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SCHUBERTIADE: Auf Flügeln des Gesangs

Christiane Karg entdeckt in Schwarzenberg den Italiener Schubert, das Quatuor Ebène spielt Mozart ungemütlich.

Es wird ein prickelnder Abend werden. In der Pause, draussen vor dem Angelika-Kauffmann-Saal, brummen Junikäfer einen sachten Bassostinato; sommertrunken umschwirren sie die Proseccogläser, die ein paar Damen und Herren jetzt dringend nötig haben. So aufregend, so irritierend war das an sich wohlvertraute Streichquartett d-Moll KV 421 unter den flinken Händen der Franzosen Pierre Colombet, Gabriel Le Magadure, Adrien Boisseau und Raphaël Merlin, besser bekannt als Quatuor Ebène.

Dass Mozart ein Genie und seiner Zeit weit voraus war: geschenkt. Doch in der Interpretation der vier wird er immer wieder für Bruchteile von Sekunden aus der Wiener Klassik in andere Klangsphären entrückt, und in der Komfortzone befindet er sich wirklich nie. Das Quatuor Ebène gehört nun einmal nicht zu den Formationen, die Musik einfach sich selbst überlassen. Dafür gestalten sie viel zu gerne und steigern sich hinein in das geistreiche, emotional subtile Gespräch zu viert. Das Ergebnis mag Geschmacksache sein; gepflegte Langeweile jedenfalls breitet sich nicht aus. Wann immer man zu wissen glaubt, wie es weitergeht, erscheint das Thema plötzlich als ein Schatten seiner selbst, blitzt eine der Stimmen überraschend auf; dabei macht niemals einer der vier sein eigenes Ding. Was ungestüm, wie eine Eingebung des Moments wirkt, hat seinen Sinn – und den sucht das Quartett gemeinsam, keine Frage.

Mozart, Ravel und der Jazz auf Saiten

Dass sie auch Jazz spielen, lassen sie das liedverliebte Schubertiade-Publikum nicht erst zur Zugabe wissen: Man merkt es bereits bei den Klassikern – zu Mozarts d-Moll-Quartett gesellt sich im ersten Teil des Konzerts noch Beethovens bekenntnishaftes Streichquartett f-Moll op. 95. Erst recht, wenn sie später mit Maurice Ravel in ihrem Element sind. Da entfaltet denn auch der Pausenprosecco seine Wirkung; der Applaus am Ende jedenfalls fällt frenetisch aus, hitziger als noch am Nachmittag, zum Auftakt des ersten Schubertiade-Wochenendes, beim Konzert der Sopranistin Christiane Karg mit Andreas Staier am Hammerklavier.

Auch bei ihnen heisst es Mozart first; durch drei Sprachen geht es, und immer liegt eine Veilchennote in der Luft, was sich weiterzieht bei Mendelssohn – hier noch deutlicher mit romantischer Ironie versehen. Christiane Karg beherrscht das musikalische Augenzwinkern subtil; «auf Flügeln des Gesangs», wie es im Lied nach Heine heisst, trägt sie die Hörer durch ein motivisch dicht verwobenes Programm. Neben Haydns ausdrucksstarker «Arianna a Naxos» wagt sie selten gesungene italienische Canzonen von Schubert auswendig. Da muss sie dann aber doch zwischendurch kurz Andreas Staier über die Schulter zublinzeln.

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

Weitere Konzerte bis 25. Juni.

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