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«Seine Seele nicht dem Teufel verkaufen»

Im Seminar von Magnus Resch an der Universität St. Gallen erzählen ein Galerist, ein Auktionator, ein Sammler und die Geschäftsführerin der Engadin Art Talks von ihrem täglichen Spagat zwischen Kunst und Kommerz.
Christina Genova
Kunstsammler Leopold Weinberg (links) in angeregter Diskussion mit dem Galeristen Stefan von Bartha (rechts). (Bild: Ralph Ribi,St.Gallen, 9. November 2018)

Kunstsammler Leopold Weinberg (links) in angeregter Diskussion mit dem Galeristen Stefan von Bartha (rechts). (Bild: Ralph Ribi,St.Gallen, 9. November 2018)

8.59 Uhr, Dozent Magnus Resch klatscht im Seminarraum 01-307 der Uni St. Gallen in die Hände. 30 Masterstudentinnen und -studenten sind bereit für den zweiten Tag des Blockseminars zum Thema «The Art Market – Creativity versus Commerce». Unterrichtssprache ist Englisch; Lernziel ist, den Studenten ein breites Wissen über die Strukturen, Theorien und Akteure des Kunstmarktes zu vermitteln. Auch eine kritische Auseinandersetzung und Ideen für die Zukunft des Kunstmarktes sind gefragt.

Magnus Resch hat an der Uni St. Gallen Betriebswirtschaft studiert und seine Dissertation über das Management von Kunstgalerien geschrieben. Seit vier Jahren bietet er in St. Gallen Lehrveranstaltungen zum Kunstmarkt an, die wegen ihres starken Praxisbezugs sehr beliebt sind. Wenn der jungenhaft wirkende 34-Jährige während des Seminars zwischen seinen Studenten sitzt, ist er äusserlich nicht von ihnen zu unterscheiden. Magnus Resch ist selbst Teil des Kunstsystems und bestens vernetzt. Der umtriebige Deutsche hat die nach ihm benannte App «Magnus» entwickelt.

Fotografiert man damit ein Kunstwerk, erfährt man den Namen des Künstlers, Titel und Preis.

Der umtriebige Deutsche hat die nach ihm benannte App «Magnus» entwickelt. Fotografiert man damit ein Kunstwerk, erfährt man den Namen des Künstlers, Titel und Preis.

«Jemand muss die Sache zum Fliegen bringen»

Tag eins des Seminars widmete sich den theoretischen Grundlagen des Kunstmarktes. Im zweiten und dritten Teil fühlen die Studenten einem Gast aus der Kunstwelt den Puls. Die erste, die befragt wird, ist Katharina De Vaivre. Sie ist Geschäftsführerin der Engadin Art Talks, die seit 2010 jeweils Ende Januar in Zuoz stattfinden. Ziel des Diskussionsforums ist der Austausch zwischen Künstlern, Architekten, Designern, Wissenschaftern und Publikum.

Als grösste Herausforderung nennt De Vaivre das Fundraising für die Nonprofitorganisation.

Vor allem der Umgang mit Sponsoren sei nicht immer einfach. Sie wollten überall Einfluss nehmen, doch bezüglich des Inhalts lasse man sich nicht reinreden. Und sie sagt erfrischend undiplomatisch: «Man kann seine Seele nicht dem Teufel verkaufen.» Die Fragen der Studentinnen an die sympathische 39-Jährige sind recht zahm. Kritik kommt erst zum Schluss von den Kommilitonen auf, die sich auffallend engagiert am Unterricht beteiligen. Ob es nicht schwierig sei, dass das Aktionshaus Sotheby´s Hauptsponsor sei? Katharina De Vaivre antwortet lapidar: «Jemand muss die Sache zum Fliegen bringen.»

Die Familie als Rettung

Der nächste Gast ist Stefan von Bartha. Vor zehn Jahren ist der Basler in die 1970 von seinen Eltern gegründete Galerie eingestiegen, die er mittlerweile führt. Freimütig erzählt der junge Galerist, dass seine Eltern ihn für verrückt erklärten, als er die Galerieräumlichkeiten wechselte und von der Stadtvilla in einen Raum mit 1500 Quadratmetern umzog.

Gleich darauf kam die Finanzkrise, und er verkaufte in drei Ausstellungen kein einziges Werk.

Ohne die Familientradition im Rücken hätte er nicht überlebt. Natürlich habe er auch Kunden, die Kunst nicht aus Leidenschaft kauften, sondern als Investition betrachteten, erzählt von Bartha. Das sei zwar traurig und frustrierend: «Aber nur mit reinen Kunstliebhabern könnten wir nicht überleben.» Mit Stefan von Bartha gut bekannt ist Leopold Weinberg, der als nächster Red und Antwort steht. Der selbstständige Immobilienentwickler und Sammler ist sein Kunde und hat mit von Bartha in seinem Hotel Helvetia in Zürich schon mehrere Ausstellungsprojekte realisiert.

Die Sache mit Banksy

Beim Sammeln von Kunst ist für Leopold Weinberg der soziale Aspekt sehr wichtig: «Es ist ein Privileg, Zugang zu Künstlern zu haben.» Wie gross seine Sammlung ist, will der Architekt nicht verraten.

Auch über Geld redet er nicht, etwa über sein Preislimit oder sein Budget.

Zumindest verrät er, dass sein erstes Werk ein Spontankauf an der Art Basel war und er dafür 3000 Franken bezahlte.

Vor der Mittagspause ist Stefan Puttaert, Senior Direktor von Sotheby’s Zürich, an der Reihe. Man kennt sich, die Schweizer Kunstwelt ist klein: Stefan von Bartha und Leopold Weinberg lassen es sich nicht nehmen, bis zum Ende des Gesprächs zu bleiben. Puttaert erzählt, wie die Onlineauktionen das Geschäft in den letzten Jahren enorm verändert hätten: «In zehn Jahren werden Sie mich als Auktionator kaum noch brauchen.» Doch die Auktionen vor Ort würden nie ganz verschwinden: Denn dabei zählten die Emotionen fast noch mehr als die Kunst.

Dann kommt zum Schluss die Frage, die alle brennend interessiert: der Fall des geschredderten Bildes von Banksy. Stefan Puttaert bestreitet, dass es ein abgekartetes Spiel war. Doch Stefan von Bartha nimmt ihm das nicht ab: «Glauben Sie Ihre Geschichte wirklich?»

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