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Schweiz geht beim Bachmannpreis Klagenfurt leer aus

Österreich räumt vier der fünf Preise ab. Die Schweizer Silvia Tschui, Tom Kummer und Andrea Gerster schaffen es nicht auf die Shortlist.
Hansruedi Kugler
Gewinnerin Birgit Birnbacher. (Bild: ORF)

Gewinnerin Birgit Birnbacher. (Bild: ORF)

Die Enttäuschung aus Schweizer Sicht hatte man gestern kommen sehen. Allzu verhalten war die Zustimmung der Jury bei allen drei Schweizer Texten gewesen.

Tom Kummers nächtliche Taxifahrt eines Alleinerziehenden, der Schuldgefühle über den Tod seiner Frau auch mit verkrampftem Griff am Steuerrad nicht unter Kontrolle bringt, wurde als «starker Text mit Retro­einschlag» beurteilt. Ihm hätte man nach der Jurydiskussion am ehesten Chancen auf ein Weiterkommen eingeräumt. Sieben der vierzehn Autorinnen kamen gestern auf die Shortlist.

Jury: Reserviert bis ablehnend

Auf Silvia Tschuis wuchtigen Text über ein Brüderpaar, das in Kriegserinnerungen an die gemeinsame Flucht vor feindlichen Truppen im Verrat sich entzweit, reagierte die Jury reserviert bis ablehnend. Gegen die hunderten von literarischen Texten über das Riesenthema Kriegstrauma vermöge die Autorin mit ihrer einfachen Sprache nicht zu bestehen.

Andrea Gersters Monolog einer Frau, die sich als aggressive Grossmutter in die Familie ihrer Schwiegertochter einmischt, bekam Zustimmung für den Mut, böse Mütter zu schildern. Insgesamt aber werde der Text «Opfer seiner einfachen Sprache», letztlich «zu bieder».

Zauber lebendiger Objekt und Nazivergangenheit

Den Hauptpreis mit 25000 Euro gewann die 1985 geborene Österreicherin Birgit Birnbacher. In «Der Schrank» gelingt ihr aus einem plötzlichen Auftauchen eines Biedermeierschränkchens eine Parabel auf den ökonomischen Kollaps. In einem heruntergekommenen Mietshaus in einer Festspielstadt treffen die Erzählerin, ein Sozialforscher und ein Postbote aufeinander. Becketts «Endspiel» klingt an. Laudator Stefan Gmünder sagte, alles dies geschehe ohne mit Zaunpfählen zu winken und mit einer Sprache, die aufrühre, knistere. Dass der Text mit dem Bedürfnis der Erzählerin zu singen endet, sei genau das, was Poesie ausrichten könne, nämlich von einem neuen Leben zu singen.

Auch der zweite und dritte Preis bleiben in Österreich: Leander Fischer, Jahrgang 1992, hatte einen Text mitgebracht, der das Knüpfen eines Fliegenfischerköders zum Kunstwerk erhebt. Seine Hauptfigur ist Hobbyfischer und Musiklehrer. Laudator Hubert Winkels schwärmte vom Zauber dieser Literatur: Der Text mache Dinge lebendig und zeige auf, dass kein Violinkonzert von Mozart schöner sein könne als das Knüpfen eines solchen Köders. Der Lohn: 12500 Euro.

Eine Frau heult wie ein Schakal um ihren Sohn

Julia Jost, ebenfalls Österreicherin, die Gewinnerin des Kelag-Preises mit 10000 Euro, hatte einen Text gelesen über das erfundene, aber realistisch gezeichnete «Schakaltal», das so heisst, weil darin eine Frau wie ein Schakal um ihren Sohn heult. Mit Humor und erzählerischer Distanz trifft Jost darin das heutige Österreich mit seiner braunen Vergangenheit.

Den 3sat-Preis (7500 Euro) gewann der deutsche Yannic Han Biao Federer, der vorher drei Mal im Stichentscheid um die ersten Preise unterlegen war. Den Publikumspreis (7000 Euro), der im Online-Voting bestimmt worden war, bekam die Österreicherin Ronja Othmann. Sie hatte einen Text gelesen, der von den Gräueln des IS berichtet.

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