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Schweigen ist nicht immer Gold

Schweigen als spirituelle Erfahrung oder als Machtmittel in Politik und Beziehungen: Psychotherapeut Theodor Itten spannt in einem dichten Buch den Bogen über ein anspruchsvolles Thema.
Martin Preisser
Der St. Galler Psychotherapeut und Autor Theodor Itten. (Bild: Urs Bucher)

Der St. Galler Psychotherapeut und Autor Theodor Itten. (Bild: Urs Bucher)

Theodor Itten zitiert am Schluss seines neuen Buches den Schweizer Autor Peter Stamm. Der machte sich im Mai in seiner Dankesrede für den Solothurner Literaturpreis Gedanken übers Schweigen: «Das Verstummen eines Autors kann nur das Ende einer langen Entwicklung sein. Und so schreibe ich weiter, bis ich irgendwann ganz in der Stille angekommen bin und das Verstummen zu meinem letzten Werk wird.»

Verstummen ist nur ein Wort aus dem grossen Bereich des Schweigens. Stille gehört dazu, aber auch das Verschweigen. Es werden Schweigemauern aufgebaut, Schweigegelübde abgelegt. Schweigen kann berühren, lässt aber auch erstarren oder zementiert Abhängigkeitsverhältnisse. Ein grosser und komplexer Begriff ist das Schweigen, dem sich der St. Galler Autor und Psychotherapeut Theodor Itten in seinem neuen Buch annimmt.

Sozialpsychologisch, kulturell und soziologisch-philosophisch will er sich der Thematik nähern. Er tut dies mit einer dichten, kenntnisreichen und recht persönlichen Sprache. Ittens Buch «Schweigen» ist nicht ein bloss theoretischer Diskurs, sondern ein flüssiges Lesebuch, das man nicht Seite um Seite lesen muss, sondern bei dem man sich wegen der guten Überschriftenführung an ganz verschiedenen Stellen ein- und festlesen kann.

Spirituelles Schweigen und moderne Schweigemauern

Ziel des Buches sei es, «eine neue und vielleicht überraschende Verbindung zwischen Stille, Schweigen und Ruhegeben zu ermöglichen», sagt Theodor Itten. Dieser Anspruch wird gelingend eingelöst. Stille ist universal, Schweigeverhalten breit gefächert. Die im Berliner Springer-Verlag erschienene Schrift lädt ein, Schweigen als Möglichkeit und Stille als Geschenk zu sehen. Schweigen kann auch Mut bedeuten. Schweigen ist aber auch ein gefährliches Manipulationsinstrument. Das Totschweigen gehört in diesen Kontext.

Ittens Buch «Schweigen» (Untertitel: «Von der Kunst der Stille bis zur befohlenen Ruhe») bietet viele interessante und in dieser Art ganz neu zusammengestellte Fakten über die Geschichte des Schweigens, vor allem auch im Kontext spiritueller Traditionen. Und gleichzeitig analysiert es das Verschweigen in der Moderne, im politischen und gesellschaftliche Zeitgeschehen, vom deutschen NSU-Skandal bis zur MeToo-Bewegung. Ein Aspekt ist auch das deutsches kollektive Verschweigen nach 1945.

«Klang verklingt in die Stille»

Einen deutlichen Raum nimmt in den spannend geschriebenen Teilkapiteln auch die Musik ein, die mit Tönen gleichsam Stille einzäunt. «Klang taucht aus der Stille auf und verklingt in die Stille», wird der Toggenburger Musiker Peter Roth zitiert. Und nicht zu vergessen der amerikanische Komponist John Cage mit seiner Philosophie von «Silence».

Als Psychotherapeut interessiert sich Theodor Itten auch für das Schweigen in der Therapie; das Heilende, aber auch das Manipulatorische bilden hier polare Positionen. «Manchmal ist Schweigen Silber und Reden Gold» dreht Itten den bekannten Spruch um und analysiert scharfsinnig das «verordnete» Schweigen.

«Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.» Auch dieser bekannte Satz des Philosophen Ludwig Wittgenstein hat aber seine volle Berechtigung. All diese vielschichtigen Aspekte zu konkretisieren und reichhaltige Denkanstösse zu geben, ist das Hauptverdienst des Buches. Im Dickicht der umfassend zusammengetragenen Literatur findet der Autor seinen ganz persönlichen roten Faden zum Thema Dem Autor ist ein lebendiges Kompendium gelungen.

Der Autor

Theodor Itten wurde 1952 in Langenthal geboren und lebt heute als freischaffender Psychotherapeut, Psychologe und Autor in St. Gallen. Frühere Bücher des Autors sind den Themen «Jähzorn» und «Grössenwahn» gewidmet.

Buchvernissage:

Buchvernissage: Do, 25.10., 20 Uhr, Buchhandlung Comedia (Katharinengasse 20), St. Gallen

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