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Auf einen Kaffee mit... Rainer Stöckli, der sich seit 40 Jahren mit dem Totentanz beschäftigt

Für den Ausserrhoder Literaturexperten, Autor und Herausgeber ist die Begegnung des Menschen mit dem Tod ein Ursprungsthema.
Valentina Thurnherr
Rainer Stöckli trinkt seinen Kaffe am liebsten schwarz. (Bilder: Michel Canonica)

Rainer Stöckli trinkt seinen Kaffe am liebsten schwarz. (Bilder: Michel Canonica)

Wer sich mit Rainer Stöckli auf einen Kaffee treffen möchte, tut dies am besten bei ihm zu Hause, in Schachen bei Reute. Wer mit dem Postauto anreist, wird vom ehemaligen Heerbrugger Kantilehrer nicht nur persönlich an der Haltestelle abgeholt, er zeigt einem auch mit Freuden seine umfangreiche Privatbi­bliothek. Im separaten Bücherhaus finden sich nebst zahllosen Erstausgaben Tausende von Gedichtbänden, viele vergriffen, aber auch jüngst Erschienenes.

Der 76-Jährige hat selber schon Lyrik veröffentlicht und mittlerweile mehr als ein Dutzend Anthologien zusammengestellt. Das Werk «Zeitlos tanzt der Tod» kam 1996 im Konstanzer Universitätsverlag heraus und handelt von seiner liebsten Thematik: dem Totentanz. Diese begleitet Stöckli in Literatur und Grafik seit rund 40 Jahren. Diesen Sommer hat er dazu seine zweite Aufsatzsammlung publiziert.

Rainer Stöckli besitzt eine umfangreiche Privatbibliothek.

Rainer Stöckli besitzt eine umfangreiche Privatbibliothek.

So schwarz wie die von Rainer Stöckli favorisierten, makaberen Kunstwerke von Nikolaus Heidelbach oder Gertrude Degenhardt trinkt er bei unserem Treffen seinen Ristretto. Seit 15 Jahren kommt dieser aus einer Lavazza-Maschine – «Niveau Jaguar unter den Espresso-Maschinen», sagt Stöckli mit einem Schmunzeln. Da ein Espresso aber nicht lange vorhält, geniesst er im weiteren Gesprächsverlauf gesüssten Lindenblütentee.

«Anfang der 80er-Jahre hat sich mir das Totentanz-Motiv aufgeprägt, unter anderem aufgrund meiner Beziehung zum Winterthurer Holzschneider Heinz Keller.» Dieser habe, nebst seinem Hauptthema den Marionetten, sehr plakative Totentänze dargestellt. «Seit diesem Zeitpunkt befasse ich mich kontinuierlich mit diesem Thema in herkömmlicher sowie zeitgenössischer Grafik und Literatur.» Was ihn daran fasziniert ist der Totentanz als eine Art Ursprungsthema: Die Begegnung mit dem Tod und wie es für den Menschen Zeit wird zu gehen.

Stillleben in Rainer Stöcklis Bibliothek.

Stillleben in Rainer Stöcklis Bibliothek.

Bei seinem aktuellen Buch ging es Stöckli nicht primär darum, etwas Sensationelles zu machen. «Ich bin schon sehr lange auf der Welt, habe 35 Jahre lang unterrichtet und beobachte, lese, sammle Bücher. Mein Hauptanliegen ist das Bewahren geworden. Die Aufsätze und Essays, die ich für Vorträge zusammengestellt habe, existierten nur handschriftlich. Ich wollte meine rund zwanzig besonderen Blickwinkel ausformulieren, elektronisch erfassen und zugänglich machen.»

So ist denn auch sein neues Handbuch entstanden: «Knochenmann, Knochenhund, Knochenvogel: Die Totentanz-Matrix in Literatur und Graphik seit 1900». Parat zum Download bei der Plattform Books on Demand. Das Buch kann auch in gedruckter Version bestellt werden.

Die Bücherregale sind dicht gefüllt bis unter die Decke, die oberen Etagen nur mit der Leiter erreichbar.

Die Bücherregale sind dicht gefüllt bis unter die Decke, die oberen Etagen nur mit der Leiter erreichbar.

Stöcklis Hauptaugenmerk in diesem Werk gilt Totentänzen seit 1900, insbesondere denen der letzten Jahrzehnte. Ein Aufsatz von 2006 thematisiert gar das Totentanz-Motiv in Comics und Karikaturen. «Meine Kenntnisse über Comics sind allerdings eher zufällig. Aber natürlich halte ich Augen und Ohren immer offen. Und die Brieftasche auch», fügt er mit einem Lachen an. So nimmt er den Hinweis auf das Lied «Rendezvous» des Schweizer Rappers Bligg auch gleich auf und zeigt sich sehr interessiert, da es – wie im klassischen Totentanz – um einen Mann geht, der versucht, mit dem Tod zu verhandeln.

Seine Leidenschaft sind die Bücher: Rainer Stöckli.

Seine Leidenschaft sind die Bücher: Rainer Stöckli.

Stöcklis Buch ist voll solcher Begegnungen von Mensch und Tod, Letzterer personifiziert in der Figur des Knochenmanns. «Eines der beliebtesten Sujets ist dasjenige des Todes und der jungen Frau», sagt Stöckli. Denn das seien die beiden extremsten Gegensätze: Die Frau bringt das Leben in die Welt und der Tod nimmt es wieder.

«Wir kommen nach wie vor nicht darum herum, über das Sterben nachzudenken. Die bei uns gängige Praxis der Kremation erlöst uns aber allenfalls davon, über den Verfall des Körpers nachzudenken.»

Hinweis: «Knochenmann, Knochenhund, Knochenvogel», erhältlich bei BoD – Books on Demand, 2019

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