Wahre Begebenheiten
Eine Terrorüberlebende versucht Tritt zu fassen: Tessiner Film thematisiert schwere Kost und eröffnet Solothurner Filmtage

Die Online-Version der Solothurner Filmtage im Januar beginnt mit einer Frau, die einen Terror­anschlag überlebt hat. Die wahren Hintergründe und wer die Premiere schauen kann.

Daniel Fuchs
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«Atlas», ein Tessiner Spielfilm, eröffnet die Solothurner Filmtage.

«Atlas», ein Tessiner Spielfilm, eröffnet die Solothurner Filmtage.

Solothurner Filmtage

Bald ist es zehn Jahre her, seit auf dem weltbekannten Marktplatz Djemaa el Fna in Marrakesch eine Bombe 16 Menschen in den Tod riss. Darunter viele Touristen. Zwei getötete Männer stammten aus dem Tessin. Sie hatten mit ihren Freundinnen in Marokko Ferien gemacht. Die Frauen überlebten schwer verletzt.

«Atlas», der neue Spielfilm des Tessiner Filmemachers Niccolò Castelli, erzählt nun die fiktive Geschichte einer dieser beiden Frauen. Er eröffnet die 56. Ausgabe der Solothurner Filmtage, die am 20. Januar 2021 beginnt.

Zum ersten Mal ein Eröffnungsfilm aus dem Tessin

«Atlas» handle von der schwierigen Aufgabe Allegras, der Hauptfigur, nach dem Erlebten wieder Tritt zu fassen, heisst es bei den Filmtagen. «Niccolò Castelli öffnet einen Raum für die kollektive Gefühlswelt unserer Gegenwart und fragt: Wie gehen wir mit einem plötzlichen Eingriff in die gewohnte Lebensrealität um?», sagt Filmtage-Direktorin Anita Hugi.

Es ist das erste Mal, dass ein Tessiner Beitrag die jährlich in Solothurn stattfindende Werkschau des Schweizer Films eröffnet. Castelli kannte die wahren Opfer des Anschlags von 2011. «Genau wie während der Pandemie heute beschlich mich damals das Gefühl, dass etwas in unseren Alltag einzieht, was uns nicht mehr loslassen wird: die Angst», so der Regisseur.

«Allegra fühlt sich vor dem dramatischen Ereignis, das ihr Leben verändert, völlig frei. Als die harte Realität sie einholt, ist die Wirkung extrem.»

Schlagartig sei auch ihm damals bewusst geworden, dass er nicht eine glückliche Insel bewohnte, die abgetrennt sei vom grossen Ganzen, so Castelli.

Ausgabe 2021 wandert komplett ins Netz

Die Filmtage finden vor Ort in Solothurn wegen der Coronaeinschränkungen im ganz kleinen Rahmen statt. Guy Parmelin, zum Bundespräsidenten 2021 gewählt, wird mit Anita Hugi und Felix Gutzwiller von den Filmtagen die spezielle Ausgabe 2021 eröffnen.

Die Reden und der Film «Atlas» werden sowohl online als auch auf den Kanälen der SRG in der Deutschschweiz, in der italienischen und in der französischen Schweiz gezeigt.

Für die Ausgabe, die komplett ins Netz wandert, gibt es eine neue Website. Darüber werden die Premieren, Diskussionsrunden und Preisverleihungen zu sehen sein. Die Zutritte sind kontingentiert. Programmdetails gibt es am 6. Januar. Die Filmtage dauern vom 20. bis zum 27. Januar.