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Kampf der Giganten Roger Schawinsky freut sich wie der Bub aufs Christkind. Ihm gegenüber sitzt Christoph Blocher. Die Entschlossenheit ist beiden in ihre Gesichter geschrieben, zwei Gestählte aus vielen Wortschlachten.

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Kampf der Giganten

Roger Schawinsky freut sich wie der Bub aufs Christkind. Ihm gegenüber sitzt Christoph Blocher. Die Entschlossenheit ist beiden in ihre Gesichter geschrieben, zwei Gestählte aus vielen Wortschlachten. Oft sind sie sich schon Auge in Auge gegenübergesessen so wie jetzt zur späten Fernsehstunde auf SF1. Los geht's, Schawinsky drückt den Knopf, spielt den ersten Video ein, will Blocher gleich in die Ecke drängen. Die Niederlage der SVP bei den Bundesratswahlen – halb so schlimm. Der Niedergang der Partei, die Blocher mit seinen Millionen aufgebaut habe und die er nun als Sesselkleber selber zerstöre – so ein Blödsinn. Das Chaos in der Parteispitze wegen Zuppiger – hatten alles unter Kontrolle. Blocher holt zum Gegenschlag aus, bezeichnet Schawinsky als Wendehals, der sein Leben lang gegen den Monopolisten SRG gekämpft habe und nun plötzlich in dessen Sold stehe. Schawinsky ignoriert den Angriff, spielt SVP-Nationalrätin Natalie Rickli ein, welche die beiden gescheiterten SVP-Bundesratskandidaten als halbe SVPler bezeichnet. Blocher windet sich erstmals, sagt dann aber – stimmt doch. Nicht einmal den Vergleich der Schweizer Medienwelt mit jener Nordkoreas lässt er sich ausreden.

Schawinsky spielt den letzten Trumpf: Lässt Blocher im Radioeinspieler sagen, er habe rein gar nichts mit der «Basler Zeitung» zu tun. «Eine glatte Lüge», sagt Schawinsky. Blocher schwitzt, bleibt aber dabei – nur das Geld der Tochter habe in der «Basler Zeitung» gesteckt. Aufatmen kann er erst, als der Moderator zum Schluss ein YouTube-Video einspielt, in dem Blocher den «Schacher-Seppli» singt. Und das nicht mal schlecht.

Bruno Knellwolf

bruno.knellwolf@tagblatt.ch