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Selbst ist der Verleger

Braucht die Branche in Zukunft noch Verleger? Ein Gang über die Frankfurter Buchmesse zu den Self-Publishing-Verlagen und den Autoren, die versuchen, ihr Manuskript selbst an die Leser zu bringen.
Valeria Heintges
Der Buchmarkt wird digital und eröffnet damit auch für Autoren neue Chancen. (Bild: ky/Arne Dedert)

Der Buchmarkt wird digital und eröffnet damit auch für Autoren neue Chancen. (Bild: ky/Arne Dedert)

«123 Buch» wirbt ein Verlag, ein anderer fordert auf: «Beschleunigen Sie Ihr Belletristik-Projekt auf ein neues Level». Self-Publishing-Verlage sind auf der Frankfurter Buchmesse überall. «Next-Generation: Self-Publishing Area 2014» ist ein Flyer betitelt, der auf Veranstaltungen zum Thema hinweist. Und der auf «Die digitalen Zonen der Frankfurter Buchmesse» hinweist, mit «Hot Spots» zu Themen wie digitale Innovationen, «Education», «Professional & Scientific Information» oder «Publishing Services». Nichtanglophone werden es in der digitalen Zukunft schwer haben. Und die ist überall: in der Erziehung, der Wissenschaft und in allen Stufen der Veröffentlichung.

Wer erzählen will, wie er den Mauerfall erlebt hat, kann die Geschichte an Epubli schicken, einen Ableger des Medienkonzerns Holtzbrinck. Die Texte werden als E-Book und als Buch (neudeutsch scherzhaft «P-Book», «P» wie Print) veröffentlicht. Werden die Geschichten lektoriert? Janina Treder, Online-Marketingchefin bei Epubli, wehrt ab: «Nein, sie sollen ganz individuell bleiben.»

Einen Stand weiter wirbt Open Publishing. Im wesentlichen, so erklärt Norsin Tancik, bieten sie eine Software an, die die elektronische Veröffentlichung ermögliche, aber auch Beratung, Vermarktung oder Übersetzung wird verkauft. Eine Frau, einen bunten Schal um den Hals gewickelt, will sich informieren. Sie habe ein Manuskript, erzählt sie. Zwei Verlage hätten es bereits veröffentlichen wollen, auf Kosten der Autorin, natürlich.

Ein Buch für jeden, der fühlt

Ein Kostenvoranschlag habe bei 3000 Euro begonnen, sie suche noch etwas Günstigeres. Von ihrem Manuskript ist sie überzeugt: Es «richtet sich an jeden Menschen, der fühlt». Also, erklärt sie: «An alle.» Als ihr Norsin Tancik von den Korrektorats- und Lektoratskosten erzählt, wirkt es, als kenne sie den Unterschied nicht.

«Wenn ich das höre, rollen sich mir die Fussnägel auf», sagt einige Stände weiter Svenja Heneka, freie Lektorin in Köln. Denn «ein gutes Buch kostet Geld, und ein richtig gutes Buch kostet richtig viel Geld», sagt sie kategorisch. Aber sie musste ihren Beruf schon oft erklären. «Zuerst sage ich: <Sie haben kein Buch, sondern ein Manuskript geschrieben, ein Buch muss erst noch entstehen.>» Viele Autoren, die ihre Bücher im Selbstverlag veröffentlichen wollen, seien nicht bereit, ihr Werk lektorieren zu lassen. Dabei sagt auch ein so erfolgreicher Autor wie der Zürcher Thomas Meyer: «Mein Lektor macht aus guten Büchern sehr gute Bücher.»

Aber überall werden Korrektoren und Lektoren eingespart. Mit Folgen. Breit grinsend erzählt Heneka von der Stadt Bonn. «Dort musste man Strassenschilder wieder abnehmen, weil Fehler darauf waren. Widerstandskämpfer mit <ie> und solche Sachen. Fragt sich, ob es billiger war, die Korrektoren zu streichen.»

Aschenputtel der Branche

Es gibt sie aber, die Aschenputtel der Branche. Das berühmteste Beispiel im deutschsprachigen Raum: Emily Bold. Die Mutter zweier Töchter wählte ein Pseudonym, «denn ich schreibe Liebesromane, es gibt Sexszenen, es gibt Erotik, es gibt Knistern», wie sie auf dem Podium «Best Practice: Self-Publisher und ihr Self-Marketing» erzählt. Ihre Geschichten: Titel wie «Vergessene Küsse» oder «Gefährliche Intrigen», Titelbilder, die in der Branche «Nackenbeisser» heissen, weil sich darauf Männer lasziv über die Décolletés wenig bekleideter Frauen beugen, Preise von drei Euro fürs E-Book und zehn Euro fürs Taschenbuch.

Selbst zuständig für das Marketing

Bold, bereits zum drittenmal zur Messe eingeladen, gilt als Pionierin der Branche, 14 Romane hat sie in sieben Jahren veröffentlicht, längst ihre Arbeit als Chemielaborantin aufgegeben. «Ich verdiene besser als vorher», sagt sie. Amazon hat ihr die Übersetzungsrechte für die amerikanische Ausgabe abgekauft. Früher gestaltete sie ihre Cover selbst – «Ich bin photoshopbegabt» –, heute noch kümmert sie sich um ihr Marketing, das allein ein Viertel ihrer Arbeit an den Büchern einnimmt. Eine Tatsache, über die viele Möchtegernautoren stöhnen, die dachten, mit dem Schreiben sei das Wesentliche geleistet. Bolds neues Buch erscheint dieser Tage bei Ullstein Forever, dem E-Book-Ableger des Verlags. Self-Publishing kann im günstigsten Fall den Weg zu etablierten Verlagen öffnen. Im weniger günstigen verschwinden die Bücher ungefunden und ungelesen in den Weiten des Internets.

Herausforderung gab es immer

Ist also Self-Publishing einer der Wege aus der Krise der Branche? «Der Buchmarkt ist nicht tot, aber wir müssen uns anpassen, sonst sterben wir», sagt Paulo Coelho. Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, hingegen hat solche impliziten Vorwürfe gründlich satt. «Ich kann die Diskussion über all die Herausforderungen nicht mehr hören», sagt er. In den dreissig Jahren seines Berufslebens habe es immer wieder grundlegende technische Neuerungen gegeben. «Unsere Branche liebt es, Angst vor der Zukunft zu haben», sagt Boos. «Aber der Wunsch, Geschichten zu erzählen und zu hören, wird überleben.» Coelho ist skeptisch: «Die Buchläden werden aussterben. Die Buchmesse gibt es auch noch in sechshundert Jahren.»

Finnland zeigt sich in Frankfurt sehr minimalistisch. (Bild: Alexander Heimann)

Finnland zeigt sich in Frankfurt sehr minimalistisch. (Bild: Alexander Heimann)

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