere Menschen im Wald zu treffen. Letzten Montag etwa eine Hebamme, die ihren Sohn in einer mondsichtigen Septembernacht in einer Wanne am Waldrand auf die Welt brachte. Ihrem Sohn schien dies auch 12 Jahre später irgendwie noch peinlich zu sein, doch immerhin wächst die Linde, worunter sie die Plazenta nach der Geburt vergraben hat, ganz ordentlich. Aber nichts gegen diese Hebamme und ihre Waldgeburt, immerhin bot sie den einzigen Auf- oder Anreger der ganzen letzten Sendung. Denn Sabine Dahinden dabei zuzusehen, wie sie in einer Hängematte im Wald übernachtet und danach von ihr zu hören, dass das Vogelkonzert am Morgen imposant gewesen sei, haut selbst Siebenjährige nicht aus den Socken.

Mitleid erregend

Schon mehr versprach Dahindens Ausflug nach Frümsen, wo sie der Aufforstung eines Bannwaldes beiwohnte. Schade nur, dass es keines der Tännchen in den Fokus der Filmkamera geschafft hat. Ebenfalls nicht verstanden hat man als Zuschauer, weshalb die freiwilligen Helfer in einem anderen Wald ohne Motorsägen Tannen fällen mussten. Wahrscheinlich wäre es mit Motor einfach zu wenig anstrengend und Mitleid erregend gewesen. Apropos Mitleid: Die drei «Abenteurer», welche «Schweiz aktuell» unter strammer Führung von Hauptmann Hannes Bühlmann in die Wildnis des Tessins geschickt hat, auf dass sie dort ums nackte Überleben kämpfen, taten bislang eigentlich nur eines: frieren. Und zwar so sehr, dass der zitternden Gabi nach der ersten Nacht im Zelt der schöne Satz entfährt: «Noch so eine Nacht und ihr könnt mich filmen.»

Wo ist Tom?

Das Problem: In der Schweiz gelten selbst in der Wildnis Regeln, die da heissen: «Feuerverbot wegen Waldbrandgefahr» und «Schonzeit für Fische». So frieren und hungern die «Abenteurer» so etwas vor sich hin und es passiert nicht viel, bis es dann doch zu regnen anfängt und von Meeresbiologe Tom plötzlich jede Spur fehlt. Diesen Umstand nutzt «Schweiz aktuell» sofort für einen klassischen «Cliffhanger». «Was mit Tom passiert ist, sehen sie in der nächsten Sendung», kündet Dahinden dramatisch an, um wenige Sekunden später einen kerngesunden Tom in der Vorschau zu zeigen. Schade, aber es passt zum Gute-Nacht-Ton der ganzen Sendung, in der nichts Böses passieren darf.

Alles ein bisschen zu nett

Die Idee, das UNO-Jahr des Waldes zum Thema zu nehmen, ist nett. Zu nett: Es gibt kein lautes Wort, keine Unstimmigkeiten, keine Diskussionen, kein Gejammer, keine Intrigen, sondern nur harte Arbeit, viel Regen und viele Bäume. Spannung kommt da keine auf. Gut möglich, dass sich das in den nächsten Tagen und Wochen noch ändert, wenn irgendwann vielleicht doch ein wenig die Nerven blank liegen, das Bett aus Ästen unbequem wird oder Förster Hitsch Rohner keinen Sprit mehr für seine Säge bekommt. (kaf)

SF 1 Die Hüttenbauer, bis 22.7. täglich 19.05 Uhr SF 1 Dahinden im Wald, jeweils montags, 20.55 Uhr