Sehen und Staunen mit den Füssen

Die Liebe zur Landschaft und zum Wandern mit wachen Sinnen liegt bei Robert Macfarlane in der Familie; hinzu kommt eine stupende Belesenheit.

Bettina Kugler
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Focus - Lesen - Macfarlane (Bild: Bettina Kugler)

Focus - Lesen - Macfarlane (Bild: Bettina Kugler)

Die Liebe zur Landschaft und zum Wandern mit wachen Sinnen liegt bei Robert Macfarlane in der Familie; hinzu kommt eine stupende Belesenheit. Wenn der Brite zu Fuss alten Wegen und Pfaden folgt und akribisch über seine Beobachtungen in der Natur schreibt, dann in den Fussstapfen berühmter literarischer Vagabunden. Und bepackt mit einem riesigen, unsichtbaren Rucksack voll Lektüre: literarischer wie wissenschaftlicher.

Anders als viele Sonntagsspaziergänger, die Bestseller über das Wandern und Pilgern veröffentlicht haben, entfernt sich Macfarlane auf seinen «Alten Wegen» eher von einem übergrossen Ego. Es geht ihm nicht um Selbstfindung, sondern um die Fülle der Welt da draussen, nur ein paar Schritte von der Haustür entfernt oder in einsamen Gegenden, im Torf, im Watt, im Bergland. «Jeder Pfad hat etwas zu erzählen», davon ist Macfarlane überzeugt, und so lauscht und liest er mit allen Sinnen. Das Ergebnis ist ein Gedicht, ein gewichtiges, schön gestaltetes Wörterbuch der Natur: für echte «Pfadfinder» und alle, die es werden wollen.

Robert Macfarlane: Alte Wege. Matthes & Seitz 2016, Reihe Naturkunden, 346 S., Fr. 43.50