«Sechste wird Rätsel aufgeben»

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Klassik Gustav Mahler ist David Zinman ebenso ans Herz gewachsen wie die Musikerinnen und Musiker des Tonhalle Orchesters Zürich. Davon zeugt ein Film, den Viviane Blumenschein 2008 gedreht hat, und in dem man die Arbeit an Mahlers sechster Sinfonie a-Moll mitverfolgen kann. Jetzt kehrt Zinman, mittlerweile achtzig geworden, zum Orchester zurück, das er bis 2014 geleitet hat. Und zwar mit eben dieser Sinfonie, deren Erarbeitung und Aufzeichnung auf CD der Film so anschaulich zeigt.

«Diese Sinfonie ist als einzige ein total pessimistisches Werk», sagt Zinman. «Dabei stand er, als er sie 1906 zum ersten Mal aufführte, auf einem Höhepunkt.» Mit Alma Schindler hatte er eine der schönsten Frauen Wiens geheiratet. Sie hatten zwei Kinder, und Mahler war als Intendant der Hofoper die bestimmende Grösse Wiens.»

Was Gustav Mahler in seiner sechsten Sinfonie aufrolle, das sei «jedermanns Lebensgeschichte», erklärt David Zinman im Film. «Sie zeigt das Suchen nach der Bedeutung des Lebens.» Schon am Konservatorium habe ihn dieses Werk «tief beeindruckt durch die Gefühle, die es weckt». Beim Dirigieren versuche er, selber «die Musik zu sein. Ich denke an den grossen Bogen, den wir gemeinsam erreichen müssen.» Präzises Arbeiten ist ihm wichtig, aber mehr noch muss das Ganze einen Sinn ergeben. In den vier Sätzen taucht immer wieder das Glück auf und wird von harten Schlägen zerstört. Dabei zeigt sich Mahlers enorme Modernität. Er habe «sehr filmisch komponiert», erklärt Zinman. Im Scherzo entwickelt er einen Marsch aus einem Ländler heraus und macht es so zum Spukgebilde. Gespenstisch setzt auch das Finale ein, einer der längsten Sätze, die Mahler geschrieben hat. Der von diesem Werk gesagt hat: «Meine Sechste wird Rätsel aufgeben.»

Rolf App

rolf.app

@tagblatt.ch

Tonhalle Zürich, heute Samstag 19.30 Uhr, Sonntag 17 Uhr