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Schweizerdeutsch ist ihm zu viel Folklore

Helmut Federle lässt sich nicht einordnen. Weder menschlich noch künstlerisch. Das Kunstmuseum Basel zeigt derzeit Bilder des in St. Margreten aufgewachsenen Künstlers. Anlass ist sein 75. Geburtstag im kommenden Herbst.
Claudia Hottiger
The Jeremy Case (Eight), 2005 (Bild: Julian Salinas)

The Jeremy Case (Eight), 2005 (Bild: Julian Salinas)

«Nein, dazu will ich nichts sagen. Ich mache doch nicht ihre Hausaufgaben», antwortet Helmut Federle aufgebracht und kopfschüttelnd auf die Frage eines Journalisten. Dieser wollte wissen, ob er denn etwas über sein Werk «Asian Sign» erzählen möchte. «Lesen Sie den Titel, der sagt alles!»

Der Künstler Helmut Federle hat seine zornigen Seiten. Geplänkel mag er überhaupt nicht. Normalerweise meidet er solche Anlässe, der Rummel um seine Person wird ihm schnell zu viel. Der 74-jährige Künstler ist ein herausfordernder Gesprächspartner, der sein Vertrauen nicht leicht verschenkt. Immer wieder schweift sein Blick ab. Bei jeder Frage muss man damit rechnen, dass er einem entgleitet. Doch wenn da und dort ein Lächeln über sein Gesicht huscht, hängt man dem Mann mit den weissen Haaren, dem zotteligen langen Bart und der leicht heiseren Stimme an den Lippen. So auch im Kunstmuseum Basel, als Federle umgeben von sechs seiner grossformatigen Malereien, die momentan in einer Einzelausstellung gezeigt werden, über das gleiche Werk spricht, zu dem der – nun etwas geknickte – Journalist die falsche Frage gestellt hatte.

1982 kaufte das Basler Kunstmuseum «Asian Sign» (1980) für seine Sammlung auf und setzte bei der Erstpräsentation heftige Diskussionen in Gang. Die abstrakte Komposition der grossformatigen Malerei basiert auf der Form einer Swastika, die durch die Nationalsozialisten angeeignet und zum Hakenkreuz umfunktioniert wurde – deshalb auch die heftigen Reaktionen. Doch diese politische Komponente interessierte den Künstler überhaupt nicht, ebenso wenig der Aufschrei, der durch das Werk ausgelöst wurde. Federle will sich nicht gesellschaftlich ein- oder unterordnen, ebenso wenig sollen das seine Bilder tun. «Ich bin sehr glücklich über dieses Bild, weil es das Schlüsselwerk in meiner Arbeit ist», sagt er.

Der Identitätssuchende reisst früh von zuhause aus

Es sei grossartig, dass es in Basel hänge, da er in den 60er Jahren durch das Basler Kunstmuseum «visuell sozialisiert» wurde. Nie sei er zuvor in einem Museum gewesen. Helmut Federle kommt am 31. Oktober 1944 in Solothurn zur Welt. Seine Kindheit und Jugend verbringt er im beschaulichen St. Margrethen.

Hier wächst er in einem ehemaligen Flüchtlingslager auf. Zu seinen Wurzeln hat der heute 74-Jährige überhaupt keinen Bezug mehr, wie er sagt.Obwohl er seine Kindheit und die Beziehung zu den Eltern als schön bezeichnet: Mit 15 Jahren bricht er die angefangene Lehre als Flugzeugmechaniker ab, reisst von Zuhause aus und fährt per Autostopp nach Paris. Das Fremde der grossen Weltstadt habe ihn gereizt. Die Schweiz, das kleine Dorf in der Ostschweiz, haben ihm für die persönliche Entfaltung und seine Sehnsüchte nie ganz gereicht. Auch Schweizerdeutsch zu sprechen scheint ihm eher unangenehm zu sein. Während des Gesprächs wechselt er immer wieder ins Hochdeutsche. «Der folkloristische Aspekt, der dem Schweizerdeutschen anhaftet, dient mir schlecht», sagte er einst in einem Gespräch mit dem Architekten Jacques Herzog.

Die 60er-Jahre markieren eine schwierige Zeit für Federle, bis zu dem Zeitpunkt, als er sich endlich durchgerungen hat, sich an einer Kunstgewerbeschule anzumelden. Damals sei es nicht so einfach wie heute gewesen. Künstler galten als Aussenseiter. Das habe ihn geprägt. «Wenn Sie mit 15 von Zuhause weggehen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie werden Künstler oder kriminell – sicher nicht Bankangestellter.» Kriminell wurde er nicht. Was wurde er denn? «Aussenseiter, Sonderling bezeichnet es wunderbar.»

Der Reisende und Suchende Weltenbumler

Im Kunstmuseum Basel kommt er ab 1964 zum ersten Mal in Berührung mit den bedeutendsten Malern des abstrakten Expressionismus. Die Arbeiten von Barnett Newmann, Mark Rothko oder Clyfford Still faszinieren ihn und prägen von da an seine künstlerische Arbeit. Immer wieder zieht es den jungen Maler in die Welt hinaus. Nach Indien, Nepal und Afghanistan.

Seine Reisen waren ebenso für seine Bildvorstellung und Kompositionsidee prägend, die oftmals durch die fernöstliche Ornamentik, Kalligrafie oder Dekoration inspiriert wurde. Mit 35 Jahren zieht es den Künstler für vier Jahre nach New York, wo er, inspiriert durch die amerikanischen Maler der 50er-Jahre, seine eigene abstrakte Formensprache entwickeln kann. Hier malt er seine ersten monumentalen Formate, unter anderem auch «Asian Sign». 1984 lässt er sich in Wien neider, wo er seither lebt. Wobei niederlassen das falsche Wort für einen Menschen wie ihn wäre. Auch heute noch zieht es den Künstler in die Ferne. Er bleibt neugierig, ruhelos. Ein Künstler-Nomade.

Hinweis

Helmut Federle, bis 15. September, Kunstmuseum Basel

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