Sein Lachen bleibt unvergesslich

Der Schweizer Clown Dimitri ist 80-jährig verstorben. Dimitri entschlief überraschend in der Nacht auf Mittwoch - zuletzt hatte er am Sonntag im Tessin auf der Bühne gestanden.

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Clown Dimitri bei der Premiere eines neuen Stücks im April 2015 in seinem Teater in Verscio. (Bild: CARLO REGUZZI (TI-PRESS))

Clown Dimitri bei der Premiere eines neuen Stücks im April 2015 in seinem Teater in Verscio. (Bild: CARLO REGUZZI (TI-PRESS))

Die Nachricht von Dimitris Tod hatte sich in der Nacht über die Sozialen Medien verbreitet und wurde in den ersten Stunden des Tages von der Familie bestätigt.

Der "schönste Beruf der Welt"
Dimitri, 1935 in Winterthur geboren und in Ascona aufgewachsen, war auch mit 80 noch unermüdlich. 150mal pro Jahr stand er auf der Bühne - auch für die nächsten Monate waren zahlreiche Auftritte im Tessin geplant sowie eine kleine Tour durch die Romandie und Shows in Stuttgart. Aus Anlass seines 80. Geburtstages verriet Dimitri, mit bürgerlichem Namen Dimitri Jakob Müller, sein Geheimnis für seine körperliche und mentale Fitness. "Ich habe das Glück, den schönsten Beruf der Welt zu haben. Aber natürlich muss ich mich in Form halten. Jeden Tag trainieren und viel auftreten. Ich traniere noch täglich etwa drei Stunden."

Dennoch machte sich Dimitri in letzter Zeit mehrfach gedanken über den Tod. Angst vor dem Sterben habe er nicht, sagte er gegenüber dem St.Galler Tagblatt. Allerdings fürchte er die Vorstellung von Krankheit und Leiden. Für ihn war klar, dass es ein Jenseits gibt. "Die Körper werden von Würmern gefressen. Aber ich bin überzeugt, dass wir in geistiger Form weiter existieren."

Zirkusbesuch als Ausschlaggeber
Dass er Clown werden wollte, wusste Dimitri bereits im Alter von sieben Jahren, als er den Schweizer Clown Andreff im Circus Knie sah. Nach der Schule folgte zwar eine Töpferlehre, Dimitri aber nahm bereits während dieser Zeit Schauspiel- und Akrobatikunterricht und schuf erste kurze Nummern. Nach Lehrjahren als Clown in Frankreich und ersten Engagements fand 1959 die Uraufführung seines ersten Soloprogrammes in Ascona statt.

Ein Gesicht, das Geschichten erzählt: Clown Dimitri im Jahr 1999. (Bild: KARL MATHIS (KEYSTONE))
18 Bilder
Dimitri bei Proben in Paris, wo er 1964 ein Engagement für sechs Wochen hatte. (Bild: MICHEL LIPCHITZ (AP))
Der Besuch des Circus Knie weckte in ihm den Wunsch, Clown zu werden, 1970 stand er selber in der Manege (hier in Rapperswil-Jona). (Bild: STR (KEYSTONE))
Multiinstrumentalist mit Pilzfrisur: Dimitri 1970 in Circus Knie in Zürich. (Bild: STR (KEYSTONE))
Clown Dimitri im Balancier-Akt mit Stange und Porzellanteller am Gala-Abend im Kongresshaus Lugano 1976. (Bild: STR (KEYSTONE))
Einsatz für die Schwachen: Dimitri bei einer Anti-Apartheids-Demonstration 1988 in Zürich. (Bild: STR (KEYSTONE))
Im Herzen ein Tessiner: Der gebürtige Deutschschweizer Dimitri vor seinem Haus in Borgnone 1995. (Bild: KARL MATHIS (KEYSTONE))
Dimitri, der politische Mensch: Immer wieder schaltete er sich in Debatten ein und engagierte sich für wohltätige Zwecke, hier beim 50. Geburtstag des UNO-Kinderhilfswerks 1997 in Genf. (Bild: DONALD STAMPFLI)
Die grosse Liebe: Dimitri und seine Frau Gunda 1998 in Wohlen. (Bild: CHRISTOPH RUCKSTUHL (KEYSTONE))
Aussdrucksstarker Mime: Dimitris Gesicht spricht Bände bei einem Auftritt in seinem Theater in Verscio 1998. (Bild: KARL MATHIS (KEYSTONE))
Blödeln als Lebenselixier: Dimitri schneidet in seinem neu eröffneten Museo Comico in Verscio eine Grimasse (2000). (Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE (KEYSTONE))
Mehrere Auszeichnungen gewann Dimitri für sein Schaffen, hier den Ehren-Prix-Walo für sein Lebenswerk 2001. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))
Ein grosser Schweiz-Fan: Dimitri bei einem einmaligen Auftritt auf der Bieler Arteplage während der Expo 2002. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))
Diese Augen, dieser Mund: Dimitri 2003 im Theater am Hechtplatz in Zürich. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))
Verscio als Epizentrum: In den vergangenen Jahrzehnten hat Dimitri aus dem kleinen Tessiner Dorf eine Hochburg der Clownerie, des Theaters und der Akrobatik gemacht - mit Schule, Theater, Museum. (Bild: KARL MATHIS (KEYSTONE))
Mit einer Sonderbriefmarke geehrt: Clown Dimitri im Jahr 2006. (Bild: KARL MATHIS (KEYSTONE))
Auch im Ausland erfolgreich: Dimitri 2009 am Times Square in New York. (Bild: LOUIS LANZANO (AP))
2010 wurde Dimitri zum Schweizer des Jahres gewählt und mit dem Swiss Award ausgezeichnet. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Ein Gesicht, das Geschichten erzählt: Clown Dimitri im Jahr 1999. (Bild: KARL MATHIS (KEYSTONE))

1971 gründete er in Verscio zusammen mit seiner Frau Gunda Salgo, mit der er vier Kinder hatte, ein Theater in Verscio im Tessin, 1975 folgte die Eröffnung der Scuola Teatro Dimitri, eine Schule für Schauspiel und Akrobatik.

Prix Walo und Swiss Award
Dimitri wurde vielfach ausgezeichnet; so erhielt er etwa 1976 die höchste Theaterauszeichnung der Schweiz, den Hans-Reinhart-Ring, 2000 einen Ehren-Prix-Walo sowie 2009 und 2013 je einen Swiss Award.

Bundesrat Alain Berset traf Dimitri mehrmals im Tessin und hat diese Treffen "in bester Erinnerung". "Dimitri war ein warmherziger, inspirierender Mensch" und "einer der bedeutendsten Bühnenkünstler der Schweiz", erklärte der Kulturminister auf Anfrage der sda in einem Statement. "Dimitri hat uns eindrücklich gezeigt, was Kleinkunst ist: nämlich grosse Kunst mit bescheidenem Gestus." Die Schweiz werde seine Poesie und seine Kunst vermissen. "Er hat uns alle beglückt."

Marco Solari, Präsident des Festival del film Locarno, bezeichnete den Clown als "Poeten, der die Menschen liebte, und geliebt werden wollte". Er sei ein "herzensguter und reiner Mensch" gewesen.

Drei Mal war Dimitri mit dem Nationalcircus Knie auf Tournee. Der Kontakt zwischen der Zirkusdynastie Knie und der Familie Dimitri blieb auch danach eng, wie Direktor Fredy Knie junior der sda sagte. Er ehrte den Verstorbenen als "unglaublichen Künstler, Mimen und Theaterregisseur" und betonte seine Leistung als Lehrer und Mentor am Teatro Dimitri.

Spielfilm geplant
Kurz nach seinem 80. Geburtstag im vergangenen September gab Dimitri bekannt, im Film "Capostazione Molinari" des algerisch-schweizerischen Regisseurs Mohammed Soudani ("Oro verde") die Hauptrolle zu spielen. Die Geschichte eines Bahnwärters habe Dimitri seit 20 Jahren im Herzen gehabt, sagte Produzentin Tiziani Soudani der sda. Drehstart wäre im kommenden Frühling gewesen. (red./sda)