Schwarz und bissig

Heute hat in der Kellerbühne das Ein-Frau-Musical «Heute Abend: Lola Blau» Premiere. Das Stück stammt aus der Feder des Kabarettisten Georg Kreisler.

Brigitte Schmid-Gugler
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Christine Lather als Lola. (Bild: Bernhard Fuchs)

Christine Lather als Lola. (Bild: Bernhard Fuchs)

Tauben werden keine vergiftet, dafür speit der Komponist, Sänger und Autor Georg Kreisler einmal mehr von seinem satirisch-kabbarettistischen «Gift». Es hat die Farbe und den Geschmack des harten und unbarmherzigen Lebens auf und hinter der Bühne zu einer Zeit, da Adolf Hitler bereits seine Finger mit im unheimlichen Machtspiel hatte.

Sein kleines Musical, das der im vergangenen Jahr verstorbene Kreisler für seine damalige – die dritte von vier Ehefrauen – Topsy Küppers schrieb und es auch mit ihr zusammen im Jahr 1971 zur Uraufführung brachte, erzählt die Geschichte der Schauspielerin Lola, die ehrgeizig und begabt ihr erstes Engagement antreten will. Doch dann, 1938, kommt alles anders, und ihre Odyssee führt die Frau durch die Nachtclubs in verschiedenen Ländern Europas, bis sie schliesslich in Amerika landet. Nach dem Krieg kehrt Lola Blau zurück, sie sucht immer noch ihre grosse Liebe, findet Zerstörung und Leid.

Eigene Erfahrungen

1984 hatte Georg Kreisler aus dem Programmheft eines Wiener Theaters erfahren, dass sich Topsy Küppers, von der er seit 1975 geschieden war, als Autorin seines Stückes «Heute Abend: Lola Blau» ausgibt. Der Rechtsstreit dauerte 14 Jahre; Kreisler, der sich selber wiederholt mit Plagiat-Vorwürfen konfrontiert sah, bekam schliesslich recht.

Vieles an dem Stoff, den Kreisler per Regieanweisung mit Originaldokumenten der Zeitgeschichte schmückt, erinnert an seine eigene Geschichte: Auch er, der in Wien in einer jüdisch-österreichischen Familie aufgewachsen war, floh nach Amerika. 1943 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Als er 1946 von Hollywood nach New York zog, trat er als Unterhalter in Nachtclubs auf und tourte mit eigenen Programmen durch die Vereinigten Staaten. Allerdings mit mässigem Erfolg. Mitte der 1950er-Jahre kehrte er zurück nach Wien und erlebte nunmehr seine beste Zeit in Europa – obwohl etwa der Österreichische Rundfunk seine Lieder eine Zeitlang nicht senden durfte.

Dem Chanson zugeneigt

Seit der ersten Aufführung von «Lola Blau» wurde das Ein-Frau-Musical unzählige Male neu interpretiert. Christine Lather, die in der Kellerbühne von Jean Hoffmann am Klavier begleitet wird, führt es seit drei Jahren in ihrem Repertoire.

Die Zürcher Sängerin bewegt sich vorzugsweise im Bereich zwischen Musik und Theater. Ihre grosse Liebe gilt der Interpretation des deutschen und schweizerdeutschen Chansons. Sie erarbeitete in den letzten Jahren verschiedene eigene thematische Liederabende.

Aufführungen heute Mi sowie Fr, 14.; Sa, 15. September, Kellerbühne, 20 Uhr

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