Sechs beflügelte Kunstschaffende

Jedes Jahr vergibt der Kanton Thurgau an begabte Künstlerinnen und Künstler einen Förderpreis, damit sie sich persönlich und künstlerisch entwickeln können. Vorgestern sind die sechs Ausgezeichneten geehrt worden.

Dieter Langhart
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Die Thurgauer Förderpreisträger 2016: Daniel V. Keller, Andrea Wiesli, Andreas Häberlin, Isabelle Kaiser, Rachel Lumsden, Ray Hegelbach (v. l.). (Bild: Andrea Stalder)

Die Thurgauer Förderpreisträger 2016: Daniel V. Keller, Andrea Wiesli, Andreas Häberlin, Isabelle Kaiser, Rachel Lumsden, Ray Hegelbach (v. l.). (Bild: Andrea Stalder)

FRAUENFELD. Die sechs Förderpreisträger setzen sich für die Fotografin zueinander, unterhalten sich angeregt. Vor ihnen liegt ein Kontrabass. Ihn wird Urban Lienert gleich zupfen und mit der Sängerin Rahel Kraft die Feier im Eisenwerk bereichern mit behutsamen Kompositionen. Das gehört sich für Feiern: Musik zur Umrahmung, Begrüssungsworte, die Ansprache eines Vertreters der Regierung, die das Geld spricht, möglichst knappe Laudationes auf die Preisträger.

Der Thurgau hält dies auch so. Doch die Musik ist nicht Selbstzweck oder gar Dekoration – Rahel Kraft hat vergangenes Jahr einen Thurgauer Kulturförderpreis erhalten, wie Kulturamtchefin Martha Monstein einleitend sagt. Regierungsrätin Monika Knill fasst sich kurz und spricht, bezogen auf die im «Shed» entstehende Gruppenausstellung «Tanz mit Bruce», von Wir-Kultur und Co-Working im Zeitalter der Kollaboration – und dies gelte gewiss auch für die Empfänger der Förderbeiträge.

Musik als Gebrauchskunst

Der Pianist und Komponist Andreas Häberlin (1987) steht kurz vor dem Master in Filmmusik am Berklee College of Music in Valencia. Er trete, entgegen aller heutigen Individualisierungstrends, als Individuum zurück, sagt Laudatorin Anja Bühnemann, und sehe sein künftiges Wirken im zielgerichteten Komponieren, also ganz unpathetisch in der Musik als Gebrauchskunst. Andreas Häberlin dankt und sagt: «Ich will meine Musik mit Stolz in die Welt hinaustragen.»

Blick hinter die Kulissen

Ray Hegelbach (1983) hat bereits 2010 einen Thurgauer Förderpreis erhalten, hat in Luzern und Oslo Design und Kunst studiert und zahlreiche Ausstellungen bestritten. Ihn interessiere nach wie vor, was Malerei könne und was nicht, wie sie sich verändere, sagt Ursula Badrutt. Er wolle etwas mit Bildern erzählen und dekonstruiere den Prozess der Bildentstehung, gebe den Blick frei hinter die Kulissen. Verstärkt suche er die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Ray Hegelbach: «Der Support durch den Thurgau ist nicht selbstverständlich.»

Hin zu eigenen Projekten

Der Name Isabelle Kaiser (1985) stehe stets an zweiter Stelle, sagt Peter Surber – hinter dem des Regisseurs. Die Theaterschaffende habe bereits in 15 Produktionen für Ausstattung und Kostüme, Maske oder Licht gesorgt. Mit dem Werkbeitrag wolle die Ausstattungsassistentin am Opernhaus Zürich den Schritt von der Szenographin zur freien Theatermacherin tun.

Hinterfragt das Vertraute

Daniel V. Keller (1987) interessierten die optischen Informationen unserer Umwelt, sagt Rebekka Ray. Mit seinen Objekten und Plastiken zwischen Künstlichkeit und Natürlichkeit hinterfrage er vertraute Ansichten. 2015 hat er in der Kunsthalle Arbon und dank des Adolf-Dietrich-Förderpreises im Kunstraum Kreuzlingen ausgestellt. Keller: «Zeit und Geld zum Arbeiten ist das Grösste für mich.»

Schlachtfelder der Farbe

Die Bilder von Rachel Lumsden (1968) seien wahre Schlachtfelder der Farbe, sagt Markus Landert. Mit dem Preis wolle die in St. Gallen lebende und in Arbon arbeitende Engländerin nach neuen Wahrnehmungserfahrungen suchen und explizit nach «Erdnussbutterekstasen».

Erfolgreiche Perlentaucherin

Die Pianistin Andrea Wiesli (1978) fördere Musik zutage, die im Mainstream der üblichen Konzertprogramme meist untergehe, etwa die Schweizer Romantiker, sagt Martin Preisser. Das Engagement für Zeitgenossen sei ihr ein Herzensanliegen. Sie forsche, und das koste Zeit. Sie habe mehrere CDs aufgenommen und suche nach neuen Präsentationsformen. Andrea Wiesli dankt: «Ich fühle mich beflügelt durch diese Wertschätzung.»

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