Mundartserie Hunziker 2020: Heute «Schtart-öp (Gon)»

Vom Mundartwörterbuch zu Literatur inspiriert: Christian Haller.

Christian Haller
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Christian Haller.

Christian Haller.

Bild: Sandra Ardizzone

Mundartprojekt Hunziker2020

In unserer Mundartserie lassen sich Aargauer Schriftstellerinnen und Schriftsteller von Mundartbegriffen zu eigenen literarischen Mundarttexten inspirieren. Die Serie ist ein Teil des Digitalisierungsprojekts des Aargauer Wörterbuchs von Jakob Hunziker. www.hunziker2020.ch Sponsor Die Mundartserie wird unterstützt von der Neuen Aargauer Bank.

Under de Duschi, wo anderi singe oder pfiife, hani mängisch die beschte Ifäll. I ha mi hüt zum Biispiel, wo s Wasser warm übere Rügge abegloffe esch, gfrogt, werum i no nie es Schtart-öp gründet ha. I hätti nämlig es Projekt, wo Gesellschaft total verändereti, ohni sogenannte Praradigmewächsel, em Gägeteil. D Idee esch mer cho, wo ni inere Autobahnraschtstette es Gütterli Wasser kauft han. Das het so viel koschtet, wie ne Drüüer Pinot noir vom Dani Füürscht z Hornuusse, und do hani dänkt, wenn me Wasser zu söttige Priise verchaufe chan, gwöhnlichs Wasser, de sett me das au mit de Wörter mache chönne. Me müssti eifach d Sprooch privatisiere. Mis Schtart-öp gründeti denn en Aktie- gsellschaft, wo alli Wörter sammlet, wo öpper schriibt, egal öb als Mail, Brief, Artikel oder Buech. Das esch weniger schwierig, als me glaubti, will sowieso jede nur no uf em Handy oder Compiuter schriibt und jedes Schiibprogramm automatisch alli Wörtli zellt, wo eine schriibt. Jedes Wörtli wird eimol im Johr abgrechnet und choschtet zum Bischpiil 0,1 Rappe. D Aktiegsellschaft bhaltet für ihre Ufwand 10 Prozent für sech und lieferet de Räscht a Gmein als Ersatz für d Schtüüre. Das Firmemodell, wo mis Schtart-öp uusarbeitet, würd aber ned nur Wörter sammle. Es entwickleti und verchaufti au Wortschatz-Pääkitschis. Zum Bischpiil es «Fondamentel», mit öppe drüütuusig Wörter für de eifachi Alltag, es «Edukeitit» für Gschtudierti oder es «Profeschionel» für Journalischte und Schriftsteller. Dezue gäbs de aber auch no Spezial-Pääkitschis wies «Romantica» für Verliebte oder es «Konverseischen» für Partygänger. En Hit wäri s «Antika» mit alte Wörter, wie zum Bispiil «Gon», en langstielige Schöpfchübel fürs Sänkloch. De gesellschaftlich Effekt vo dere Privatisierig wär immens. Es würd viil weniger Überflüssigs gschriiebe, und s Gschriibne wär churz und bündig. Me stell sich das im Parlamänt vor. Macht eine en Vorstoss, zum Biispiel d Sprooch z privatisiere, würde die andere motze und säge: Weisch was mi die Stellignahm wieder choschtet, he?

Aber wo ni mi de nach em Dusche atröchned han, hani dänkt, das sig doch weder tüpisch für me. Uusgrechnet ich chiem bi dere Idee luusig a Kasse.