Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SEEBÜHNE: Von Gutmenschen und Zeuslern

Das See-Burgtheater spielt diesen Sommer wieder am See in Kreuzlingen. Max Frischs Tragikomödie «Biedermann und die Brandstifter» sei brandaktuell, sagt Regisseur Leopold Huber.
Dieter Langhart
Astrid Keller und Leopold Huber vor dem Bühnenmodell zum Sommerstück am See. (Bild: Reto Martin)

Astrid Keller und Leopold Huber vor dem Bühnenmodell zum Sommerstück am See. (Bild: Reto Martin)

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Leopold Huber hat eine gute und eine nicht so gute Nachricht: Der Kanton, die Stadt Kreuzlingen, die Gemeinden und Sponsoren unterstützen das See-Burgtheater, weil sie wissen, Kultur trägt zum Wohlstand bei. Doch die Zeiten hätten sich geändert: neben den grossen Kisten wie den Bregenzer Festspielen oder den Inszenierungen am See-Burgtheater ist das Kulturangebot unüberschaubar geworden – nur die Zahl der Zuschauer bleibt sich gleich. «Es wird immer knapper», sagt Leopold Huber, der mit seiner Frau Astrid Keller das See-Burgtheater leitet, das grösste freie Theater im Kanton Thurgau.

Es hat eine hohe Eigenwirtschaftlichkeit, es hat einen Förderverein im Rücken, der ihm unter die Arme greift, wenn ein Stück unterschiedlich gut ankommt wie Ödön von Horváths «Kasimir und Karoline» vergangenen Sommer.

«Wer sind die Brandstifter heute?»

Das habe auch damit zu tun, dass viele Zuschauer von einem Sommertheater unterhalten werden wollen – und dafür eignet sich ein Horváth ebenso wenig wie ein Max Frisch. Müssen wir uns anpassen, fragt Astrid Keller rhetorisch – nein, sagt Leopold Keller.

«Pass auf, dahinter lauert etwas», warnte Frisch. Dabei sei «Biedermann und die Brandstifter» ja «nicht unkomisch», sagt Huber. Im «Lehrstück ohne Lehre», also für die Unbelehrbaren, vor sechzig Jahren in Zürich uraufgeführt, setzte Frisch Bert Brechts Prinzip komödiantisch um; das See-Burgtheater hat es 1990 als allererste Produktion gewählt. Das Stück sei «brandaktuell», sagt Leopold Huber. «Wir haben das Haus voller Brandstifter derzeit», und mit Haus meint er die Welt. Für ihn ist Frischs Stück eine Parabel, die offenbleiben müsse, weil jede Zeit ihre Schlüsse daraus ziehe. Huber fragt also: «Wer sind die Brandstifter heute?» Und er fragt: «Ist der Mensch unbelehrbar?» Biedermann lässt zwei Gestalten in sein Haus, die mit Benzinkanistern und Zündschnüren hantieren, er gibt ihnen gar Streichhölzer, bis sie die Stadt einäschern.

Biedermänner übernehmen keine Verantwortung

Leopold Huber will seine Inszenierung «so nah an die Wirklichkeit bringen, dass man weiss, was gemeint ist». Er sieht die Biedermänner als «absolute, extreme Individualisten, die keine Verantwortung für die Gesellschaft» übernehmen, die gemeine Sache mit Verbrechern machen, weil sie hoffen, davonzukommen. Wie die Nazis «einfach nur Verbrecher sind, die unter das Dach einer Ideologie schlüpfen», fügt er an. Max Frisch hat den Chor der Feuerwehrmänner nicht parodistisch verstanden, sondern einfach nur komisch. Auch deshalb lässt Huber ihn nicht weg, wie es manche Regisseure tun.

Bald beginnen die Proben und mit ihnen «die wahre Stunde», sagt Leopold Huber. «Die Schauspieler machen, was du nie geahnt hättest – das ist das Tollste für einen Regisseur.»

Hinweis

Premiere: Do, 12.7., 20.30 Uhr, Seeburgpark Kreuzlingen. Spieldaten, Infos und Reservation auf see-burgtheater.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.