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Neu im Kino: Rassismusdrama einer widersprüchlichen Freundschaft

Der Film «Green Book» ist für fünf Oscars nominiert: Hauptdarsteller Viggo Mortensen und Regisseur Peter Farrelly erzählen im Interview über ihr Rassismusdrama.
Lory Roebuck
Aussergewöhnlicher Roadtrip: Tony Lip (Viggo Mortensen) und Don Shirley (Mahershala Ali) sind beide für den Oscar nominiert. (Bild: Ascot Elite)

Aussergewöhnlicher Roadtrip: Tony Lip (Viggo Mortensen) und Don Shirley (Mahershala Ali) sind beide für den Oscar nominiert. (Bild: Ascot Elite)

Sie sind derzeit beide für den Oscar nominiert, Viggo Mortensen als bester Hauptdarsteller und Peter Farrelly für das beste Drehbuch. Ihr Film «Green Book» erzählt von einem schwarzen Musiker, der in den 60er-Jahren zusammen mit einem weissen Bodyguard (Mortensen) durch die US-Südstaaten tourt, wo er es mit dem stark ausgeprägten Rassismus aufnimmt. «Green Book» ist auch für den Oscar als bester Film nominiert – und zeigt Farrelly und Mortensen von einer ganz neuen Seite.

Viggo Mortensen, Sie spielen in «Green Book» einen schlagkräftigen und über­gewichtigen Leibwächter mit italienischen Wurzeln. Hatten Sie keine Bedenken, dass diese Rolle eigentlich überhaupt nicht zu Ihnen passt?

Viggo Mortensen: Doch. Als mir Peter die Rolle von Tony Lip anbot, sagte ich, die Story sei grossartig, aber ich nicht der Richtige dafür. Auf seinen Wunsch hin las ich das Drehbuch ein zweites und drittes Mal. Ich musste immer wieder laut lachen, ich konnte nicht fassen, was für Sachen dieser Tony Lip teilweise sagt. Was mir auch imponierte: Die Rolle bricht mit dem Klischee des Italo-Amerikaners, wie wir ihn aus Scorsese-Filmen oder «The Sopranos» kennen. Tony ist kein Mafia-Mitglied, sondern ein ganz durchschnittlicher Familienmensch.

Peter Farrelly: Ich hatte nie Zweifel, dass Viggo der Richtige ist. Ich suche für jede Rolle immer den besten Schauspieler. Als ich damals Jeff Daniels für «Dumm und dümmer» castete, waren die Produzenten entsetzt. Sie sagten: «Jeff hat noch nie eine Komödie gemacht, kann er das überhaupt?» Aber ich bin überzeugt: Gute Schauspieler haben beides drauf, Komödien und Dramen.

Gilt das auch für Regisseure? Sie waren bisher für Slapstick-Komödien wie «Dumm und dümmer» und «There’s Something About Mary» bekannt. «Green Book» ist Ihr erster ernsterer Filmstoff.

Farrelly: «Green Book» ist zwar ein humorvoller Film, doch ich musste tatsächlich meinen inneren Drang unterbinden, Witze ins Drehbuch zu schreiben. Als Regisseur musst du wandlungsfähig sein. Nach dem Erfolg von «Dumm und dümmer» wurden mir fast nur noch Komödien angeboten. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich nichts anderes kann.

Mortensen: Peter schrieb mir einen Brief, um zu erklären, dass sich «Green Book» stark von seinen früheren Filmen unterscheidet. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten. Als ich sein Drehbuch las, wusste ich: Das wird viele Leute überraschen.

Der Film zeigt, wie zwei Menschen, die die Welt mit völlig anderen Augen betrachten, sich annähern und Freunde werden. Ist das in Zeiten von Social Media und Filterbubbles eine besonders wichtige Botschaft?

Farrelly: Manchmal musst du ­deine Komfortzone verlassen. «Green Book» ist ein hoffnungsvoller Film, und ich teile diese Hoffnung. Natürlich bin ich frustriert, wenn ich die Nachrichten schaue. Aber nicht jede Story über Rassismus muss ein tragisches Ende haben. Aus Tony Lip und Don Shirley wurden lebenslange Freunde.

Mortensen: Ihr gegenseitiger Respekt ist hart erarbeitet. Dank Don Shirley legt Tony viele seiner Vorurteile ab. Und Shirley seinerseits lernt dank Tony, auf andere Menschen zuzugehen. Die vornehme Art, wie er spricht und sich kleidet, hat viel mit Selbstschutz zu tun. Ein schwarzer, homosexueller Mann wie er war zu jener Zeit grosser Gefahr ausgesetzt.

Tony und Shirley unternehmen im Film einen Roadtrip durch die von Rassismus geprägten US-Südstaaten. Roadtrips sind ein beliebtes Motiv in Ihren Filmen, Peter Farrelly. Weshalb?

Farrelly: Das stimmt, auch in «Dumm und dümmer» und in «Kingpin» gab es solche Roadtrips. Ich denke, wenn zwei Menschen eine lange Zeit auf engstem Raum zusammen verbringen, verändert sie das. Ich bin bereits 22-mal quer durch die USA gefahren, von einer Küste zur anderen. Ich hielt überall an, um mich mit den Menschen dort zu unterhalten. Das macht mich glücklich. Wenn du die ganze Zeit nur zu Hause verbringst, schottest du dich ab.

Mortensen: Die Autoreise ist eine Metapher für das Leben. Du denkst, es verläuft in eine ganz bestimmte Richtung – doch plötzlich stirbt jemand, oder es geschieht ein Erdbeben, und du gerätst auf eine völlig andere Spur. Viele von uns hätten gerne ein geordnetes, vorhersehbares Leben. Aber das Leben ist instabil, es verändert sich und passt sich dauernd neuen Gegebenheiten an.

Viggo Mortensen, Sie gelten als Method Actor. Bei «Der Herr der Ringe» gingen Sie angeblich nach Drehschluss in Ihrem Filmkostüm fischen. Sind Sie Ihren Rollen immer noch so ergeben?

Mortensen: Wenn Sie damit meinen, dass ich meine Arbeit ernst nehme, dann ja. Aber Method Acting ist nur ein Label.

Farrelly: Method Acting bedeutet doch, dass du dich auch nach Drehschluss wie deine Filmfigur aufführst. Ich habe das mal erlebt, das ist nicht gut.

Mortensen: Bei «Der Herr der Ringe» war es so: Ich sprang für einen anderen Schauspieler ein und stiess deshalb erst spät zum Cast. Es stimmt, dass ich das Filmkostüm anbehielt, und ich durfte auch Aragorns Schwert mit nach Hause nehmen. Die Produzenten wollten, dass ich mich schnell in die Rolle einfühlen kann. Doch als ich mal eine Strasse in einem Industriequartier entlanglief und dabei mit dem Schwert herumfuchtelte, griff mich prompt eine Polizei­patrouille auf. Sie glaubten mir nicht, dass ich für einen Film probte! (lacht)

Die 25 Kilo, die Sie für Ihre Rolle in «Green Book» zugenommen haben: Das ist doch auch Method Acting.

Mortensen: Ja, ich war andauernd am Essen, das war richtig hart. Aber Peter kannte da kein Erbarmen, ich musste so breit sein wie der echte Tony. Das Schwierigste war, dieses Extragewicht wieder zu verlieren. Mein Arzt ermahnte mich sogar, ja nicht zu schnell abzunehmen. Deshalb habe ich bislang erst die Hälfte geschafft.

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