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Der Schweizer Auftritt in Venedig bleibt harmlos

Mit ihrem Projekt "Moving Backwards" bespielen Renate Lorenz und Pauline Boudry den Schweizer Pavillon an der Biennale in Venedig. Ein Auftritt mit etwas wenig Substanz.
Christina Genova
Renate Lorenz (l.) und Pauline Boudry ­bespielen in Venedig den Schweizer Pavillon. (Bild: KEY)

Renate Lorenz (l.) und Pauline Boudry ­bespielen in Venedig den Schweizer Pavillon. (Bild: KEY)

Das Unbehagen der Künstler mit dem Konzept der Länderpavillons ist an der Biennale von Venedig allenthalben spürbar. Verständlich in Zeiten, in denen der Nationalismus weltweit wieder Urstände feiert. Auch Pauline Boudry und Renate Lorenz, die dieses Jahr den Schweizer Pavillon bespielen, zählen dazu. Die Waadtländerin und die Deutsche leben in Berlin und arbeiten seit 2007 zusammen. Im Brief, den sie an die Besucher richten, lautet der erste Satz: «Wir fühlen uns von unseren Regierungen nicht vertreten und sind nicht einverstanden mit den Entscheidungen, die sie in unserem Namen treffen.»

Das ist natürlich ein Stück weit Provokation und nicht ganz konsequent, denn die Künstlerinnen hätten ja die Anfrage von der staatlich finanzierten Stiftung Pro Helvetia ablehnen können, die seit 2011 verantwortlich ist für den Schweizer Auftritt in Venedig. Ihr Projekt «Moving Backwards» ist ein Vorschlag, wie der Backlash der reaktionären Kräfte kreativ zu nutzen wäre. Sie drehen den Spiess um und deuten das Rückwärtsgehen als subversiven Akt. «Bewegen wir uns kollektiv rückwärts», lautet ihre Aufforderung. Vorbild sind ihnen die Frauen der kurdischen Guerilla: Um ihre Feinde zu täuschen, tragen sie ihre Schuhe in den schneebedeckten Bergen verkehrt herum. Was aussieht wie Schritte zurück ist eigentlich eine Vorwärtsbewegung. Dieses Prinzip variieren sie nicht nur in ihrem neu produzierten Film, dem Herzstück des Auftritts, sondern auch in der damit verbundenen Installation.

Kunstinstallation von Pauline Boudry und Renate Lorenz im Schweizer Pavillon an der Biennale. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Venedig, 5. Mai 2019))

Kunstinstallation von Pauline Boudry und Renate Lorenz im Schweizer Pavillon an der Biennale. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Venedig, 5. Mai 2019))

«Tanzen ist einfacher als sprechen»

Es beginnt damit, dass die Besucher den Pavillon statt über den Eingang über den Ausgang betreten. So landen sie auf der Bühne eines «abstrakten Nachtclubs», wie es die Künstlerinnen nennen. «Wir stellen die Position, die der Betrachter in einer Kunstausstellung einnimmt, in Frage», sagt Renate Lorenz. Im Club läuft ein gut 20-minütiger Film, in welchem drei Performerinnen und zwei Performer auftreten und mit Rückwärtsbewegungen experimentieren. Alle fünf kommen aus unterschiedlichen Tanztraditionen. Sie tragen ihre Turnschuhe wie die kurdischen Guerillakämpferinnen rückwärts herum; einer Performerin fallen die Haare über Gesicht und Rücken. Sie trägt Westernstiefel mit zwei Spitzen, sodass man nicht weiss, was vorne und was hinten ist. Das ist ganz im Sinne der Künstlerinnen, die stark von der Underground-Queer-Kultur geprägt sind. Überkommene Kategorisierungen sollen ausgehebelt werden. Die paillettenbesetzten Kleider, welche die Tanzenden tragen, sind eine Referenz an Drag-Performances. Paillettenbesetzt ist auch der Vorhang, der nicht nur im Film vorkommt, sondern auch Teil der Installation ist und sich mechanisch bewegt. «Tanzen ist einfacher als sprechen», sagt die Kuratorin Charlotte Laubard. Darum gehe es in diesem Pavillon. Da hat sie wohl recht, aber alles in allem hat dieser Auftritt trotz behauptetem Unterbau etwas wenig Substanz und wirkt harmlos. Da nützt auch die Zeitung zur Ausstellung mit Briefen von vierzehn Denkern und Aktivistinnen nicht, in denen sie sich direkt an das Publikum wenden.

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