Schweizer Jazz geht neue Wege

Das 31. Schaffhauser Jazzfestival erfindet sich neu und findet in diesem Jahr im Livestream statt.

Stefan Künzli
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Andreas Schaerers «Hildgard lernt fliegen» spielt zum Festival-Abschluss.

Andreas Schaerers «Hildgard lernt fliegen» spielt zum Festival-Abschluss.

Bild: ho

Wie kein anderes Festival dokumentiert das Schaffhauser Jazzfestival seit 30 Jahren die Schweizer Jazzszene. Coronabedingt findet die Werkschau des heimischen Jazzschaffens in diesem Jahr im Live-Online-Format statt. «Das Festivalteam hat in Rekordgeschwindigkeit ein neues Festivalformat entwickelt, das neben Abstrichen auch Chancen eröffnet», sagt Co-Leiter Urs Röllin.

Der grösste Nachteil ist natürlich das fehlende Publikum, sind die Begegnungen vor Ort im Kammgarn. Das neue Format bietet aber zusätzliche Möglichkeiten – wie den Blick hinter die Bühne. Angereichert wird das Programm mit Interviews. Man lernt die Musikerinnen und Musiker diesmal auch von einer anderen Seite kennen. Dazu kann das Festival dank der Online-Übertragung an jedem Ort der Welt mitverfolgt werden. Dank der Zusammenarbeit mit dem Schaffhauser Fernsehen, welches das volle Programm übernimmt, wird das Festival zudem im ganzen Schweizer TV-Netz zu sehen sein.

Das Festival startet am 13. Mai um 20.15 Uhr mit dem Solo-Konzert des Bassklarinettisten Sha aus dem Kulturzentrum Kammgarn. Eben per Livestream. Es endet am Samstag 16. Mai mit dem Konzert-Stream von Andreas Schaerer’s Hildegard lernt fliegen. Neben den Livestreams werden an den vier Festivalabenden auch vorher produzierte Konzerte gezeigt. Auch die traditionellen Schaffhauser Jazzgespräche, diesmal zum Thema «Do It Yourself», werden ins Programm integriert. «Wir wollen keine Jazzshow, aber eine ehrliche Momentaufnahme des aktuellen Schweizer Jazz», sagt Röllin.

Weil einige ausländische Bandmitglieder nicht einreisen können, gibt es kleine Anpassungen im Programm. Das betrifft zum Beispiel das schweizerisch-südafrikanische Quartett Skyjack. Geplant ist, dass der Schweizer Teil (Posaunist Andreas Tschopp und Saxofonist Marc Stucki) in Schaffhausen auftreten wird und der südafrikanische Teil (Pianist Kyle Shepherd, Bassist Shane Cooper und Drummer Kesivan Naidoo) in Südafrika. Beide Konzerte werden im Stream zeitversetzt gezeigt. Die meisten Schweizer Produktionen wie das Trio Heinz Herbert oder das Marie Kruttli Trio bleiben aber im Programm. Die neuen Details werden Anfang Mai aufgeschaltet.

Alle haben sofort mitgemacht

Als sich der Entwurf eines Livestream-Festivals abzeichnete, haben alle Musikerinnen und Musiker, alle Sponsoren und Stiftungen, Stadt und Kanton Schaffhausen, ohne zu zögern, ihre Unterstützung zugesagt. «Das ist sehr erfreulich und hat uns noch mehr motiviert», sagt Röllin. Alle Musikerinnen und Musiker erhalten die volle Gage. Der Zugang zum Online-Festival ist gratis. Ein digitaler Kollekte- und Solidaritätstopf ermöglicht die breite Unterstützung des Projekts.

Mehr Details und Informationen www.jazzfestival.ch