Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

SEELENHEIL: Volksmusik gegen das Stimmungstief

Wie wirkt sich Musik auf die Stimmung aus? Was hat Volksmusik mit der Gesundheit der Seele zu tun? Die Antworten darauf suchte ein Podiumsgespräch mit Konzert von Nicolas Senn – der Berührendes erzählte.
Julia Nehmiz
Spielt Musik zum ernsten Thema: Nicolas Senn im Chössi-Theater. (Bild: Michel Canonica (Lichtensteig, 21.3.2018))

Spielt Musik zum ernsten Thema: Nicolas Senn im Chössi-Theater. (Bild: Michel Canonica (Lichtensteig, 21.3.2018))

Julia Nehmiz

julia.nehmiz@tagblatt.ch

Die Vortragsreihe klingt gewagt. «Psychische Gesundheit und Volksmusik» – als ob das blosse Hören von ein paar Ländlern oder Zäuerlis genügt, um sich wieder gut zu fühlen. Und macht neugierig: Hat ausgerechnet Volksmusik einen positiven Einfluss auf die Psyche?

Bevor die Fragen im Chössi-Theater Lichtensteig geklärt werden, gibt Nicolas Senn eine Art Praxisversuch: ein Hackbrettkonzert. Appenzeller Klänge, Selbstkomponiertes, Arrangiertes, Volksmusik aus aller Welt, in einem Medley wechselt er zwischen Filmmusik, Rock, Jazz und Swing. Seine Schlagstöcke, Ruten genannt, fliegen über die Saiten, im Scheinwerferlicht hinterlassen sie ob Senns rasendem Tempo einen Schweif, als ob es ein Bändertanz wäre.

Musik dient als emotionales Korrektiv

Senn, ganz Profi und Schwiegermutters Liebling, moderiert mit höflich humorvollen Geschichten seine Nummern an, verteilt Appenzeller Käse und hat im Nu das Publikum auf seiner Seite. Das wippt im Takt, lacht ob Senns Sprüchen und summt manchmal verstohlen eine Melodie mit.

Vielleicht sind die gut 60 Besucherinnen und Besucher nur wegen Nicolas Senn gekommen? Ein Gedanke, der auch den Organisatoren bewusst ist: «Wir wollen ein anderes Publikum ansprechen, als wir mit einer reinen Podiumsdiskussion erreichen würden», sagt Jürg Engler vom Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen, der die Podiumsreihe organisiert und moderiert.

Auf dem Podium schliesslich: Thomas Maier, Chefarzt der Psychiatrie St. Gallen Nord, zwei Betroffene und Nicolas Senn. Das Fazit: Ja, Musik hat sehr wohl Auswirkungen auf die psychische Gesundheit – nicht allerdings Volksmusik im Besonderen. «Musik hat mir auf dem Genesungsweg geholfen, Boden unter die Füsse zu bekommen», sagt ein Betroffener. Mit Musik finde er einen anderen Zugang zu sich. «Wenn ich in meinem Chor singe, tut es mir extrem gut, Teil einer Gemeinschaft, Teil von einem Klang zu sein.» Singen gebe ihm Sicherheit. Thomas Maier bestätigt: «Vielen Patienten dient Musik als Stütze, Musik versetzt sie in einen anderen Zustand.» Musik diene als emotionales Korrektiv. Deswegen musizieren die Patienten in der Musiktherapie selber: Die Klänge und Vibrationen wirken sich auf den ganzen Körper aus, erleichtern es einem, Gedanken abzuschalten. «Der Bezug zum eigenen Körper ist bei vielen gestört, Musik hilft, den wiederherzustellen.»

Es gebe kein Patentrezept, welche Musik wann helfe, sagt Thomas Maier. «Viele Musikstücke sind verknüpft mit Stimmungen, man erinnert sich, in welchen Situationen man sie gehört hat.» Das könne man nutzen und sich mit Musik entspannen, aufmuntern oder motivieren. Doch es gebe Grenzen bei psychischen Erkrankungen: «Wenn man sich mit Musik nicht mehr aus einem Tief herausholen kann, ist das ein Alarmzeichen.»

«Ich darf das nicht an mich ranlassen»

Ob Musik ihn glücklich mache, wird Nicolas Senn gefragt. Er strahle bei seinen Auftritten immer. Oder sei das nur Show? Klar habe er den Plausch bei den meisten Auftritten, antwortet der 28-Jährige. Musik sei sein Beruf, Freundlichsein gehöre dazu. Doch das sei nicht immer einfach. Kurz vor dem Auftritt im Amphitheater vor Tausenden Zuschauern erfuhr er vom Todesfall eines Gleichaltrigen. Der Verunglückte war mit einigen aus dem Jodelclub verwandt. Senn wollte die schlimme Nachricht mit ihnen teilen. Doch dann habe er sich gesagt: Nein, du darfst das nicht an dich ranlassen, mach eine gute Mine und verunsichere nicht noch den halben Chor.

Doch was ist jetzt mit der Volksmusik? Nein, sie sei kein spezielles Allheilmittel, sagt Thomas Maier. Nicolas Senn zumindest erzählt, dass in den meisten Momenten, in denen Musik ihn tief berührte, es Volksmusik gewesen sei.

Hinweis

«Psychische Gesundheit und Volksmusik»: 27.3. Fabriggli Buchs; 4.4. Alte Stuhlfabrik Heris­au; 25.4. Bühne Marbach

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.